"Neue Urheber statt neue Gesetze": Vortragsmitschnitt von literaturcafe.de

literaturcafe.de hat einen sehr hörenswerten, eindreiviertelstündigen Vortrag von Wolfgang Tischer online gestellt, in dem es um Gegenwart und Zukunft des Urheberrechts und vor allem der Urheber geht. Der Vortrag ist unideologisch, unparteiisch und kritisch:

[Dies ist] kein Vortrag zum Thema »Raubkopien«. Es wäre kein Problem, einen Abend zu gestalten und mit Studien zu belegen, wie schlimm das Ganze ist und welche Verluste dadurch für die Kreativen und die Kreativwirtschaft entstehen. Man könnte jedoch auch einen Abend veranstalten, der genau das Gegenteil belegt und der anhand anderer Studien zeigt, dass Nutzer von digitalen Kopien mehr Medienartikel kaufen als der Rest der Welt.

[…]

Was hat es mit der oft geforderten Stärkung des Urheberrechtsgesetzes auf sich? Schon jetzt schützt das Gesetz den Urheber, der gegen unrechtmäßige Verwendungen seiner Texte vorgehen kann. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, auch wenn dies immer wieder behauptet wird.

Hier der komplette Mitschnitt, auf literaturcafe.de auch als Datei:

Die klassischen Player im eBook-Markt agieren nur noch reaktiv

The publishing and ebook industry is completely in reaction mode. Publishers reacted to Amazon by colluding to set up the agency system. Kobo and B&N reacted to Amazon by mimicking its strategy. Even the IDPF’s EPUB3 and FXL standards are reactions to the runaway train that is HTML5 and Apple’s format extensions, respectively. Google’s publishing plans seem about as coordinated and planned as a piece of driftwood’s path through a hurricane.

The only two companies that seem to have a plan and try to act on it are Amazon and Apple, both tech companies.

Eine treffende Analyse, die den Artikel The end of ebook development einleitet. Der Rest ist ein guter Überblick über das, was zum Publikationsglück noch fehlt: gute Tools, einheitliche Standards, simple Abläufe. Lesenswert!

Marketing der Woche (KW 29): Crowdinvestment für PaperC

Heute gehts es im Marketing der Woche nicht um Endkundenmarketing, sondern um Kapitalakquise.

Crowdfunding ist in aller Munde, auch für Verlagsprodukte – etwa für Graphic Novels, bei denen Kickstarter schon als zweitgrößter Publisher im Gespräch ist.

Crowdinvestment nimmt ebenfalls an Bedeutung zu, gerade für Startups, die somit neben Business Angels und Venture-Kapitalgebern eine neue, breiter streuende Finanzierungsform haben. Darin versucht nun auch PaperC sein Glück und hat – ganz nach der Devise, dass man nichts crowdfunded, ohne Bewegtbild zu bieten – ein kleines Video produziert:

Wer investieren möchte, findet alle relevanten Infos bei Innovestment.

"Exklusivität und Geheimhaltung machen der Öffentlichkeit Platz": Henry Jenkins über die San Diego Comic Con

A few years ago, the conference organizers were discouraging fans from tweeting about what they heard. Today, exclusivity and secrecy have given way to publicity. Now, Comic-Con’s organizers are announcing hashtags (words or phrases preceded by # that allow Twitter users to find others talking about the same topics) in front of every panel. Many speakers are recruiting Twitter followers. And some networks are collaborating with Foursquare, all sure signs the „fan as influencer“ paradigm is shaping their branding strategies. We were warned again and again not to tape the clips shown, but, this year, most of them got released in good quality formats to the leading science fiction blogs within days, if not hours, after the event.

Nur einer von vielen guten Absätzen in Henry Jenkins Reflexion über die San Diego Comic Con, ihre Bedeutung und ihren Wandel.

Unsinn an der Uni, mafiöse Strukturen in der GEMA

Man darf den Einfluss von bestimmten Unternehmen der Unterhaltungsindustrie nicht unterschätzen, und man muss außerdem wissen, dass es damals innerhalb der Gema mafiöse Strukturen gab, die die Gema noch bis heute beherrschen.

Dieses brandeins-Interview mit Thomas Hoeren macht gerade die Runde – zu Recht, hier handelt es sich mal wieder um einen absoluten Lesebefehl. Nicht nur die GEMA kriegt ihr Fett weg, auch die Rahmenbedingungen der Unis:

Es dürfen nicht mehr Leute gleichzeitig an elektronischen Leseplätzen sitzen, als gekaufte Bücher physisch im Regal stehen. Und ausdrucken darf ich die elektronische Ausgabe auch nicht, ich muss mir das von der Uni gekaufte Buch oder die abonnierte Fachzeitschrift aus dem Regal holen und auf den Kopierer legen. Was soll dieser Unsinn? Das haben einzelne Verleger von Wissenschaftsbüchern und Fachzeitschriften erstritten, weil sie befürchteten, sie würden wegen der elektronischen Leseplätze keine Bücher mehr verkaufen.

Und am Ende geht es auch noch ein bisschen um (und gegen) die Piraten. (gefunden u.a. bei Leander Wattig)

Infographik: Direkter Kontakt verdrängt Pressemitteilungen

Pressemitteilungen sinken im Wert, während direkter Kontakt und Newswires an Bedeutung zunehmen. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sollten das im Kopf behalten. Außerdem zeigt die Graphik, wie „trendy“ Infographiken, Mobile und Video sind.

Visualisierung der Oriella Digital Journalism Study

via Roy Morejon über die Oriella Digital Journalism Study

Paulo Coelho: Piraterie ist nicht schlecht!

Ich sage überhaupt nicht, dass Piraterie schlecht ist! Das höchste Ziel meines Lebens ist es, gelesen zu werden. Und wenn es Piraterie gibt, dann gibt es sie eben, davor darf man keine Angst haben. Ganz ehrlich: Wenn man Opfer einer Piraterie wird, dann ist das eine Auszeichnung, eine Medaille! Piraten kopieren doch nur illegal Bücher, die die Menschen auch wirklich lesen wollen.

Ganz ähnlich lautete eine Aussage auf dem Buchcamp im Mai: Die Verlage (und Autoren) sollten sich nicht Gedanken über die Bücher machen, die „raub“kopiert werden, sondern über die, die es nicht werden. Die sind das eigentliche Problem.

Nichts Neues: eBooks sind zu teuer!

Im Folgenden My Two Cents zur Preisdebatte, die seit Jahren schwelt. Ganz subjektiv aus meiner „User Experience“ heraus.

Fast alle Umfragen zeigen, dass der häufigste Grund für den Nicht-Kauf von E-Books der hohe Preis der Verlags-E-Books ist, der in der Regel nur 10-20% unter dem der Papierausgabe liegt. (Aus einem hörenswerten Vortrag von Wolfgang Tischer.)

An dieser Erkenntnis – (deutsche) eBooks sind zu teuer – ist nicht zu rütteln. Da mögen Verlage noch so eloquent und fundiert argumentieren, dass etwa die Kosten für Herstellung und Auslieferung beim Produkt Buch nur eine untergeordnete Rolle spielen; dass die wesentlichen Kosten für das Produkt weiter anfallen, von der Autorenakquise bis zur Redaktion; dass die Inhalte ihren Preis wert sind.

Das mag nämlich alles sein – allein, es ändert nichts daran, dass die Produkte zu teuer wirken und der Kunde nicht kauft. Sieht man sich z.B. die ePubli-Preisbestimmungen an, liegt ein aktueller Roman (Printversion 22.-) bei 16,99. Dafür bekomme ich nicht nur über 17 Kindle-eBooks zum Niedrigstpreis von 99 Cent, ich bekomme auch 3-4 Us-Backlist-Titel. Für meine 16,99 kann ich also deutlich mehr Content kriegen – und nach meiner Erfahrung rechtfertigen Aktualität und Qualität nur ganz, ganz selten diesen gewaltigen Preisunterschied. (Und wenn, dann meistens die Aktualität: Man will mitreden können.)

Und leider ist das, was man als eBook erwirbt, nicht wirklich funktional gleichwertig zum guten, alten gedruckten Buch. Ich kann es nicht (komfortabel) verschenken oder nach dem Lesen weiterverkaufen. (Mit Software ist das u.U. legal, siehe das Oracle-Urteil.) Ich kann in Europa keine Kindle-Bücher aus den USA erwerben, ohne Umwege zu wählen oder für den Content (so er denn da verfügbar ist) im deutschen Shop mehr bezahlen.

Die Bezugswege sind unkomfortabel, was sehr häufig (wie auch das Wiederverkaufsproblem) mit dem Alptraum DRM zusammenhängt. Simply: Drop it. Denn mit DRM erwerbe ich kein vollwertiges Produkt, sondern eine verstümmelte Version. Das ist beim 99 Cent-Kindle-Buch okay, denn auf dieser Plattform merke ich nicht einmal viel vom DRM. Und der Preis lässt es mich verschmerzen. Bei 20 Euro fühle ich mich über den Tisch gezogen.

Unkomfortable Bezugsmöglichkeiten, DRM, mangelnde Weitergabe – all das wird sicher nicht zum Erfolg qualitativ hochwertiger, teurer eBooks führen, sondern nur zu Piraterie. Wie auch bei Streaming-Angeboten sind die illegalen Anbieter nämlich deutlich fitter darin, ihren „Kunden“ Komfort und häufig auch Qualität zu bieten als die legalen Portale.

Dabei ginge so viel mehr – wirkliche Globalität, umfangreicher Komfort, unendliche Verfügbarkeit von Content und Regalmetern, Genreunabhängigkeit, von den Marketingvorteilen gar nicht zu sprechen.

Wie Autoren reddit fürs Marketing nutzen

Über Tweet und Blogpost stieß ich auf eine tagesaktuelle Aktion von Charles Stross: er beantwortet Fragen auf reddit, und zwar sowohl von Lesern wie auch etwa von Autoren, die sich Tipps für das eigene Schreiben und Vermarkten erhoffen.

reddit erreicht sicherlich ein eher spezielles Publikum (wobei es auch „Boards“ für den allgemeineren Geschmack gibt), aber gerade ein SF-Autor kann auf dieser Plattform gut mit seiner Zielgruppe reden. Und diese Aktion beweist: Kommunikation kommt an (555 Kommentare nach 3 Stunden), und Kommunikation realisiert man am besten durch viele verschiedene Kanäle, um alle potenziellen Interessenten abzugrasen. Wer reddit noch nicht kennt oder nicht nutzt, sollte diese Aktion von Stross zum Anlass nehmen, sich die Plattform hinsichtlich des Marketingmehrwerts einmal anzusehen.