Poesie im Grünen

Foto des Poetenfests
© Sabrina Kurtz

Jährlicher Höhepunkt im Sommer: Das Erlanger Poetenfest! Sofern das Wetter mitspielt, ist das die Gelegenheit, sich gemütlich auf eine Decke zu legen und dabei hochkarätiger Literatur zu lauschen – nach spätestens zwei Stunden ist man tiefenentspannt.

Umsonst-Vergnügen

Als einen der großen Bonus-Punkte empfinde ich (auch als Nicht-Mehr-Student), dass die Nachmittags-Lesungen im Schlosspark kostenlos sind. Das führt einerseits zu einer niedrigen Hemmschwelle hinzugehen und andererseits zu einer niedrigen Hemmschwelle auch wieder wegzugehen. Da hängt man bei Standard-Wasserglas-Lesungen eher mal fest und hat außerdem sein Geld umsonst ausgegeben, wenn einem das Werk (oder der Autor) nicht gefällt. Beim Poetenfest geht es freier zu, nicht zuletzt auch, weil im Halbstundentakt der Autor wechselt. Und das führt zwar dazu, dass man nicht so intensiv einsteigt wie sonst, aber zu einer groben Einschätzung, ob man zum Autor und seinem Werk einen Bezug findet, reicht es leicht.

Finanzielle Unterstützung

Wenn man das Konzept mehr als durch bloße Anwesenheit unterstützen will, kann man einen Poetenfest-Pin kaufen. Den gibt es jedes Jahr in den aktuellen Farben. Mit einem Betrag von 5€ kann zwar mitnichten die gesamte Riege der auftretenden Schriftsteller bezahlt werden, aber es ermöglicht eine freiwillige symbolische Beteiligung. Das finde ich sympathisch und angesichts der Masse derer, die damit herumgelaufen sind, war ich nicht die Einzige. Insbesondere bei regelmäßigem Besuch kommt dann schnell die Sammelleidenschaft durch.

PaperC zur eBook-Flatrate

Katja Splichal ist bei meinstartup.de im Interview und berichtet von PaperCs Crowfinvest-Bemühungen, den Relaunch der Plattform – und die Notwendigkeit attraktiver Angebote, um urheberrechtswidrigen Download-Plattformen wirkungsvoll zu begegnen:

Wie konntet ihr die angeschlossenen Verlage davon überzeugen, bei diesem innovativen Modell mitzumachen?
Der Grad der Aufgeschlossenheit hängt, so denken wir, mit dem Grad der Bedrohung durch illegale Angebote zusammen: ein Verlag, der zum Leidwesen der Umsätze 80% seiner eBooks (oder mehr) in bester Qualität kostenfrei im Netz finden kann, hat großes Interesse daran, potentiellen Kunden das Geldausgeben so einfach wie möglich zu machen: Nutzer sind ja bereit zu zahlen, wenn das Angebot stimmt/überhaupt erst einmal vorhanden ist!

Marketing der Woche (KW 34): 3-Löwen-Jagd

Das Bäckertüte mit Werbung für 3-Löwenjagdneue Marketing-der-Woche hab ich quasi gekauft. Als ich mein Abendessen ausgepackt habe, habe ich bemerkt, dass die Bäckertüte anders ist als sonst und sogar einen QR-Code hat. Ich bin dann mal auf die Internetseite und irgendwann zu der Meinung gekommen, dass die Schnitzeljagd „3-Löwen-Jagd“ trotz Sponsoring durch Deutsche Bahn, Europapark und 3-Löwen-Takt eine gute Sache ist [für Nicht-BaWü-ler: Das Wappen Baden-Württembergs enthält drei Löwen]. Für Schüler, die während der Ferien sowieso viel Zeit haben, ist das eine gute Gelegenheit, ihre Umgebung zu entdecken.

Zielgruppe erreicht

Dadurch, dass die Bäckertüten damit bedruckt sind, kommt die Werbung vor allem auch an. Bei ganz viel Werbung, zum Beispiel an Plakatwänden, ist das ja oft fraglich, aber da man eine Bäckertüte sogar in der Hand hält, ist die Hemmschwelle meines Erachtens ziemlich niedrig. Auch Facebook-Gruppe etc gibt es, was gut und notwendig ist, weil man dadurch die Bekanntheit nochmal steigern kann. Außerdem stellt man sicher, dass sich die junge Zielgruppe dort austoben kann, wo sie sich sowieso aufhält.

 

[Sorry für die sträfliche Vernachlässigung dieser wirklich netten Kategorie, aber zu manchen Zeiten lässt einem das Leben leider nicht die Zeit zum Bloggen.]

In eigener Sache: Ich arbeite jetzt bei dotbooks

Seit vergangenem Montag arbeite ich in München bei dotbooks, einem noch jungen Verlag für eBooks, und bin für’s Lektorat mitverantwortlich. Achja, und ich twittere dort natürlich auch. Ich entschuldige mich schon jetzt dafür, dass die Posting-Frequenz hier wohl deutlich abnehmen wird – dafür ergeben sich vermutlich diverse spannende Artikelanregungen und diskussionswürdige Stoffe.

Selfpublisher, Selfmarketing und Ehrlichkeit

Xander Morus ist das Pseudonym eines Universitätsangestellten aus Bayern. Er schreibt mit Vorliebe Horror-und Thrillergeschichten, liebt bayerisches Bier, H.P. Lovecraft und Youtube-Videos von alten Computerspielen.

Besagter Xander hat im Mai als journalistische Übung mit Selbstmarketing-Nebeneffekt einen Artikel über Selfpub-Autoren im Literaturcafe geschrieben. Und nun zieht er sein Resümmee incl. harter Zahlen und der Aufforderung, lieber langfristig zu denken als kurzfristig Verkäufe zu pushen.

Doch sollte uns zu denken geben, dass sich die Leser nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Wenn gefakte Zeitungsartikel ein Buch hochjubeln und Freundschaftsdienste inflationär in Anspruch genommen werden, sind böse Rezensionen die Folge.
Wir sollten nicht vergessen: Wer mit Tricks arbeitet, hinterlässt meist verbrannte Erde. Der Autorenname kann irreparablen Schaden nehmen. Wenn einen die Eitelkeit drängt, unter richtigem Namen zu publizieren, man dann aber das Buch mit Tricks verkaufen will, sollte man sich fragen, ob man mit den möglichen Folgen leben mag. Wer will schon seinen Namen googeln und lauter wütende Rezensionen lesen?

Social Media und "Findet Jonathan!" im Börsenblatt

Sabine Hafner hat im Börsenblatt Online die aktuelle Sonntagsfrage „Social-Media-Marketing für Verlage, worauf kommt es an?“ beantwortet. Dabei erzählt sie unter anderem von unserem Projekt für den KOSMOS-Verlag.

Hier geht es zum Artikel.

Story Bundle: DRM-freie eBooks zu einem Preis, den der Kunde festlegt

Schon länger bekannt sind die Humble Indie Bundles aus dem Computerspielbereich. Die Idee: Ein Paket von Spielen wird zum Download zur Verfügung gestellt. Die Nutzer bestimmen, was ihnen das Paket wert ist – und auch, wie die Aufteilung der Einnahmen vorgenommen wird. Ein Teil geht an die Entwickler, ein Teil an die Plattform und einer wird wohltätigen Zwecken zugeführt. Aktuell läuft das Humble Music Bundle und hat bereits knapp 50.000 Pakete verkauft:

Mit Story Bundle werden nun nach demselben Prinzip DRM-freie eBooks an den Käufer gebracht. Wahlweise können 10% des Kaufbetrags an Mighty Writers oder Trees for the Future gespendet werden. Eine spannende Vertriebsmöglichkeit mit integriertem Marketing. Mehr Details auf der Website des Projekts.

„Story Bundle: DRM-freie eBooks zu einem Preis, den der Kunde festlegt“ weiterlesen

Autoren-Casting für crossmediale Inhalte

Bei Leander Wattig findet sich ein spannendes Interview mit dem Bastei-Entertainment-Cheflektor Jan F. Wielpütz  alias Stefan Bonner, in dem dieser über das Autorencasting für eine Fantasy-Reihe erzählt. Bei „Apocalypsis“ handelt es sich um einen digitalen Serienroman, der als App, Hörbuch, eBook und Mischprodukt erlebbar ist. Nicht nur das Produktdesign ist interessant, auch der Weg von der Idee zum Autor: Bei Bastei reifte zuerst das Romanthema, dann wurde ein Autor gesucht, der verschiedene mediale Kanäle berücksichtigt (Film, Spiel, Schrift, Ton, …). Leander stellt zurecht fest:

Für diesen wurde mit dem Autoren-Casting ein Ansatz der Autorengewinnung gewählt, den ich persönlich sehr interessant finde, weil ich glaube, dass er stark an Bedeutung gewinnen wird für Buchverlage, da sie auf diesem Wege gezielt Content-Marken aufbauen können, die dann auch ihnen gehören.

In den Kommentaren wurde u.a. schon kritisch angemerkt, dass dieser Ansatz gerade für Autoren nicht nur positive Seiten hat. Denn mit dem Aufbau einer verlagseigenen Content-Marke geht natürlich einher, dass viele Rechte des Autors an diesem Kosmos abgetreten werden müssen.

Die Piraterie wird immer gewinnen

Ein Artikel von Nick Bilton in der New York Times sammelt Gedanken zur Pirateriedebatte. Dabei kommen auch und vor allem Leute zu Wort, die in der verwertergeprägten Debatte untergehen, aber spannende Zahlen und Ideen vorzuweisen haben.

“Piracy won’t go away,” said Ernesto Van Der Sar, editor of Torrent Freak, a site that reports on copyright and piracy news. “They’ve tried for years and they’ll keep on trying, but it won’t go away.” Mr. Van Der Sar said companies should stop trying to fight piracy and start experimenting with new ways to distribute content that is inevitably going to be pirated anyway.

Der beste Schutz der eigenen Leistung vor Piraterie ist, Dinge anzubieten, die nicht stumpf kopierbar sind. Denn das Kopier-Problem wird nicht lösbar sein. Das ist keine Kapitulation vor dem Unrecht, wie häufig behauptet wird, sondern vor der Realität. Bilton vergleicht die Piratenjagd mit einem Whac-A-Mole-Spiel.

An einer wirklichen Lösung des Problems sind die Medienunternehmen auch offenbar nicht interessiert:

“There’s a clearly established relationship between the legal availability of material online and copyright infringement; it’s an inverse relationship,” said Holmes Wilson, co-director of Fight for the Future, a nonprofit technology organization that is trying to stop new piracy laws from disrupting the Internet. […] Mr. Wilson believes that the big media companies don’t really want to solve the piracy problem. “If every TV show was offered at a fair price to everyone in the world, there would definitely be much less copyright infringement,” he said.

Der Artikel kommt auch auf die Technologie von 3D-Druckern zu sprechen, die die Piraterie physischer Güter ermöglicht – und er kommt zu dem Schluss, dass Content-Produzenten und -Verwerter besser daran täten, ein anderes Spiel als „Hau den Maulwurf“ zu spielen. Ich merke es immer wieder in Diskussionen mit anderen Serienfans: Gäbe es legale und komfortable Möglichkeiten, an bezahlten Content zu kommen (der natürlich nicht zu vielen Einschränkungen unterliegen darf), würde sich ein riesiger Markt öffnen. Die Unternehmen verschenken Geld – und werfen gleichzeitig Geld zum Fenster ‚raus, indem sie ungewinnbare Schlachten fechten. Auf dem Rücken der Konsumenten, sowohl der legalen wie der illegalen.

Bildquelle: sa_ku_ra / sakura via Wikimedia Commons. Creative Commons License
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