Respekt vor meinen Daten! [Datenschutz im Alltag]

In unserer Reihe „Datenschutz im Alltag“ wollen wir einige Konzepte und Ideen, wie man mit seinen Daten umgehen kann, vorstellen. Da Alternativen zu großen datenfressenden Diensten oft aufwändiger sind als das Original, ist uns besonders der Alltagsaspekt wichtig. Den Anfang macht Su Steiger – herzlichen Dank dafür!

Ein bisschen mehr Hoheit, Respekt oder: Ich bin halt doch irgendwie Prinzessin.

Frühjahrsputz an Weihnachten

Frau im Waschsalon von Averie Woodard/unsplash.com
Averie Woodard/unsplash.com

Jedenfalls kommt es mir manchmal so vor, dass mich eine Erbse drückt. Und dann fange ich an, sauberzumachen, aufzuräumen – digital. Das beginnt meist mit dem Weihnachtsputz bei Facebook – bei dem ich die über das Jahr angenommenen „Freunde“ sortiere: diejenigen, die ich nicht „kenne“ und die sich noch nie privat mit mir unterhalten haben, fliegen raus. Warum soll ich Fremden weiter etwas von mir erzählen?

Und dann geht es weiter: Wo habe ich überall meine Mailadresse eingetragen und brauche die Dienste nicht mehr? Welche Newsletter habe ich abonniert, die ich entweder nicht lese oder die meine Daten in den USA speichern? Ja, das ist für mich als auch journalistisch Tätige zur Zeit wirklich etwas, das ich soweit möglich vermeiden möchte. (Ich weiß, sobald ich Facebook und andere soziale Netze nutze, scheint das eine Farce zu sein, ist es aber nicht ganz. Das ist aber ein eigenes Blogposing lang, das zu erklären 😉 )

Und welche App habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr genutzt und brauche sie auch nicht wirklich? Da reicht es mir dann auch nicht, sie einfach nur vom Smartphone zu löschen, denn die Registrierung ist ja weiterhin vorhanden und kann rückverfolgt werden …

Warum ich das will? Jeder ist im Netz öffentlich – allerdings unterschiedlich viel und unterschiedlich weitgehend. Je weniger Schnipsel zusammengefügt werden können, umso privater bleibe ich. Und da ich gerne ein wenig Hoheit darüber haben will, wer wieviel von mir erfährt, räume ich gelegentlich auf.

Mehr als nur eine Mailadresse

Laptop-Stilleben von Parker Byrd/unsplash.com
Parker Byrd/unsplash.com

Ich habe mehrere Mailadressen, die ich für die verschiedenen Dienste nutze, um nicht gleich alles mit einem zu verknüpfen. Ich nutze Apps immer mit eigenem Login und nicht über Facebook oder Twitter oder Google. Weil die nicht alles sammeln können sollen – allerdings gibt es dann so Dienste wie die vielen verschiedenen von Google, die nur googleeingeloggt umfangreich zu nutzen sind und die ich deshalb vermeide, wo es geht (das ist die größte Datenkrake mit absolutistischem Anspruch, aber auch andere stehen dem nicht nach). Dropbox ist keine Alternative für mich, auch da hülfe mir nur konsequente Verschlüsselung und obwohl ich weiß, dass es da etwas gibt, ist es mir aber zu aufwändig (boxcryptor zur Verschlüsselung in diversen Clouds) und daher lagere ich so wenig wie möglich Dokumente in irgendwelchen Clouds. Ich habe zudem bei meinem mittelständischen deutschen Provider ftp-Speicherplatz, den ich dafür nutzen kann. Und über den ich die Hoheit habe. Muss also keine softwareeigenen Austauschplattformen nutzen. Das bisschen auf Versionsnummern der Dokumente achten ist kein Aufwand im Vergleich zur unkontrollierten Einsichtnahmeoptionsmöglichkeit.

Warum das alles? Weil meine Daten denen Geld bringen und mich kontrollieren und manipulieren. Und – verdammt noch Mal – ich will das nicht, so unkontrolliert  von mir.

Ob das im Widerspruch dazu steht, dass ich eine eigene Website habe, auf der ich ordnungsgemäß die Angaben nach Telemediengesetz mache? Bedingt, nur, darum kommt kein Blogger herum, der eigene Seiten hat. Auch, wenn nur hobbymäßig betrieben. (Wirklich, liebe Buchblogger, das gilt auch für Euch … ) Und eben weil auch die von Google und Co. gecrawlt werden, habe ich noch zusätzliche Mailadressen, siehe vor.
Außerdem habe ich mich entschieden, die „wichtigen“ beruflichen Mailkonten jetzt mit digitalem Schlüssel zu versehen, auch, wenn das systembedingt nicht ganz unkompliziert ist, einzurichten. Aber einmal installiert, einfach genutzt.

Suchmaschine: Nicht Google!

Ach ja, ich suche im Internet seit Jahren mit Qwant, wo es geht. Bei Google mache ich nur gelegentlich den Selbst-Check … Qwant ist eine tolle Alternative, insbesondere, weil viel mehr europäische Ergebnisse oben in den Suchlisten angezeigt werden und es zudem in Frankreich entwickelt wurde und dort zuhause ist.

Die Gretchen-Frage nach dem Messenger …

Foto dreier tuschelnder Frauen von Ben White/unsplash.com
Ben White/unsplash.com

Whatsapp brauche ich nicht – dafür gibt es Stand-Alone-Alternativen, die nicht gleich alles zusammentragen (auch wenn das Facebook erst mal untersagt wurde, who knows) wie Threema oder Telegram. Und die gute alte SMS 😉 Wer mich erreichen will, kann das. Außerdem ist die Internetsuche nach mir ergiebig genug – es gibt einige Profile von mir im Web, auf denen ich Berufliches öffentlich mache. Bei privaten Informationen versuche ich so unpersönlich wie möglich zu bleiben und hoffe auch immer, dass sie untergehen im allgemeinen Rauschen 😉

Kurz-Interview

Alles fließt: Seit wann befasst du dich mit Datenschutz?
Ich bin journalistisch bedingt eine alte Häsin und mit dem Aufkommen der privaten Internetnutzung groß geworden quasi (ICQ – kennt das noch wer? 😉 ) : Seit daher immer* schon aufmerksam gegenüber dem, was mit meinen digitalen Daten passiert. *1996

Berufsbedingt kann ich aber die (teilweise intensive) Nutzung des Web und Co. nicht vermeiden.

Alles fließt: Welches Prinzip oder welchen generellen Ratschlag findest du für den persönlichen Datenschutz am wichtigsten?
Überlege immer, ob Du bereit bist, mit deinen Daten zu bezahlen und was der Gegenwert für dich ist. Oder auch: was sind die Alternativen, wieviel ist es Dir wert.

Alles fließt: Wie wichtig ist dir Datenschutz?

Unsere Datenschutz-Skala:
1. Daten? Schutz?
2. Also auf meine Alexa will ich nicht mehr verzichten ...
3. Ich nutze schon ganz gerne alles aus einer Hand. Wie bei Google oder Apple
4. Cortana hab ich deaktiviert ...
5. Ab und an denke ich über Mailverschlüsselung nach.
6. Unverschlüsselt kommuniziere ich ungern (Mail, Messenger und so)
7. Unverschlüsselt kommuniziere ich nicht (SSL, GPG, Signal und natürlich Full Disk Encryption ...)
8. Ich vermeide es, zweimal dieselbe Identität zu verwenden
9. Es gibt keine Daten, die nachweisbar von "mir" stammen

Su Steiger ist Kommunikations-Beraterin und Coach für digitale Reputation. Sie arbeitet freiberuflich als Journalistin und ist Dozentin an der Medienhochschule Mittweida. Sie ist seit Jahren mit der Buchbranche verbunden und aktuell Autorin für ein digitales Schulbuchs. Mehr zu ihr im Web auf ApropoSmedia.de

Copyright Titelfoto: Kristina Flour/unsplash.com

Mit kununu den passenden Arbeitgeber finden

Als digitalaffiner Mensch geht man mit vielen Konzepten und Programmen erstmal recht kritisch um – da das Internet die neue Lebenswelt ist, möchte man auch, dass alles so komfortabel wie möglich ist. Eines der wenigen Tools, das ich extrem schätze und gern weiterempfehle, ist kununu. Das liegt nicht nur an der einfachen Bedienbarkeit, sondern an dem Konzept als solchem. Bevor ich eine Firma nicht auf kununu gecheckt habe, bewerbe ich mich nicht bei ihr. Und oft gibt gerade die kununu-Bewertung den entscheidenden Hinweis, ob sich eine Bewerbung lohnt oder nicht.

Worauf sollte man achten?

Natürlich vertraue ich den Bewertungen auf kununu nicht blind. Folgendes sind die entscheidenden Faktoren für mich: „Mit kununu den passenden Arbeitgeber finden“ weiterlesen

Wie geht’s dem Nachwuchs? – Hintergründe zur neuen JVM-Umfrage

Bereits vor zwei Jahren gab es eine Umfrage, die herausfinden wollte, wie es um die Arbeitsbedingungen des Buchbranchen-Nachwuchses bestellt ist. Dennis und ich waren damals mit-verantwortlich und haben hier darüber berichtet. Da es jetzt eine neue Umfrage gibt, haben wir Tobias Mohr, der als Mitglied der AG Nachwuchsrechte im Verein Junge Verlagsmenschen die aktuelle Umfrage koordiniert, zu den Details und Hintergründen befragt.

Alles fließt: Hallo Tobias. Richtet sich die aktuelle Umfrage nur an die Brancheneinsteiger, die seit der Einführung des Mindestlohns am 1.1.2015 ihr Volo und/oder Praktikum absolviert haben?

Foto von Tobias Mohr (Fotograf: Thomas Hartmann)
Tobias Mohr (© Thomas Hartmann)

Tobias Mohr: Der Schwerpunkt liegt tatsächlich auf den Brancheneinsteigern, die seit der Einführung des Mindestlohns ihr Volontariat und/oder Praktikum absolviert haben. Wir wollen in erster Linie wissen, was der Mindestlohn verändert hat und damit eine Vergleichbarkeit zur ersten Nachwuchsumfrage von 2014/2015 herstellen. „Wie geht’s dem Nachwuchs? – Hintergründe zur neuen JVM-Umfrage“ weiterlesen

5 Tipps, wie man auf Veranstaltungen twittert und trotzdem nicht das Beste verpasst

Vor ein paar Tagen geisterten Aufrufe durchs Social Web, dass die Leute wieder mehr twittern sollen. Man mag davon halten, was man will, aber für diejenigen, die genauso wenig multitasken können wie ich und sich fragen, wie sie das machen sollen, habe ich ein paar Tipps gesammelt.

Aber von vorn: Ich wurde im Rahmen des Barcamps Nürnberg zu Twitter verführt, da sehr viele Twitterer dort unterwegs waren und ich mich des Gefühls nicht erwehren konnte, dass ich etwas verpasse. Gedacht, getan – am 13. März 2016 habe ich mich also unter dem Namen @keinmultitasker auf Twitter angemeldet. Seitdem twittere ich vor allem auf Veranstaltungen wie der Direttissima oder der re publica.

Ich habe – gemäß meines Namens keinmultitasker – nicht lange gebraucht, um vor einer Frage zu stehen: Wie twittert man auf einer Konferenz anständig, wenn man trotzdem noch zuhören will? Vor allem angesichts der Tatsache, dass man idealerweise nicht nur selbst twittert, sondern auch auf die Tweets anderer Menschen reagiert. Ich konnte zumindest ein paar Taktiken ausmachen, die weiterhelfen:

  1. Vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung twittern: Tweets kann man super absetzen, bevor es losgeht: Entweder in der U-Bahn auf dem Weg zum Event (à la „Ich freue mich auf euch alle/das Event/das tolle Essen …“) oder kurz vor Beginn, wenn alle gespannt da sitzen und warten, dass es losgeht (à la „Gleich geht’s los …/ Ungeduldiges Warten auf Redner xy“). Vorteile: Man zeigt Präsenz und hat schon mal was zur Veranstaltung an sich getwittert, ohne dass man dadurch Aufmerksamkeit vom Thema abziehen musste.
  2. Podiumsdiskussionen sind besser als Vorträge: Während Diskussionen fällt es leichter zu twittern. Die Gedanken der Diskutanten kommen weniger geballt und fokussiert, so dass man hier tatsächlich nicht immer die volle Aufmerksamkeit zum Zuhören benötigt. Bei Vorträgen ist man schnell mal raus, wenn man zwei Minuten nicht zuhört, aber bei Diskussionen kann man immer wieder einsteigen. Vorsicht: Wichtige Aussagen werden oft von vielen Zuhörern gleichzeitig geteilt, so dass man dabei oft untergeht. Schnell sein kann helfen oder sich stattdessen auf weniger zentrale Thesen – die letzten Endes oft genug genauso zentral sind – fokussieren.
  3. Beherrscht eure Twitter-Basics: Liken, retweeten, auf Fragen oder Tweets der Kollegen antworten – all das sind probate Mittel, um Aktivität zu zeigen, ohne dass man selbst viel (Kreativ-)Arbeit hat.
  4. Danach ist nicht zu spät: Es ist völlig legitim, sich nicht als Live-Twitterer abzumühen, sondern stattdessen hinterher eine kurze Zusammenfassung oder ein Resümee zu twittern. Das sollte natürlich halbwegs zeitnah passieren, aber hat den Vorteil, dass man sich mittlerweile ein Bild der gesamten Session gemacht hat und oft schlauere Dinge dazu sagen kann als währenddessen.
  5. Und wenn euch mal nichts einfällt, genießt einfach das Event: Zu guter Letzt sollte man sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen. Mal ergibt sich eine Inspiration für einen Tweet ganz unverhofft beim Mittagessen, und mal nicht, weil man viel zu sehr ins Gespräch mit einem guten Bekannten vertieft war. Man kann hinterher immer noch einen ausführlichen Blogartikel über das Event schreiben und diesen teilen. Es gibt Dauer-Twitterer, von denen jeder gewohnt ist, dass alle zwei Stunden etwas Neues kommt, aber es ist meines Erachtens ganz normal, dass viele Menschen eine viel geringere Tweet-Frequenz haben. Ach ja: Heimwegfotos und -tweets inklusive Abschiedsschmerz und/oder Fazit sind auch immer gut.

Habt ihr weitere hilfreiche Erfahrungen gemacht?

Copyright: kris krüg via Flickr cc

Das erste Mal – eBook-Erinnerungen im Fokus

Und es gibt sie immer noch: Blogparaden! Ich frage mich seit Jahren immer mal wieder, ob sie ausgestorben sind, aber meist in diesem Moment taucht wieder eine auf. Wie diese hier zum Thema Mein erstes E-Book #1stebook – und an was ich mich erinnere! – kleiner Spoiler vorweg: Weder Dennis noch ich erinnern uns an besonders viel. Aber an dem, woran wir uns erinnern, möchten wir euch gern teilhaben lassen.

Dennis‘ Gedankenfetzen:

Meine ersten „eBook“-Lektüren wagte ich irgendwann in den frühen 2000ern. EPUB lag noch in weiter Ferne, aber PDF gab’s ja schon länger, und so kursierten per eMail damals diverse Texte unter uns Schülern: Von hanebüchenen Verschwörungstheorien über Erotik bis hin zu schlechten Scans populärer Bücher war alles dabei. Ungefähr dieselbe Qualität (inhaltlich wie formal) hatten dann die Reader an der Uni, die ebenfalls als PDFs zur Verfügung gestellt wurden; es war die große Zeit des Rechtsstreits um §52b.

Mein erstes EPUB habe ich dann übrigens 2012 gelesen – nachdem ich bei dotbooks angeheuert hatte, ergab sich das von selbst. Ich denke, es handelte sich um Roman Breindls „Das Neuburg-Rätsel“.

Hannas Erinnerungsfragmente:

Ich nehme an, dass ich die ersten eBooks auf meinem Laptop gelesen habe, wobei das sicher nur Einzelfälle waren. Richtig los ging es Ende 2011, als ich noch bei einem großen deutschen Zwischenbuchhändler gearbeitet habe, da man zum Weihnachtsfest dessen eReader zum Mitarbeiterrabatt erwerben konnte (den regulären Preis war er auch in der Tat nicht wert …). Dieser hat dann auch prompt bis letztes Jahr durchgehalten. Glücklicherweise habe ich kurz danach beim JVM-Jahrestreffen einen Tolino gewonnen, so dass ich hardwaretechnisch wieder versorgt bin.

Zwar erinnere ich mich nicht konkret an mein erstes eBook, aber es dürfte recht sicher aus dem Erotik- oder Fantasy-Genre kommen. Im Falle der Erotika spare ich mir gern das eindeutige Cover und kann auch in der U-Bahn „inkognito“ lesen. Und beide Bereiche bringen leicht lesbare Bücher hervor, die ich gerade auf langen Bahnfahrten sehr schätze.

Das Ende vom Lied

Wir hatten wohl beide kein einprägsames Erweckungserlebnis, von dem wir hier erzählen und fabulieren können. Das lag bestimmt auch daran, dass wir uns studientechnisch und beruflich schon recht intensiv mit eBooks auseinander gesetzt hatten und einfach wussten, was auf uns zukam. Die Umsetzung der Theorie in die Praxis ist ja meist unspektakulärer, als man sie sich vorstellt. Heute sind eBooks selbstverständlicher Bestandteil unseres Lesens, so dass jegliches Gefühl des besonderes Erlebnisses und erst recht der Zauber des Anfangs verschwunden sind. Aber das ist nicht traurig oder deprimierend, im Gegenteil. Es zeigt, dass unsere ersten eBook-Lektüren uns dann doch nicht mehr losgelassen haben und wir sie über die Jahre hinweg immer weitergetragen haben. Es geht nicht mehr ohne und wir wollen das auch gar nicht.

Copyright: Megan Trace via Flickr cc

Die #rpTEN in 6 Mal 140 Zeichen

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Jeder ist mit technischen Devices ausgestattet und für Pausen lockt das Bällebad 😉

Unsere erste re publica! Wir möchten keinen langen Bericht darüber verfassen, in dem wir ausführlichst von den Essenspreisen, der WLAN-Qualität und ähnlichem berichten, sondern in maximal 140 Zeichen auf drei unserer Lieblingssessions eingehen.

Die Top3-Sessions von Dennis:

  • @wilddueck über #cargokulte
    Ruhig, unterhaltsam, wie immer lehrreich: wir alle sind Anhänger und beschwören Flugzeug-Geister (oder Kreativität durch #designthinking)
    Session und Video: https://re-publica.de/16/session/cargo-kulte
  • Richard Sennett – The City as an Open System
    Modernes Stadtdesign reduziert Komplexität zu sehr: Gruppen separiert, Systeme geschlossen, „all look alike“. Gefährliche Apartheid. #BeOpen
    Session und Video: https://re-publica.de/16/session/city-open-system

Die Top3-Sessions von Hanna:

Und zum Abschluss noch ein kurzes Video, wie es aussieht, wenn man Virtual Reality Sachen testet:

Abwechslungsreicher Auftakt – Rückblick auf die neue Konferenz #dico16

Blick vom ersten Stock in den Vorraum, in dem man sich in den Pausen zum Netzwerken traf.
Blick vom ersten Stock in den Vorraum, in dem man sich in den Pausen zum Netzwerken traf.

Holla – war das ein Auftakt! Die Direttissima (#dico16) hat es gleich beim ersten Mal geschafft, mich – und soweit ich mitbekommen habe, viele weitere Teilnehmer  – von ihrem Format zu überzeugen. Der Blick über den Tellerrand wurde gelobt, die kurzen Speakerslots, die stimmige Organisation … aber von vorn.

Zum ersten Mal von der Direttissima gehört habe ich am Anfang des Jahres. Ich fand die Veranstaltung deshalb interessant, weil ich die Möglichkeit sah, viele Leute zu treffen, die ich kenne, aber gleichzeitig der allzu enge Buchfokus dieses Mal fehlen sollte – da ich seit Herbst in einem Fachzeitschriftenverlag arbeite, kann ich damit nämlich nicht mehr viel anfangen. Auch preislich war die Konferenz m.E. so angelegt, dass man sie mal auf gut Glück ausprobieren und auch den Arbeitgeber davon überzeugen konnte.

Als ich dann das finale Programm sah, dachte ich noch, dass das ein ganz schön straffes Programm werden würde. Das hat sich auch bewahrheitet: Es gab jede Menge kurzer Vorträge – was ich als jemand, der lange Vorträge sehr schnell langweilig findet, ziemlich toll fand! Ich konnte dadurch viel kreativen Input mitnehmen und hatte auch viel weniger „Durchhänger-Phasen“ als bei vergleichbaren Veranstaltungen.

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Der quasi namensgebende Vortrag, in dem Bergsteiger Stefan Glowacz vom Weg zum Gipfel erzählte.

Die Vorträge selbst drehten sich um verschiedenste Digital-Themen: von Coworking und Plagiaten über Vernetzung und Empathie im Netz bis hin zu Inszenierung und Hilfe im digitalen Raum. Die Liste der Redner war vielfältig und beinhaltete auch hochkarätige Redner wie Dirk von Gehlen, NeinQuarterly oder Sina Trinkwalder.  Besonders schön fand ich dabei, dass auch für „gesellschaftlich wertvolle“ Beiträge wie „Help!“ oder „Woman in Tech“ Platz geschaffen wurde.

Ich will nicht verhehlen, dass ich am Ende des Tages durchaus ziemlich ausgelaugt war. So viel Input von der Bühne und dazu das regelmäßige Twittern (das zumindest ich nicht gewohnt bin) können einen ziemlich schaffen. Glücklicherweise gab es regelmäßige Kaffeepausen mit leckerer Verpflegung und die Möglichkeit, vor der Alten Kongresshalle frische Luft zu schnappen.

 

Was ich sonst noch positiv fand:

  • der späte Beginn um 10 Uhr – super für Ungern-Frühaufsteher wie mich!
  • die „Beschilderung“ von der U-Bahn aus – ich hätte mich sonst von Google Maps wohl in einem großen Bogen zur Alten Kongresshalle leiten lassen
  • das Programm war auf der Rückseite des Umhängeschilds mit dem Namen  abgedruckt – wahnsinnig praktisch, weil ich sonst auf Events immer noch einen zusätzlichen Zettel mit mir rumschleppe

 

Whisky-Proben für die Diskussion über Emotionen und Genuss - mit und über Whisky.
Whisky-Proben für die Diskussion über Emotionen und Genuss – mit und über Whisky.

Was man beim nächsten Mal – und ja, ich hoffe auf eine Wiederholung – noch verbessern könnte:

  • der Blick über den Tellerrand war mehr eine theoretische Angelegenheit. In den Vorträgen war er vorhanden, bei den Teilnehmern habe ich hauptsächlich alte und neue Bekannte aus der Buchbranche entdeckt und kennengelernt.
  • die Location fürs Abendessen und die Party hatte leider kein laktosefreies Essen, weshalb ich dann schon gegen 21 Uhr abgedampft bin, um mir essbares Essen zu suchen
  • Redner, die ihre Redezeit über die Maßen überziehen, dürfen meiner Ansicht nach ruhig der Bühne verwiesen werden – just my two cents

Ein Blick über den Tellerrand [Metamorphosen]

Unsere Reihe Metamorphosen behandelt Lebens(abschnitts-)wege, die nicht ganz linear verlaufen. Quer-Ein/Aus/Um-Steiger (vor allem aus der Medienbranche) zeigen, dass es spannender geht als vierzig Jahre dasselbe zu machen.

Vertriebler. Das sind knallharte Jungs. So wie Leonardo DiCaprio als Wolf of Wall Street. Man sieht den Spaß am Verkaufen und den Nervenkitzel nie zu wissen, wie der Kunde reagiert oder was der nächste Augenblick einem bringt. Genau diese Magie hat mich in ihren Bann gezogen. Momentan sehe ich mich zwar noch nicht als knallharte Verkäuferin. Aber ich denke mir, man kann alles lernen. Es darf einem nur nicht langweilig werden. Doch stop, lieber alles der Reihe nach …

Als Buchwissenschafts-Erstsemestler in Erlangen hatte ich noch den großen Traum vom Lektorat. Von tollen spannenden Geschichten, in die man eintauchen kann. Aber dann veränderte sich durch jedes Praktikum, durch jeden Nebenjob mein Berufswunsch ein kleines bisschen mehr. Ich wollte keine Geschichten mehr schaffen. Ich wollte die fertigen Bücher unter die Leute bringen; Menschen damit glücklich machen; ihnen das Gefühl geben, genau das Passende für sich gefunden zu haben.

Kein Wunder, dass ich mich freute, als ich direkt im Anschluss an meinen Bachelor die Stelle als Vertriebsvolontärin in der Münchner Verlagsgruppe bekam. Das große „A“ wurde mir als Schwerpunkt meiner Tätigkeiten genannt. Und dass der Kunde wirklich meine meiste Zeit in Anspruch nehmen sollte, merkte ich schnell: Ich bekam einen umfassenden Einblick in Logistik, Verkaufspräsentationen, Verhandlungen, Auswertungen, Produktplatzierungen, Datenoptimierung und Marketingaktionen. Jeder Tag war eine neue Challenge. Jeden Tag checkte ich die Bestände und verfolgte freudig die Verkaufszahlen nach Presseterminen etc. Ich genoß viel Vertrauen und durfte recht schnell eigenständig und selbstverantwortlich arbeiten. Das hat mich nicht nur vertrieblich, sondern auch persönlich gefordert und – wie ich denke – weitergebracht. Es war eine wirklich sehr lehrreiche Zeit (Danke liebe Sigrid!). Jedoch habe ich auch gemerkt, dass es wohl noch nicht alles gewesen sein kann. Ich hatte keine Lust mehr jeden Tag zwei bis drei Stunden zur Arbeit zu pendeln und abhängig von Bahnstreiks, Unwetter etc. zu sein. Ich hatte auch Lust etwas komplett Neues auszuprobieren: Neue Produkte, neue Kunden, neue Märkte. Nur eins war für mich klar, ich wollte im Vertrieb bleiben. So machte ich mich gegen Ende meines Volontariats auf die Suche nach weiteren Herausforderungen …

… die ich dann auch schon sehr bald bei Suxxeed fand. Hier vertreibe ich keine Bücher mehr, sondern arbeite im Telekommunikationsbereich. Ich kämpfe jeden Tag nicht mehr nur mit dem Problemen von einem großen Kunden, sondern habe genau das, was ich wollte: andere Produkte, viele unterschiedliche Kunden und einen für mich komplett unbekannten Markt. Ich habe manchmal das Gefühl, es gibt dort 1000 verschiedene Akteure und ich muss erst schauen, wo mein Platz ist und muss diesen dann auch auf Dauer behaupten.

Ich bin gespannt, wie mein Leben weitergeht. Was ich aber auf keinen Fall bereue ist, dass ich mich auf etwas Neues eingelassen habe. Sofort ab meinem ersten Tag habe ich mich in meinem Team wohlgefühlt. Meine Kollegen haben mich offen und herzlich empfangen. Ich habe irgendwie gemerkt, dass wir alle etwas gemeinsam haben. Das ist Kampfgeist, Teamspirit, Offenheit und vor allem Spaß daran, mit Menschen zu sprechen und zu arbeiten. Natürlich ist es auch wichtig, dass man von seinem Produkt begeistert ist und sich damit identifizieren kann, aber am Schluss, denke ich, zählt die Freude an der Arbeit, auf die es ankommt, und die habe ich nicht nur in der Buchbranche gefunden. 🙂

Veronika Geis hat nach ihrem Abitur Buchwissenschaft und Germanistik an der FAU Erlangen studiert. Mit einem Volontariat bei der Münchner Verlagsgruppe GmbH stieg sie ins Berufsleben ein. Heute lebt sie in Nürnberg und arbeitet beim Vertriebsdienstleister Suxxeed GmbH als Junior Account Manager. [Xing] [Facebook]

Eins, zwei, fertig – Beitrag zur Blogparade #jetztentscheideich

Meine letzten Entscheidungen drehten sich um Jobangebote. Also durchaus wichtige Entscheidung, von denen man denkt oder sagt, dass man sie mit Bedacht fällen sollte. Trotzdem habe ich im Nachhinein festgestellt, dass sie eigentlich schon innerhab weniger Sekunden von meinem Bauchgefühl entschieden worden waren. Alles andere danach war eher der Gegencheck aus rationaler Sicht, ob die Entscheidung wirklich richtig war oder nicht doch zu überstürzt getroffen wurde. Im folgenden Artikel beschreibe ich, wie Entscheidungsfindungen bei mir vonstatten gehen und worauf ich dabei besonders achte.

  1. Ohne fundiertes Wissen geht nix!
    Eine wichtige Voraussetzung, um guten Gewissens gute Entscheidungen treffen zu können, ist meines Erachtens, genug über den Fall zu wissen. Wenn ich ahnungslos bin, wie ich mich entscheiden soll, liegt das oft daran, dass ich noch zu wenig weiß – über das Thema an sich, über die möglichen Folgen und Auswirkungen oder auch über beteiligte Personen. Das ist zum Beispiel auch der Fall, wenn ich im Supermarkt stehe und die Wahl zwischen zehn verschiedenen Sorten Müsli habe. Sobald ich aber meine Laktose-Intoleranz, den Wunsch nach wenig oder keinem Zucker und nach möglichst wenig Kohlenhydraten einbeziehe, verringert sich die Auswahl sukzessive und ich kann nach meinen persönlichen Geschmacksvorlieben entscheiden. Natürlich können auch weitere Faktoren wie der Preis oder die Farbe der Verpackung (*räusper*) eine Rolle spielen. Aber letzten Endes geht es nicht darum, alle potenziellen Faktoren einzubeziehen, sondern nur die, die für einen selbst wichtig sind. Kurz: Wissensqualität vor Wissensquantität.
  2. Ausgeruht sein
    Klingt ziemlich banal, zugegeben. Ist aber ein Faktor, der mir jedes Mal wieder auffällt, wenn ich vor besagtem Supermarktregal stehe. Oft bin ich müde vom Arbeitstag und dazu geflasht von der großen Auswahl. Umso schwerer tue ich mich damit, eine optimale Entscheidung zu treffen. Und klar, irgendwie schmecken die Nudeln ja alle gleich, aber das Prinzip lässt sich trotzdem auf weitere Bereiche übertragen. Ich weigere mich mittlerweile, an Tagen, an denen es mir nicht gut geht – weil ich schlecht oder zu wenig geschlafen habe, krank bin oder was auch immer –, schwer wiegende Entscheidungen zu fällen oder auch nur intensiv über wichtige Themen nachzudenken. Beim Nudelkauf kann ich nicht viel passieren, aber bei wichtigeren Fällen kann einiges schiefgehen, da ich weiß, dass ich viel negativer als sonst über alles denke. Und in diesem Zustand will ich keine Entscheidungen treffen. (Ich weiß, das klingt ein bisschen so, als wäre mal etwas schief gelaufen. War aber nie der Fall. Zum einen, weil ich mich sowieso gern zurückziehe, wenn ich zu müde bin, und einfach ein paar Stunden Serien gucke. Zum anderen, weil ich mich, wenn doch mal dringende Entscheidungen anstehen, in der Regel auf mein Adrenalin verlassen kann. Ich stehe dann genug unter Strom, um all die Dinge zu erledigen, die erledigt werden müssen. Sprich: Wenn ich funktionieren muss, tue ich das meistens, auch wenn ich überhaupt keine Lust darauf habe.)
  3. Bauchgefühl sticht
    Prinzipiell entscheidet nicht mein Kopf, sondern mein Bauchgefühl. Das bezieht natürlich das bisher gesammelte Wissen und die Erfahrungen ein. Trotzdem ist es ein bisschen irritierend, beim Abwägen der Argumente festzustellen, dass die Entscheidung innerlich längst getroffen wurde, und sich jegliche andere Entscheidung überhaupt nicht gut anfühlen würde. Nichtsdestotrotz finde ich es gut und in gewisser Weise auch beruhigend, dass mein Bauchgefühl so schnell reagiert und damit sicherstellt, dass ich nicht aus den falschen Gründen Entscheidungen treffe. Ich habe vor Kurzem ein Angebot für einen Job bekommen, der zwar einige interessante Punkte hatte, aber im Großen und Ganzen nicht zu mir passte. Mein erster Gedanke, als ich die Zusage las, war „Oh verdammt, das war der Job, den ich eigentlich nicht haben wollte“. Ich habe ein paar Stunden darüber nachgegrübelt und Argumente gewälzt, bis meine rationale Seite vor meinem Bauchgefühl, das sich die ganze Zeit schon gewehrt hatte, kapituliert hat. Denn der bestbezahlte Job nützt gar nichts, wenn das Aufgabengebiet nicht meinen Stärken entspricht und ich mich für zu viele Tätigkeiten einfach nicht begeistern kann.
  4. Nicht beharren
    Ein essenzieller Faktor, wenn man Entscheidungen so schnell trifft wie ich, ist, weiteren Leuten oder Beteiligten immer noch zuzuhören, auch wenn man die Entscheidung (für sich) schon getroffen hat. Denn oft übersieht man im Eifer des Gefechts doch etwas – dann auf seinem Standpunkt zu bestehen, finde ich kontraproduktiv gegenüber der Sache. Dafür ist die Voraussetzung, dass andere Menschen sich in meiner Gegenwart wohl genug fühlen, ihre Meinung offen zu äußern und mit mir zu diskutieren. Ich gebe mir seit Jahren (meiner Ansicht nach erfolgreich) Mühe, meinen Freunden und Projektpartnern den Raum für eine gegenteilige Meinung zu bieten, weil ich überzeugt bin, dass man nicht alles selbst reflektieren kann und Anstöße von außen braucht. Idealerweise spielt man sich dabei irgendwann aufeinander ein. Vor ein paar Jahren habe ich in diesem Rahmen beispielsweise das Feedback bekommen, dass man mir, bevor ich den Mund aufmache, nicht ansieht, in welche Richtung meine Meinung gehen wird, und mich daher überhaupt nicht einschätzen kann. Da ich aber gerade im Freundeskreis will, dass meine Freunde mich einschätzen können, versuche ich seitdem, mich offener und dadurch auch allgemein zugänglicher zu verhalten.
  5. Sich selbst vertrauen
    Ein letzter Tipp, den ich an den Leser bringen möchte, ist der, sich selbst zu vertrauen. Bei vielen Entscheidungen, die man nicht oder nur schwer trifft, sind meist auch Ängste im Spiel. Es ist wichtig, dass man sich darüber bewusst ist, wenn man sich aus Angst anders entscheidet, wie man es ohne tun würde. Gegen diese Ängste hilft bei mir oft, rational gegenzusteuern und mir zu überlegen, was der schlimmste Fall wäre, der eintreten könnte. Und die diffuse Existenzangst der Geisteswissenschaftler, man könnte unter der Brücke landen, wird so innerhalb kurzer Zeit zur Erkenntnis, dass man auch in arbeitslosem Zustand im deutschen Sozialsystem eigentlich ganz gut aufgehoben ist und sich zumindest ums reine Überleben keine Sorgen zu machen braucht. Daher habe ich mir auf die letzten besorgten Fragen während der Jobsuche eine Standardreaktion bereitgelegt, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, mich von der Unruhe meiner Gegenüber anstecken zu lassen: Beruhigendes Lächeln mit dem Satz „Ich lebe und ich bin gesund. Der Rest wird sich finden.“

Die berühmte Ausnahme I …

All das funktioniert ein bisschen schlechter, wenn ich Panikattacken kriege, weil akut was schief gegangen ist. Kommt schon immer mal wieder vor, zuletzt bei diesem Artikel, der bereits am 13.10. in der Entwurfsfassung versehentlich online gegangen ist – sorry an alle, die ihn schon in diesem frühen Stadium gelesen haben! Da ich in diesem Moment selbst etwas aus der Fassung war, habe ich meinen Blogpartner Dennis um Rat gefragt. Nach ein bisschen Hin und Her haben wir uns dann auf die Lösung geeinigt, dass ich den Artikel zwischenzeitlich offline nehme, bevor ich ihn in überarbeiteter Form wieder online stelle.

Freunde um Rat fragen ist sowieso immer eine gute Option, allerdings ist wichtig, dass diese sich halbwegs mit dem Thema auskennen und/oder einen als Person sehr gut kennen. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass gut gemeinte Tipps kommen, die einem überhaupt nicht weiterhelfen (vgl. den Abschnitt „Mit skurrilen Tipps umgehen lernen“ im Artikel Du willst was mit Büchern machen? Gute Nacht!). Denn letzten Endes muss man die Verantwortung für das, was man tut, selbst tragen. Natürlich würden wir uns alle öfter gern darum drücken – man denke nur daran, dass zwei oder mehr Leute in ein Restaurant gehen und niemand vorschlagen möchte, an welchen Tisch man sich setzt. Aber bevor man drei Minuten am Restauranteingang den Weg versperrt, sollte man sich lieber ein Herz nehmen und hinsetzen, auch wenn es genau an diesem Tisch ziehen könnte.

… und noch eine Ausnahme II

Eine weitere Situation, in der es anders läuft, gibt es dann, wenn keine konkrete Entscheidung zu treffen ist. Also nicht eine wie die, ob ich jetzt zur Buchmesse fahre oder lieber Geld spare – leider lief es in diesem Jahr auf die Sparvariante raus -, sondern die, wo ich eigentlich hin will in meinem Leben. Ob ich glücklich bin, wie ich mich beruflich entwickeln will usw. Diese „Entscheidungen“ geschehen sehr viel langsamer als die anderen. Zum einen, weil überhaupt die Notwendigkeit, dass ich eine Entscheidung treffen muss, erst viel später sichtbar wird als sonst. Zum anderen sind die Möglichkeiten viel weitreichender als bei „Standard-Entscheidungen“ und überhaupt stellt sich dann auch die Frage nach der Umsetzung, weil man im krassesten Fall aus einem bestehenden System ausbrechen muss und das nicht immer von heute auf morgen machen kann oder will.

Um ein bisschen konkreter zu werden: Das letzte Mal, als ich an dem Punkt war, dass sich jetzt etwas ändern muss, war vor etwa einem halben Jahr. Mein Körper hat stark gegen die damalige Situation rebelliert, ich war oft krank und hatte Probleme, mich zu entspannen. D.h. mir war durchaus bewusst, dass ich etwas verändern sollte, aber wie so oft war es mitten im Chaos oft schwer, an den Rand zu treten und wieder den Überblick zu bekommen. Geholfen hat eine Woche Urlaub in Südfrankreich fast ohne Internet, dafür mit guten Freunden, guter Lektüre und viel Zeit zum Durchatmen und Nachdenken. Danach hatte ich einen groben Plan und konnte mit Freunden darüber reden und mir weitere Ideen holen.

 

Dieser Beitrag ist die Teilnahme an der Blogparade #jetztentscheideich Über Entscheidungen und den Weg dorthin von Ute Blindert auf businessladys.de.

Copyright Beitragsfoto: Shena Tschofen by flickr cc

#bloggerfuerfluechtlinge

So, wir sind jetzt auch dabei. #bloggerfuerfluechtlinge ist eine private Initiative, um die Flüchtlingshilfe zu unterstützen, denn hier ist gerade einiges im Argen und es klappt ohne ehrenamtliche Hilfe von uns allen nicht mehr. Wir verweisen für die Vielgeschäftigten gern auf den Spendenaufruf, aber möchten zusätzlich noch ein paar weitere Projekte und Möglichkeiten vorstellen, wie man sich für eine menschenwürdigere Aufnahme von Flüchtlingen einsetzen kann.

Crowdfunding-Projekt Kiron University

Auf Startnext wird aktuell für das Projekt Kiron University gesammelt. Es geht darum, auch Flüchtlingen, die meist ohne Papiere und Zeugnisse hier sind, ein Studium zu ermöglichen. Ohne bürokratische Hürden, dafür mit namhaften Kooperationspartnern.

Selber anpacken

Alle größeren Städte informieren und koordinieren mittlerweile recht viel über Internet. München hat beispielsweise hier eine Übersicht erstellt, wie man wo helfen kann, davon unabhängig gibt’s hier eine Facebook-Gruppe mit aktuellen Infos. Sachspenden übergeben ist eine Möglichkeit, ehrenamtliches Engagement eine andere, mich hat’s auch schon in die VoKü zum Gemüse schnippeln verschlagen. Schaut einfach mal, was euch taugt, denn die Aufgaben sind mittlerweile so vielfältig, dass für jeden was dabei ist!

Wohnung teilen

Wer weder Zeit noch Geld, dafür aber Platz hat, kann sich bei „Flüchtlinge willkommen“ melden und einen Flüchtling aufnehmen. Von der Verständigung her womöglich ein bisschen wie Schüleraustausch, aber das hat dem Spaß ja schon damals nicht geschadet.

Sich was ausdenken

Da die ganze Situation für alle Beteiligten neu ist, ist auch jede Menge Raum da, um sich was Kreatives auszudenken. Dennis hat beispielsweise dem Rewe-Support eine Idee geschrieben, wie man einen Spenden-Account im Onlineshop einrichten könnte. Zwei Bachelor-Absolventen haben sich eine Jobbörse für Flüchtlinge ausgedacht, über die mittlerweile in vielen Medien berichtet wurde. Der Journalist Enno Lenze hat eine Petition gestartet, damit die Gewinne der TV total Pokerstars.de Nacht in einem bestimmten Fall nicht an den Promimenten gehen, sondern gespendet werden.

Genau solche Ideen machen wiederum allen anderen Mut, sich auch etwas zu überlegen – habt daher keine falsche Scheu, euch Projekte zu überlegen und auch wirklich laut dafür zu trommeln. Dennis und ich helfen gern dabei!