Seit vergangenem Montag arbeite ich in München bei dotbooks, einem noch jungen Verlag für eBooks, und bin für’s Lektorat mitverantwortlich. Achja, und ich twittere dort natürlich auch. Ich entschuldige mich schon jetzt dafür, dass die Posting-Frequenz hier wohl deutlich abnehmen wird – dafür ergeben sich vermutlich diverse spannende Artikelanregungen und diskussionswürdige Stoffe.
Autor: Dennis Schmolk
Selfpublisher, Selfmarketing und Ehrlichkeit
Xander Morus ist das Pseudonym eines Universitätsangestellten aus Bayern. Er schreibt mit Vorliebe Horror-und Thrillergeschichten, liebt bayerisches Bier, H.P. Lovecraft und Youtube-Videos von alten Computerspielen.
Besagter Xander hat im Mai als journalistische Übung mit Selbstmarketing-Nebeneffekt einen Artikel über Selfpub-Autoren im Literaturcafe geschrieben. Und nun zieht er sein Resümmee incl. harter Zahlen und der Aufforderung, lieber langfristig zu denken als kurzfristig Verkäufe zu pushen.
Doch sollte uns zu denken geben, dass sich die Leser nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Wenn gefakte Zeitungsartikel ein Buch hochjubeln und Freundschaftsdienste inflationär in Anspruch genommen werden, sind böse Rezensionen die Folge.
Wir sollten nicht vergessen: Wer mit Tricks arbeitet, hinterlässt meist verbrannte Erde. Der Autorenname kann irreparablen Schaden nehmen. Wenn einen die Eitelkeit drängt, unter richtigem Namen zu publizieren, man dann aber das Buch mit Tricks verkaufen will, sollte man sich fragen, ob man mit den möglichen Folgen leben mag. Wer will schon seinen Namen googeln und lauter wütende Rezensionen lesen?
Social Media und "Findet Jonathan!" im Börsenblatt
Story Bundle: DRM-freie eBooks zu einem Preis, den der Kunde festlegt
Schon länger bekannt sind die Humble Indie Bundles aus dem Computerspielbereich. Die Idee: Ein Paket von Spielen wird zum Download zur Verfügung gestellt. Die Nutzer bestimmen, was ihnen das Paket wert ist – und auch, wie die Aufteilung der Einnahmen vorgenommen wird. Ein Teil geht an die Entwickler, ein Teil an die Plattform und einer wird wohltätigen Zwecken zugeführt. Aktuell läuft das Humble Music Bundle und hat bereits knapp 50.000 Pakete verkauft:
Mit Story Bundle werden nun nach demselben Prinzip DRM-freie eBooks an den Käufer gebracht. Wahlweise können 10% des Kaufbetrags an Mighty Writers oder Trees for the Future gespendet werden. Eine spannende Vertriebsmöglichkeit mit integriertem Marketing. Mehr Details auf der Website des Projekts.
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Autoren-Casting für crossmediale Inhalte
Bei Leander Wattig findet sich ein spannendes Interview mit dem Bastei-Entertainment-Cheflektor Jan F. Wielpütz alias Stefan Bonner, in dem dieser über das Autorencasting für eine Fantasy-Reihe erzählt. Bei „Apocalypsis“ handelt es sich um einen digitalen Serienroman, der als App, Hörbuch, eBook und Mischprodukt erlebbar ist. Nicht nur das Produktdesign ist interessant, auch der Weg von der Idee zum Autor: Bei Bastei reifte zuerst das Romanthema, dann wurde ein Autor gesucht, der verschiedene mediale Kanäle berücksichtigt (Film, Spiel, Schrift, Ton, …). Leander stellt zurecht fest:
Für diesen wurde mit dem Autoren-Casting ein Ansatz der Autorengewinnung gewählt, den ich persönlich sehr interessant finde, weil ich glaube, dass er stark an Bedeutung gewinnen wird für Buchverlage, da sie auf diesem Wege gezielt Content-Marken aufbauen können, die dann auch ihnen gehören.
In den Kommentaren wurde u.a. schon kritisch angemerkt, dass dieser Ansatz gerade für Autoren nicht nur positive Seiten hat. Denn mit dem Aufbau einer verlagseigenen Content-Marke geht natürlich einher, dass viele Rechte des Autors an diesem Kosmos abgetreten werden müssen.
Die Piraterie wird immer gewinnen
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Ein Artikel von Nick Bilton in der New York Times sammelt Gedanken zur Pirateriedebatte. Dabei kommen auch und vor allem Leute zu Wort, die in der verwertergeprägten Debatte untergehen, aber spannende Zahlen und Ideen vorzuweisen haben.
“Piracy won’t go away,” said Ernesto Van Der Sar, editor of Torrent Freak, a site that reports on copyright and piracy news. “They’ve tried for years and they’ll keep on trying, but it won’t go away.” Mr. Van Der Sar said companies should stop trying to fight piracy and start experimenting with new ways to distribute content that is inevitably going to be pirated anyway.
Der beste Schutz der eigenen Leistung vor Piraterie ist, Dinge anzubieten, die nicht stumpf kopierbar sind. Denn das Kopier-Problem wird nicht lösbar sein. Das ist keine Kapitulation vor dem Unrecht, wie häufig behauptet wird, sondern vor der Realität. Bilton vergleicht die Piratenjagd mit einem Whac-A-Mole-Spiel.
An einer wirklichen Lösung des Problems sind die Medienunternehmen auch offenbar nicht interessiert:
“There’s a clearly established relationship between the legal availability of material online and copyright infringement; it’s an inverse relationship,” said Holmes Wilson, co-director of Fight for the Future, a nonprofit technology organization that is trying to stop new piracy laws from disrupting the Internet. […] Mr. Wilson believes that the big media companies don’t really want to solve the piracy problem. “If every TV show was offered at a fair price to everyone in the world, there would definitely be much less copyright infringement,” he said.
Der Artikel kommt auch auf die Technologie von 3D-Druckern zu sprechen, die die Piraterie physischer Güter ermöglicht – und er kommt zu dem Schluss, dass Content-Produzenten und -Verwerter besser daran täten, ein anderes Spiel als „Hau den Maulwurf“ zu spielen. Ich merke es immer wieder in Diskussionen mit anderen Serienfans: Gäbe es legale und komfortable Möglichkeiten, an bezahlten Content zu kommen (der natürlich nicht zu vielen Einschränkungen unterliegen darf), würde sich ein riesiger Markt öffnen. Die Unternehmen verschenken Geld – und werfen gleichzeitig Geld zum Fenster ‚raus, indem sie ungewinnbare Schlachten fechten. Auf dem Rücken der Konsumenten, sowohl der legalen wie der illegalen.
Bildquelle: sa_ku_ra / sakura via Wikimedia Commons. 
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Gastbeitrag im Blog des Branchennachwuchses
Hanna hat mit ihrem Artikel „Das Schlachten verstehen und gestalten“ eine Replik auf Steffen Meiers Rant „Das Schlachten beginnt – das ängstliche Blöken der Verlage ist die Antwort“ geliefert, auf die ich hier gerne hinweise.
Bildquelle: Huhu Uet via Wikimedia Commons.
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Horror-Publikationen: "Ersetzen die e-books die Kleinverleger?"
Im Horror-Forum läuft eine interessant zu beobachtende Diskussion zwischen Autoren, Lesern und Leuten, die sowohl konsumieren als auch produzieren. Die Diskussion geht dabei von 8 Thesen von Uwe Voehl aus:
1. Die Kleinverlage wachsen aus dem Boden, viele dümpeln aber nur noch dahin.
2. Die Zeiten, in der der Horror-Fans sämtliche Veröffentlichungen der Kleinverlage gekauft hat, sind vorbei.
3. Mehrere Stimmen hier im Forum, die sich nicht mehr bedenkenlos SUBs eines Autors oder eines Verlags leisten.
4. Medusenblut veröffentlicht erstmals ein reines e-book.
5. Voodoo-Press stellt kommentarlos die SCREEM-Reihe ein.
6. Trotz der Expansion ist im letzten Jahrzehnt kein wirklich erstklassiger Autor aus der Kleinverlags-Szene emporgewachsen. Siefener, Sembten, Gruber – die waren schon lange vorher da.
7. Einige Kleinverlage schludern, was Lektorat, Übersetzung und Sorgfalt betrifft, investieren lieber in ein Hochglanzcover als inhaltliche Qualität – das rächt sich nun.
8. Mehr und mehr Autoren übernehmen das Ruder und verlegen ihre Werke selbst – als e-book.
Insgesamt ist die Diskussion noch recht „e-fern“ dominiert – bildet aber sicher auch kein repräsentatives Bild der Horror-Leserschaft ab. In meinen Augen (und angesichts der Erfolge von eBooks im amerikanischen Fiction-Markt) liegt hier eine (!) Zukunft des Marktes, die man tunlichst nicht ignorieren sollte. Im Bereich des Marketings etwa haben die Selfpublisher jede Menge neue Möglichkeiten (siehe etwa diesen aktuellen Gastbeitrag von Richard Norden in Marcus Johanus Blog), auch, um sich selbst als Marke zu etablieren und nicht mehr auf (Klein-)Verlage angewiesen zu sein.
(Via Vincent Preis)
Ocelot: Zukunft des Sortiments?
Ein spannendes Interview empfehlen wir zum Wochenende:
Types of Editing (Infographik)
Besonders der letzte Hinweis, dass Interpunktion Leben rettet, kann nicht überbetont werden …
Source: Original infographic from WinePress of Words.

