"Exklusivität und Geheimhaltung machen der Öffentlichkeit Platz": Henry Jenkins über die San Diego Comic Con

A few years ago, the conference organizers were discouraging fans from tweeting about what they heard. Today, exclusivity and secrecy have given way to publicity. Now, Comic-Con’s organizers are announcing hashtags (words or phrases preceded by # that allow Twitter users to find others talking about the same topics) in front of every panel. Many speakers are recruiting Twitter followers. And some networks are collaborating with Foursquare, all sure signs the „fan as influencer“ paradigm is shaping their branding strategies. We were warned again and again not to tape the clips shown, but, this year, most of them got released in good quality formats to the leading science fiction blogs within days, if not hours, after the event.

Nur einer von vielen guten Absätzen in Henry Jenkins Reflexion über die San Diego Comic Con, ihre Bedeutung und ihren Wandel.

Marketing der Woche (KW 28): Expedia

Auch wenn ich nicht der allergrößte Expedia-Fan bin, weist W&V zurecht auf den guten Strand-Werbespot von Expedia hin:

Nicht unbedingt höhere Kunst, aber der Spot kommt leicht rüber – witzig und mit Augenzwinkern. Nicht besonders ausgefallen oder anspruchsvoll, aber seinen Zweck, eine breite Masse vom Strandurlaub mit Expedia zu überzeugen, erfüllt er. Und sorgt idealerweise auch für ein Lächeln, wenn man ihn sieht.

Unsinn an der Uni, mafiöse Strukturen in der GEMA

Man darf den Einfluss von bestimmten Unternehmen der Unterhaltungsindustrie nicht unterschätzen, und man muss außerdem wissen, dass es damals innerhalb der Gema mafiöse Strukturen gab, die die Gema noch bis heute beherrschen.

Dieses brandeins-Interview mit Thomas Hoeren macht gerade die Runde – zu Recht, hier handelt es sich mal wieder um einen absoluten Lesebefehl. Nicht nur die GEMA kriegt ihr Fett weg, auch die Rahmenbedingungen der Unis:

Es dürfen nicht mehr Leute gleichzeitig an elektronischen Leseplätzen sitzen, als gekaufte Bücher physisch im Regal stehen. Und ausdrucken darf ich die elektronische Ausgabe auch nicht, ich muss mir das von der Uni gekaufte Buch oder die abonnierte Fachzeitschrift aus dem Regal holen und auf den Kopierer legen. Was soll dieser Unsinn? Das haben einzelne Verleger von Wissenschaftsbüchern und Fachzeitschriften erstritten, weil sie befürchteten, sie würden wegen der elektronischen Leseplätze keine Bücher mehr verkaufen.

Und am Ende geht es auch noch ein bisschen um (und gegen) die Piraten. (gefunden u.a. bei Leander Wattig)

Ein Micro-Barcamp: Entspannte Produktivität mit Freunden

Dennis und ich bei der Alles-fließt-Session.

Vorvergangenes Wochenende hatte ich ein Erlebnis, von dem ich bis heute nicht weiß, ob ich es als lustig oder skurril oder ganz anders einstufen soll. Folgende Situation: Vier ehemalige Studienkollegen treffen sich ein Wochenende lang zur Klausur, um sich einerseits mal wieder zu sehen und andererseits die diversen gemeinsamen Projekte durchzusprechen. Meine Erwartung: Es wird ein feucht-fröhliches Wochenende und natürlich schaffen wir nicht das, was wir uns vorgenommen haben bzw. nur einen Bruchteil davon (nämlich den, den ich durchpauke, weil ich ihn besprechen will). Es kam dann etwas anders.

Vorbereitung und Durchführung

Wahrscheinlich hätte ich stutzig werden müssen, als es eine Gruppe auf Facebook samt Themensammlung gab. Was von mir als Langeweile-Projekt eines der Partner eingestuft worden war, entpuppte sich in der Realität als Grundlage für eine Session-Verteilung im Barcamp-Stil. Wir hatten sogar eine Moderationsrolle zugewiesen. Und dann haben wir das wirklich durchgezogen. Natürlich gab es einige zeitliche Verschiebungen, aber das Grundprogramm wurde durchgehalten und wir haben alle wichtigen Sachen vernünftig besprochen – alles in Session-Form, die jeweils nicht länger als zwei Stunden dauerten.

Nachbereitung und Fazit

Das war nicht alles: Von unserem Internet-Süchtigen wurde beständig Protokoll geführt, das per Evernote-Notizbuch allen zur Verfügung gestellt wurde. Und ein Teil der Sessions soll im nächsten Jahr nochmal in Richtung des „Lernerfolgs“ nachbereitet werden. Was ich davon halte? Ich bin immer noch etwas sprachlos ob der Tatsache, dass ein derart fester Plan bei einem privaten Wochenende so gut durchgehalten wurde. Geholfen hat sicher, dass die Barcamp-Form doch noch relativ frei ist und viel Rückzugsraum  in den Pausen bietet. Und keiner wollte der Spielverderber sein, der das Konzept als völligen Blödsinn bezeichnet.

Am Ende steht die Erkenntnis: Die Barcamp-Struktur funktioniert. Auch für private Treffen. Jedenfalls dann, wenn man entspannt produktiv sein will.

Infographik: Direkter Kontakt verdrängt Pressemitteilungen

Pressemitteilungen sinken im Wert, während direkter Kontakt und Newswires an Bedeutung zunehmen. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sollten das im Kopf behalten. Außerdem zeigt die Graphik, wie „trendy“ Infographiken, Mobile und Video sind.

Visualisierung der Oriella Digital Journalism Study

via Roy Morejon über die Oriella Digital Journalism Study

Paulo Coelho: Piraterie ist nicht schlecht!

Ich sage überhaupt nicht, dass Piraterie schlecht ist! Das höchste Ziel meines Lebens ist es, gelesen zu werden. Und wenn es Piraterie gibt, dann gibt es sie eben, davor darf man keine Angst haben. Ganz ehrlich: Wenn man Opfer einer Piraterie wird, dann ist das eine Auszeichnung, eine Medaille! Piraten kopieren doch nur illegal Bücher, die die Menschen auch wirklich lesen wollen.

Ganz ähnlich lautete eine Aussage auf dem Buchcamp im Mai: Die Verlage (und Autoren) sollten sich nicht Gedanken über die Bücher machen, die „raub“kopiert werden, sondern über die, die es nicht werden. Die sind das eigentliche Problem.

Marketing der Woche (KW 27): Nike Fuel

Um unseren geschätzten Lesern jede Woche etwas anzubieten, worauf sie sich schon Tage vorher freuen können, gibt es ab sofort eine neue Kategorie: Marketing der Woche. Hier sollen Marketingkampagnen vorgestellt werden, die wir gut oder schlecht oder aus anderen Gründen vorstellenswert finden. Wenn ihr Ideen für Kampagnen habt, die besprochen werden sollten, freuen wir uns über eine Mail, einen Kommentar oder eine Nachricht über die bekannten Kanäle.

Nike-Kampagne in New York

Auf Indiskretion Ehrensache sind wir auf die Nike-Kampagne in New York gestoßen. Das Spannende daran ist, dass sie auf ihren Plakaten mit # und @ arbeitet, also Zeichen, die in dieser Form nur im Internet, vor allem in Twitter, verwendet werden. Diese Zeichen in die Nicht-Internet-Welt zu verlagern, ist ein Wagnis. Auch wenn die technologische Durchdringung in den USA noch höher ist als hierzulande, wird es trotzdem einen gewissen Prozentsatz an Leuten geben, die die Werbung nicht verstehen – und damit nicht von ihr angesprochen werden. Wobei man hier fragen kann, ob das überhaupt die Zielgruppe ist. Wenn die Zielgruppe jung und technikaffin ist, hat diese Werbung emotional wahrscheinlich mehr Effekt als die gewohnte Art der Ansprache.

Quelle: indiskretionsehrensache.de

Nike-Kampagne in Deutschland?

Würde das auch in Deutschland gehen? Wohl eher nicht. Die Leute, die man mit der Kampagne erreichen kann, wären zwar umso begeisterter – aber ob deren Zahl ausreichen würde, um die Kampagne zu rechtfertigen, erscheint fraglich. Damit sich eine derartige Kampagne lohnt, muss die Partizipation an der digitalen Welt noch deutlich steigen. Nichtsdestotrotz ein (auch sprachwissenschaftlich) sehr interessanter Ansatz!

 

Nichts Neues: eBooks sind zu teuer!

Im Folgenden My Two Cents zur Preisdebatte, die seit Jahren schwelt. Ganz subjektiv aus meiner „User Experience“ heraus.

Fast alle Umfragen zeigen, dass der häufigste Grund für den Nicht-Kauf von E-Books der hohe Preis der Verlags-E-Books ist, der in der Regel nur 10-20% unter dem der Papierausgabe liegt. (Aus einem hörenswerten Vortrag von Wolfgang Tischer.)

An dieser Erkenntnis – (deutsche) eBooks sind zu teuer – ist nicht zu rütteln. Da mögen Verlage noch so eloquent und fundiert argumentieren, dass etwa die Kosten für Herstellung und Auslieferung beim Produkt Buch nur eine untergeordnete Rolle spielen; dass die wesentlichen Kosten für das Produkt weiter anfallen, von der Autorenakquise bis zur Redaktion; dass die Inhalte ihren Preis wert sind.

Das mag nämlich alles sein – allein, es ändert nichts daran, dass die Produkte zu teuer wirken und der Kunde nicht kauft. Sieht man sich z.B. die ePubli-Preisbestimmungen an, liegt ein aktueller Roman (Printversion 22.-) bei 16,99. Dafür bekomme ich nicht nur über 17 Kindle-eBooks zum Niedrigstpreis von 99 Cent, ich bekomme auch 3-4 Us-Backlist-Titel. Für meine 16,99 kann ich also deutlich mehr Content kriegen – und nach meiner Erfahrung rechtfertigen Aktualität und Qualität nur ganz, ganz selten diesen gewaltigen Preisunterschied. (Und wenn, dann meistens die Aktualität: Man will mitreden können.)

Und leider ist das, was man als eBook erwirbt, nicht wirklich funktional gleichwertig zum guten, alten gedruckten Buch. Ich kann es nicht (komfortabel) verschenken oder nach dem Lesen weiterverkaufen. (Mit Software ist das u.U. legal, siehe das Oracle-Urteil.) Ich kann in Europa keine Kindle-Bücher aus den USA erwerben, ohne Umwege zu wählen oder für den Content (so er denn da verfügbar ist) im deutschen Shop mehr bezahlen.

Die Bezugswege sind unkomfortabel, was sehr häufig (wie auch das Wiederverkaufsproblem) mit dem Alptraum DRM zusammenhängt. Simply: Drop it. Denn mit DRM erwerbe ich kein vollwertiges Produkt, sondern eine verstümmelte Version. Das ist beim 99 Cent-Kindle-Buch okay, denn auf dieser Plattform merke ich nicht einmal viel vom DRM. Und der Preis lässt es mich verschmerzen. Bei 20 Euro fühle ich mich über den Tisch gezogen.

Unkomfortable Bezugsmöglichkeiten, DRM, mangelnde Weitergabe – all das wird sicher nicht zum Erfolg qualitativ hochwertiger, teurer eBooks führen, sondern nur zu Piraterie. Wie auch bei Streaming-Angeboten sind die illegalen Anbieter nämlich deutlich fitter darin, ihren „Kunden“ Komfort und häufig auch Qualität zu bieten als die legalen Portale.

Dabei ginge so viel mehr – wirkliche Globalität, umfangreicher Komfort, unendliche Verfügbarkeit von Content und Regalmetern, Genreunabhängigkeit, von den Marketingvorteilen gar nicht zu sprechen.

Wie Autoren reddit fürs Marketing nutzen

Über Tweet und Blogpost stieß ich auf eine tagesaktuelle Aktion von Charles Stross: er beantwortet Fragen auf reddit, und zwar sowohl von Lesern wie auch etwa von Autoren, die sich Tipps für das eigene Schreiben und Vermarkten erhoffen.

reddit erreicht sicherlich ein eher spezielles Publikum (wobei es auch „Boards“ für den allgemeineren Geschmack gibt), aber gerade ein SF-Autor kann auf dieser Plattform gut mit seiner Zielgruppe reden. Und diese Aktion beweist: Kommunikation kommt an (555 Kommentare nach 3 Stunden), und Kommunikation realisiert man am besten durch viele verschiedene Kanäle, um alle potenziellen Interessenten abzugrasen. Wer reddit noch nicht kennt oder nicht nutzt, sollte diese Aktion von Stross zum Anlass nehmen, sich die Plattform hinsichtlich des Marketingmehrwerts einmal anzusehen.