Link- und Medienliste: Schöne neue Arbeitswelt

Mit der Arbeitswelt in unserer Gesellschaft steht’s nicht zum Besten. Das merkt auch die Buchbranche – Stichwörter: Gender Gap, Nachwuchs-Ausbeutung, befristete Verträge, Mikro-Honorare, einseitige Flexibilisierung (nämlich nur auf dem Überstundenkonto), Zeitarbeit, Automatisierung und „Rationalisierung“.

Viele kluge Menschen schreiben das Internet voll mit klugen Sachen über Arbeit. Damit die nicht einfach so verloren gehen, gibt es hier eine (zukünftig wohl sehr lange!) Liste mit Links zu diesen Dokumenten oder auch zu Quellen, die regelmäßig über „Arbeiten im 21. Jahrhundert“ schreiben. Wenn Klassiker fehlen oder ich etwas Neues nicht mitbekomme: Immer her damit 🙂

Anleitung: In ruhigen Minuten oder bei großer Frustration über den aktuellen Job einfach mal ein bisschen schmökern. (Bevorzugt während der Arbeitszeit.)

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Zwei Rezeptionsbefehle: Weltbild, Wattpad und die Zukunft

Da mir gerade für einen langen Artikel Zeit und Gesundheit fehlen, nehme ich meine Aggregatorenrolle als Blogger wahr und verweise auf einen spannenden Podcast und einen lesenswerten Essay:

  • Jochen Krisch und Marcel Weiß diskutieren in „Exchanges #37“ das Ende von Weltbild und – gesondert – das Thema Goodreads, Wattpad, Social Reading. Eine sehr inspirierende Stunde!
  • Die Branche im Wandel – Die Zukunft der Buchindustrie“ ist ein medientheoretischer Essay von drei profunden Autoren, die u.a. diskutieren, was der „Kern“ der „Buchbranche“ ist und wo es hin gehen kann. Klingt nach der 31. Neuauflage des Themas „Werdet innovativ!“, ist aber schön aufbereitet und liefert einige Anregungen.

Und sonst so? Der Buchbranchen-Dezember im Überblick

Die letzten Wochen galten unserem Adventskalender. Daher habe ich mir ein paar Aufreger gemerkt, die ich jetzt loswerden möchte. (Disclaimer: Dieser Artikel leitet das Ende der Besinnlichkeit auf „Alles fließt“ ein – wer damit Probleme hat, sollte diesen Artikel erst nach Heiligdreikönig lesen.)

6.12. Flashmob zum Kauf von Büchern in einer Indie-Buchhandlung

Ich gebe zu, dass ich erst am Tag selbst von dieser Aktion erfahren habe. Als ich dann davon gelesen habe, war ich erstmal sprachlos – aus zwei Gründen:

1. Der Begriff Flashmob bezeichnet eine Aktion, bei der möglichst viele Menschen etwas Spannendes bzw. Unerwartetes tun. Und zwar so, dass möglichst viele andere Menschen etwas davon mitkriegen. Ein Flashmob, den man nicht sieht, ist vieles, aber KEIN Flashmob. Den Begriff einfach mal zu verwenden, weil er hip ist, und von den Medien gern aufgegriffen wird, ist meiner Meinung nach eine Mogelpackung.

2. Die Aktion vermittelt das Bild, dass ein Kauf in einer unabhängigen Buchhandlung etwas Ungewöhnliches ist, das extra zelebriert werden sollte. Und das finde ich grundlegend falsch. Man kann gerne vermitteln, dass die unabhängigen Buchhandlungen gestärkt werden sollten [wobei die Einstellung an sich auch eine Diskussion Wert ist, wie dieser interessante Artikel von myeahnecke zeigt], aber so zu tun, als wäre ein Kauf – an sich das Normalste auf der Welt – ein Unikum, vermittelt den Eindruck, als wären die Indie-Buchhandlungen am Aussterben und alles kurz vor Ende. Und das ist – trotz verschärfter Marktsituation in den letzten Jahren – einfach nicht der Fall.

8.12.: Die Sonntagsfrage an die beiden Nachwuchssprecherinnen

Auf die Frage, ob Nachwuchskräfte in der Buchbranche keinen Mindestlohn verdienen, geben unsere Nachwuchssprecherinnen Antwort. Zuerst betonen sie die Wichtigkeit einer fairen Bezahlung:

Da Auszubildende und Praktikanten in vielen Fällen eine vergleichbare Arbeitsleistung wie andere Arbeitnehmer bringen, finden wir es nur fair, auch für sie einen Mindestlohn zu fordern. Außerdem sollte es in jedem Fall auch möglich sein, von der Vergütung einigermaßen zu leben, ohne finanzielle Unterstützung von Dritten.

Aber dann, kurz vor Ende, kommt die Kehrtwendung:

Steigende Gehälter bringen steigende Kosten mit sich. Schon heute sind viele Unternehmen nicht mehr ohne weiteres bereit, auszubilden oder Praktikumsplätze anzubieten. Wir befürchten darum, dass die Bereitschaft Nachwuchskräften eine faire Chance für den Berufseinstieg zu bieten, mit einem Mindestlohn noch weiter sinkt.

Ich möchte keinesfalls abstreiten, dass Arbeitnehmer ein Kostenfaktor für ein Unternehmen sind. Aber – betriebswirtschaftlich gesprochen – kann man sich einen weiteren Arbeitnehmer entweder leisten oder nicht. Und wenn man ihn sich gern leisten würde, aber eigentlich nicht leisten kann, und daher jemanden zu einem Ausbeuter-Gehalt einstellt, läuft etwas falsch. Wenn eine angemessene Form der Weiterbeschäftigung geplant ist, verhält es sich wieder anders, aber standardmäßig einen schlecht bezahlten Volontär einzustellen, weil man es sich anders nicht leisten kann, zeugt von grenzenloser Geringschätzung des Volontärs und/oder wirtschaftlichem Unvermögen. Insofern, liebe Nachwuchssprecherinnen, lasst euch bitte nicht zu sehr einlullen vom Ausweichmanöver vieler Arbeitgeber. Es ist gut und wichtig, dass ihr hier das Gespräch sucht, aber bitte nicht auf Kosten eurer Position.

Den ganzen Dezember über: Amazon

Wenn ich mit Leuten anderer Branchen spreche, werde ich gern nach meiner „Expertenmeinung“ zu bestimmten Themen gefragt. Und hier konnte ich prompt eine Veränderung feststellen: Amazon hat sich vor die E-Books und den Untergang des Abendlandes gedrängt.

Die Diskussion wurde auch in der heute-Show satirisch aufgegriffen:

Fehlt was Wichtiges? Und wie habt Ihr die angesprochenen Themen empfunden?

Frankfurter Buchmesse: Böse E-Books?

Die E-Books … und die Apps … und überhaupt das ganze neue Zeug bewegen die Branche und die Beobachter. Eine Umfrage unter Kinder- und Jugendbuchverlagen stellt die provokante Frage, ob Buch oder App und erhält in den meisten Fällen die Antwort: Beides. Interessant ist, dass nur ein Teil der befragten Verlage vom Konzept wirklich überzeugt zu sein scheint, und der andere Teil sich zwar digital betätigt, aber im nächsten Atemzug ein Plädoyer fürs gedruckte Buch hören lässt.

Einen Audio-Beitrag zum Start der Messe gibt es bei Deutschlandradio Kultur. Unter anderem geht es darum, dass es für Verlage angesichts zahlreicherer (Self-)Publishing-Möglichkeiten und nicht-sinkender Veröffentlichungszahlen immer schwieriger ist, Aufmerksamkeit für ihre Produkte herzustellen. Außerdem wird angeregt, das Gastland-Konzept der Buchmesse zu überdenken, da es (vor allem bei Ländern wie Neuseeland, die nicht wie China oder die Türkei angesichts literaturpolitischer Themen Debatten auslösen) doch eher der Tourismusbranche diene.

(Ab morgen bin ich dann nicht nur virtuell auf der Messe, so dass ich derartige Artikel stilecht mit Eindrücken untermauern kann.)

Plüsch und Buchlemie

In der Spätphase übernimmt eine Armada von körperschaftseigenen Abwehrkräften (ich meine die Buying Committees, Space Manager oder eben Commercial Direktoren) die systematisierte Ablehnung von Buchbestand. Am Ende werden dann kalorienreiche Bücher durch kalorienarme Nonbooks ersetzt. Man könnte von einer Buchlemie sprechen.

In ungefähr diesem Stil findet sich ein ganzes Interview im BuchMarkt. Unabhängig davon, ob man Ludwig Könemann bei seinen Ausführungen zum Buchmarkt Recht gibt oder nicht, es ist lesenswert! Allein die ganzen Sprachbilder sorgen für Erheiterung, nicht im Sinne von Auslachen, sondern einfach ob dem Nachvollziehen der Gedankengänge.

Linktipps: Zwischen Gruppendynamik und Nostalgie

Abgesehen davon aber könnten Trolle manchmal sogar stimulierend auf Diskussionen wirken. „Man muss nur akzeptieren, dass nicht alle Nutzer sich mit konstruktiven, wohlabgewogenen Argumenten einbringen wollen.“ [Jan-Hinrik Schmidt, Soziologe]

In einem nicht uninteressanten Zeit-Artikel geht’s um Trolle – ihre Wirkung auf Diskussionen, ihre Ziele und den Umgang mit ihnen. Spannend ist auch der Ansatz, Trollen unter gewissen Voraussetzungen als künstlerischen Akt zu sehen. Zwar ist das meiner Ansicht nach in vielen Fälle zu viel des Guten, aber der grundsätzliche Ansatz des Artikels ist gut.

Schönheit von E-Book-Readern

Man hätte sich für das E-Book etwas völlig Neues ausdenken können, etwas nie Dagewesenes. Etwas Ball- oder Bohnenförmiges, etwas Leuchtendes, Singendes, Schwebendes, Tanzendes. Schade nur, dass unsere Gesellschaft nichts Neues will und nur das Alte für Kultur hält.

In ungefähr diesem Ton gibt es eine grandiose Cicero-Glosse, die treffsicher auf unsere Schwächen im Umgang mit E-Books und E-Book-Readern eingeht: Warum kommen wir auf die Idee, dass wir beim „Umblättern“ von E-Book-Seiten Raschelgeräusche brauchen? Und warum braucht unser E-Book-Reader eine Hülle, die an ein altes Buch erinnert? Der Artikel schlägt äußerst charmant den Ausweg vor, derartige Geräte doch mit Stolz (und zeitgemäß) zu verwenden.

Links zur Urheberrechtsdebatte, Self-Publishing und Sharing

4 kurze Links zu interessanten Beiträgen – zu mehr fehlt mir aktuell leider die Zeit:

Link-Funde: Gema vs. YouTube und Einnahmen-Transparenz

Auf Verlage der Zukunft gibt’s einen interessanten Artikel, der die Hintergründe des Gema-YouTube-Streits erläutert. Hoffnung auf eine baldige Veränderung der jetzigen Situation, dass viele Videos gesperrt sind, macht er nicht:

YouTube möchte nicht den deutschen Sonderweg gehen. Dadurch würden die Gewinne geschmälert und womöglich könnten Verwertungsgesellschaften anderer Länder aufbegehren. Musik ist aber keine frei verfügbare Information und es muss eine faire Vergütung an den Urheber erfolgen. Solange nicht klar ist, wie diese genau auszusehen hat, werden wir aber weiterhin Sätze lesen wie: Leider ist dieses Video in deinem Land nicht verfügbar.

Leander Wattig verweist in seinem Artikel auf die offen gelegten Buch-Einnahmen von Kathrin Passig. Das ist vor allem deswegen interessant, weil man diesen offenen Umgang von den Autoren sonst eher nicht gewohnt ist.

Sonntagslinks: Haeusler und Beckedahle zu ACTA und Urheberrecht

Markus Beckedahl schreibt bei Netzpolitik über einen Artikel der BrandEins, der sich gegen Urheberrechtsreform und pro ACTA ausspricht.

Johnny Haeusler ärgert sich über die ganze ermüdende Debatte – und kündigt an, „urheberisch“ stärker tätig zu werden. Besonders stören ihn ständig wiederkehrende Halbwahrheiten, etwa:

„Was nichts kostet, kann auch nichts wert sein“?

Aha.

Wikipedia: Nichts wert? Nachbarschaftshilfe: Nichts wert? Gemeinnützige Arbeit: Nichts wert? Meine Texte, die ich seit 10 Jahren ins Netz stelle: Nichts wert? Instagram, hihi: Nichts wert??

Wie furchtbar eindimensional ist eigentlich so ein Leben, in dem man Werte nur anhand ihres Handelspreises misst?

Achja, und den Unsinn Dieter Nuhrs, auf den Fefe hinweist, kann man auch erwähnen – wenn auch nicht im Beitragstitel:

Von Mäusen und Clouds

Interessanterweise ist das Thema einiger Kommentare der letzten Tage der (richtige) Umgang mit Sprache im Hinblick auf IT-Themen. Meines Erachtens ein spannendes Phänomen, weil die „richtige“ Sprache der entscheidende Faktor ist, dass Botschafen bei Lesern ankommen.

Nebulöse Begrifflichkeiten

Was mich vielmehr wundert, ist die Tatsache, dass unter dem Titel „Cloud Computing“ überhaupt etwas verkauft wird. Warum? Weil der Begriff genauso nebelig und diffus ist wie die Wolke, für die er steht. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass in jedem Beitrag über „Cloud Computing“ immer erst einmal der Begriff geklärt wird?

Damian Sicking setzt sich in einem Kommentar auf Heise Online mit dem Begriff des Cloud Computing auseinander – und trifft dabei zielsicher die wunden Punkte.

Angsterzeugende Phrasen

Der durchschnittliche Büromensch betätigt seine Maus grob geschätzt 5.000 Mal – pro Tag. Wie oft er dabei wohl denkt: „Wahnsinn, was so ein Mausklick bewirkt“?

Eine Satire auf Zeit Online über die Angstrhetorik des Mausklicks – gute Unterhaltung für zwischendurch.