Gastbeitrag im Blog des Branchennachwuchses


Hanna hat mit ihrem Artikel „Das Schlachten verstehen und gestalten“ eine Replik auf Steffen Meiers Rant „Das Schlachten beginnt – das ängstliche Blöken der Verlage ist die Antwort“ geliefert, auf die ich hier gerne hinweise.

Bildquelle: Huhu Uet via Wikimedia CommonsCreative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5 US-amerikanisch (nicht portiert) Lizenz.

Horror-Publikationen: "Ersetzen die e-books die Kleinverleger?"

Im Horror-Forum läuft eine interessant zu beobachtende Diskussion zwischen Autoren, Lesern und Leuten, die sowohl konsumieren als auch produzieren. Die Diskussion geht dabei von 8 Thesen von Uwe Voehl aus:

1. Die Kleinverlage wachsen aus dem Boden, viele dümpeln aber nur noch dahin.
2. Die Zeiten, in der der Horror-Fans sämtliche Veröffentlichungen der Kleinverlage gekauft hat, sind vorbei.
3. Mehrere Stimmen hier im Forum, die sich nicht mehr bedenkenlos SUBs eines Autors oder eines Verlags leisten.
4. Medusenblut veröffentlicht erstmals ein reines e-book.
5. Voodoo-Press stellt kommentarlos die SCREEM-Reihe ein.
6. Trotz der Expansion ist im letzten Jahrzehnt kein wirklich erstklassiger Autor aus der Kleinverlags-Szene emporgewachsen. Siefener, Sembten, Gruber – die waren schon lange vorher da.
7. Einige Kleinverlage schludern, was Lektorat, Übersetzung und Sorgfalt betrifft, investieren lieber in ein Hochglanzcover als inhaltliche Qualität – das rächt sich nun.
8. Mehr und mehr Autoren übernehmen das Ruder und verlegen ihre Werke selbst – als e-book.

Insgesamt ist die Diskussion noch recht „e-fern“ dominiert – bildet aber sicher auch kein repräsentatives Bild der Horror-Leserschaft ab. In meinen Augen (und angesichts der Erfolge von eBooks im amerikanischen Fiction-Markt) liegt hier eine (!) Zukunft des Marktes, die man tunlichst nicht ignorieren sollte. Im Bereich des Marketings etwa haben die Selfpublisher jede Menge neue Möglichkeiten (siehe etwa diesen aktuellen Gastbeitrag von Richard Norden in Marcus Johanus Blog), auch, um sich selbst als Marke zu etablieren und nicht mehr auf (Klein-)Verlage angewiesen zu sein.

(Via Vincent Preis)

"Neue Urheber statt neue Gesetze": Vortragsmitschnitt von literaturcafe.de

literaturcafe.de hat einen sehr hörenswerten, eindreiviertelstündigen Vortrag von Wolfgang Tischer online gestellt, in dem es um Gegenwart und Zukunft des Urheberrechts und vor allem der Urheber geht. Der Vortrag ist unideologisch, unparteiisch und kritisch:

[Dies ist] kein Vortrag zum Thema »Raubkopien«. Es wäre kein Problem, einen Abend zu gestalten und mit Studien zu belegen, wie schlimm das Ganze ist und welche Verluste dadurch für die Kreativen und die Kreativwirtschaft entstehen. Man könnte jedoch auch einen Abend veranstalten, der genau das Gegenteil belegt und der anhand anderer Studien zeigt, dass Nutzer von digitalen Kopien mehr Medienartikel kaufen als der Rest der Welt.

[…]

Was hat es mit der oft geforderten Stärkung des Urheberrechtsgesetzes auf sich? Schon jetzt schützt das Gesetz den Urheber, der gegen unrechtmäßige Verwendungen seiner Texte vorgehen kann. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, auch wenn dies immer wieder behauptet wird.

Hier der komplette Mitschnitt, auf literaturcafe.de auch als Datei:

Marketing der Woche (KW 30): Reclam

Reclam macht Imagewerbung – mit Humor. Die ganze Universalbibliothek wurde in ein Bücherregal gestellt:

Bild der Reclam UniversalbibliothekDas war aber erst der Anfang: Reclam hat sich ein paar echt nette Sprüche dazu ausgedacht, z.B. „Diskussionsthemen ausgegangen? Die ganze Universal-Bibliothek: 2790 Bände für große Gespräche“.

Und damit bekommt das Bild das gewisse Etwas. Ohne Sprüche wäre es auch interessant gewesen, aber richtig gut wird es eben erst durch den Mehrwert – und ist damit ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Text und Bild.

Die Bilder gibt es als Postkarten. Hier sind alle drei Motive:

 

Die klassischen Player im eBook-Markt agieren nur noch reaktiv

The publishing and ebook industry is completely in reaction mode. Publishers reacted to Amazon by colluding to set up the agency system. Kobo and B&N reacted to Amazon by mimicking its strategy. Even the IDPF’s EPUB3 and FXL standards are reactions to the runaway train that is HTML5 and Apple’s format extensions, respectively. Google’s publishing plans seem about as coordinated and planned as a piece of driftwood’s path through a hurricane.

The only two companies that seem to have a plan and try to act on it are Amazon and Apple, both tech companies.

Eine treffende Analyse, die den Artikel The end of ebook development einleitet. Der Rest ist ein guter Überblick über das, was zum Publikationsglück noch fehlt: gute Tools, einheitliche Standards, simple Abläufe. Lesenswert!

Plüsch und Buchlemie

In der Spätphase übernimmt eine Armada von körperschaftseigenen Abwehrkräften (ich meine die Buying Committees, Space Manager oder eben Commercial Direktoren) die systematisierte Ablehnung von Buchbestand. Am Ende werden dann kalorienreiche Bücher durch kalorienarme Nonbooks ersetzt. Man könnte von einer Buchlemie sprechen.

In ungefähr diesem Stil findet sich ein ganzes Interview im BuchMarkt. Unabhängig davon, ob man Ludwig Könemann bei seinen Ausführungen zum Buchmarkt Recht gibt oder nicht, es ist lesenswert! Allein die ganzen Sprachbilder sorgen für Erheiterung, nicht im Sinne von Auslachen, sondern einfach ob dem Nachvollziehen der Gedankengänge.

Marketing der Woche (KW 29): Crowdinvestment für PaperC

Heute gehts es im Marketing der Woche nicht um Endkundenmarketing, sondern um Kapitalakquise.

Crowdfunding ist in aller Munde, auch für Verlagsprodukte – etwa für Graphic Novels, bei denen Kickstarter schon als zweitgrößter Publisher im Gespräch ist.

Crowdinvestment nimmt ebenfalls an Bedeutung zu, gerade für Startups, die somit neben Business Angels und Venture-Kapitalgebern eine neue, breiter streuende Finanzierungsform haben. Darin versucht nun auch PaperC sein Glück und hat – ganz nach der Devise, dass man nichts crowdfunded, ohne Bewegtbild zu bieten – ein kleines Video produziert:

Wer investieren möchte, findet alle relevanten Infos bei Innovestment.

Das Ende der Neugier

Quelle: Wikimedia Commons

Wer kennt ihn nicht? Den unauffälligen Blick des Sitznachbarn im Zug, was man denn liest? Oder auch den eigenen Blick, welche Lektüre denn das Gegenüber in der S-Bahn liest? Und wer kennt nicht die peinliche Berührtheit auf mindestens einer Seite, wenn es denn doch eher mal „seichte“ oder gar erotische Literatur und kein Goethe ist? Das Schämen und Fremd-Schämen hat jetzt ein Ende – dank den eBook-Readern.

Keine fremden Blicke mehr

Ich finde das befreiend! Endlich kann ich das, was ich lesen will, in Ruhe lesen, ohne darauf achten zu müssen, dass u.U. den Buchtitel niemand erkennt. Denn so liberal wie wir vorgeben in Bezug auf die Literatur zu sein, sind wir bei Weitem nicht (aber das ist ein anderes Thema). Allerdings haben schon mehrere Freunde darüber geklagt, dass sie jetzt eben nicht mehr sehen, was andere Leute lesen.

War es früher besser?

Ist der Zugewinn an Anonymität also wirklich eine Verbesserung der Lage? Bei einem konkreten Buchtitel konnte man leichter ins Gespräch kommen, wenn man das Buch auch schon gelesen hatte oder sich dafür interessierte. Heutzutage wird es eher auf ein Gespräch über den eBook-Reader-Typ herauslaufen. Dass dies ein Aspekt ist, den viele Menschen vermissen werden, kann ich nachvollziehen. Aber da ich meine Privatsphäre wirklich mag, finde ich eBook-Reader wirklich eine Erleichterung. Und über die gelesen eBooks kann ich nach wie vor mit meinen Freunden reden, vor allem da ich sie sowieso lieber mit Freunden als mit Fremden bespreche.