Weihnachten in 3D [Halbadventskalender]

Den Auftakt unseres halben Adventskalenders macht Robert Goldschmidt, gelernter Buchhändler, Verlagsmensch, Buchwissenschaftler und Blogger.

Die Suche nach Geschenken wird jedes Jahr schwieriger, da man bereits alles hat, was man zum Leben braucht. Schaut man sich die Gaben unter dem Weihnachtsbaum an, so finden wir dort ausschließlich Luxusgüter. In Zukunft werden wir also mehr und mehr Energie darauf verwenden DAS einmalige, kreative und ausgefallene Geschenk zu finden. 2022 haben wir jedoch das Glück mit 3D-Druckern jedes beliebige Produkt selbst herzustellen. Wir müssen uns nur noch die Ideen besorgen.

Created by JBFromOZ

Diese werden kostenfrei über Internet-Tauschbörsen wie Thingiverse und TPB gehandelt und einfach heruntergeladen. Eine spezielle Software wird es uns ermöglichen das Modell am Tablet nachzubearbeiten und zu individualisieren. Das größte Problem werden wir dann lediglich mit unseren Frauen haben, denen der selbst kreierte Schmuck nicht gefällt. In gewisser Weise bleibt also doch alles irgendwie beim Alten.

Ein halber Adventskalender

Während die Supermärkte den Advent bis in den September ausweiten, verknappen wir ihn auf 12 Tage. Wir haben sehr spontan diversen Leuten eine Frage gestellt:

Wie feiern wir 2022 Weihnachten? Wie verbringen wir die Adventszeit, was schenken wir, wie verbringen wir das Fest und was machen wir zum Jahreswechsel?

Andrea Schaufler @ Wikimedia Commons

Sofern Glück und die kurzfristige Planung mitspielen, erscheinen von heute bis zum 23. täglich Antworten auf diese Frage.

Viel Spaß!

Rollenspiel als Schreibtraining

Rollenspielrunde. Sargoth via Wikimedia Commons

Aus Liebe zu meinem Hobby Rollenspiel muss ich heute einen kurzen Absatz aus einem Blogpost von Stina Leicht zitieren, die gerade Charles Stross‘ Blog pflegt. Sie schreibt darüber, wie ihr das Hobby (gerade als Spielleiterin in der frühen, noch stärker männlich dominierten RPG-Phase) für ihr kreatives Schaffen weitergeholfen hat:

Regarding writing, RPGs taught me a great deal about story pacing, characters, and dialog. When you have immediate feedback from players, it’s easy to see when you’re boring them. They start chatting with one another. They text their friends. You can see by their expressions whether or not you’ve got their attention. I think it’s a good thing for all writers to experience. […]

Sie geht noch auf weitere Life Lessons ein, die ihr das Rollenspiel beigebracht hat. Also los, ihr Kreativen der Welt, probiert es mal aus!

Marketing der Woche (KW 49): Ann Summers

Dank eines W&V-Artikels bin ich einmal mehr auf ein unterhaltsames Marketing der Woche gestoßen:

Den Claim „Weihnachten für Erwachsene“ finde ich gut – er ist zwar nicht über die Maßen kreativ, aber hat das Potenzial, für Lacher zu sorgen und passt zum Spot. Schade ist, dass Ann Summers Lingerie-Produkte nur für Frauen anbietet, weil man den Film auch schnell sexistisch interpretieren kann. Ich hätte es schöner gefunden, wenn auch der männliche Part Unterwäsche präsentiert hätte. Deshalb bin ich auch nicht ganz sicher, ob sich der Spot an die richtige Zielgruppe richtet – er wendet sich meiner Meinung nach nämlich eher an Männer als an Frauen. Leider fehlen mir jetzt belastbare Zahlen, ob Männer wirklich in lohnenswerten Mengen Dessous für ihre Frauen kaufen – immerhin für die Weihnachtszeit könnte das aber durchaus zutreffen.

Gegen die Basis?

Netto verkauft jetzt eBook-Reader und eBooks – und noch dazu einen der schlechteren eBook-Reader. Was an sich niemanden allzu sehr stören würde, da es sich nicht einmal um den Netto Marken-Discount, sondern eine regionale Discounter-Kette handelt. Allerdings ist die MVB, die Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, das Unternehmen, das den Deal eingefädelt hat. Also eine Wirtschaftstochter vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der laut Wikipedia

die Interessen aller drei Handelsstufen (Verlag als Hersteller, Zwischenbuchhandel als Großhandel, verbreitender Buchhandel als Sortimentsbuchhandel) vertritt.

Welche Interessen werden vertreten?

Mit dieser Kooperation werden die Interessen der Verlage dadurch vertreten, dass deren eBooks verkauft werden. Die des Zwischenbuchhandels sehe ich nicht und die des Sortimentsbuchhandels auch nicht – im Gegenteil. Es wird eine Konkurrenz zu den bestehenden Shops der Buchhändler etabliert, worüber diese verständlicherweise erzürnt sind, Stichwort offener Brief von eBuch. Damit ist das Interesse einer von drei Sparten vertreten. Das wäre dann in Ordnung, wenn die anderen beiden Sparten ohne Bezug zu diesem Thema wären oder keine Nachteile erleiden würden – genau das wird aber befürchtet.

MVB als Konkurrenz

Ist es realistisch, eBooks bei Netto als Konkurrenz für eBooks in Buchhandlungen anzusehen? An sich gibt es viele Konkurrenzunternehmen zu den Shops der Buchhandlungen, angeführt vom schier allmächtigen Amazon. Bei diesem Sachverhalt ist es auch relativ egal, ob man von Büchern oder eBooks spricht – es gibt genauso Ladengeschäfte zwei Straßen weiter wie es zwei Klicks weiter den nächsten Online-Shop gibt, der auch eBooks verkauft. Und solange es für eBooks die Preisbindung gilt, sind die entscheidenden Faktoren, um eBook-Verkäufe zu generieren, Bekanntheit und Nutzerfreundlichkeit. Der einzige, aber auch entscheidende Unterschied besteht darin, dass Amazon und die (Online-)Filiale der Nachbarbuchhandlung per definitionem Konkurrenten sind – die MVB ist das nicht.

Verhalten eines Branchenverbands

Deshalb sehe ich die grundsätzliche Herangehensweise der MVB auch kritisch. Als Tochter des Börsenvereins war sie nach meiner Ansicht nach für die Abwicklung von Geschäften und Projekten zuständig, die Unterstützung für die Börsenvereinsmitglieder bereitstellen, zum Beispiel das Verzeichnis lieferbarer Bücher, das Adressbuch oder das Börsenblatt. Erste Auseinandersetzungen, wie weit sich das Unternehmen wirtschaftlich positionieren darf, gab es seinerzeit bereits beim Projekt libreka!. Die Fortführung genau der gleichen Diskussion bei der Kooperation mit Netto zeigt, dass die MVB aus dem damaligen Zerwürfnis eigentlich nichts gelernt hat oder nichts lernen wollte. Was ich bedenklich finde, da ein Branchenverband im Sinne seiner Mitglieder agieren sollte – und wenn er nicht im Sinne aller agiert, sollte er wenigstens nicht gegen einen Teil von ihnen agieren. Dadurch leidet die Glaubwürdigkeit massiv, und es ist irgendwo verständlich, wenn sich Mitglieder aus einer Sparte immer weniger in der Verbandspolitik engagieren. Außerdem ist das Verhalten absolut kontraproduktiv, wenn es darum geht, auf lange Frist wirklich alle drei Sparten repräsentieren zu wollen.

Marketing der Woche (KW 48): Amnesty International

Rückseite des Amnesty Journals 01/2013„Es gibt Menschen, die sterben für Bücher.“ Der Claim auf der Rückseite des Amnesty Journals 01/2013 ist nicht so ironisch gemeint, wie er auf den ersten Blick wirken mag. Es geht um verfolgte Schriftsteller, die wortwörtlich für ihre Bücher sterben. Da die Redewendung „Ich sterbe für was-auch-immer“ hierzulande relativ oft in der Umgangssprache verwendet wird, ist ein (kurzes) Moment der Identifikation möglich – und wenn der Leser an diesem Punkt ist, ist die Grundlage dafür gelegt, dass auch der Rest der Botschaft ankommt. Nicht unbedingt breitenwirksam, sondern vor allem auf gebildete, buch-affine Zielgruppen abzielend, aber durchaus in der Lage, genau jene anzusprechen.

Gesamtwirkung

Meines Erachtens super gelungen ist hier das Zusammenspiel von Wort und Bild – das Lesezeichen aus dem aufgeschlagenen Buch entpuppt sich als Henkersknoten. Beide Bestandteile sind nicht sofort entschlüsselbar, entfalten aber nichtsdestotrotz Wirkung, wenn man erst einmal hängengeblieben ist.

Was ist los in Zamonien?

Die aktuellste Zamonien-Website: der-schrecksenmeister.de. (Achtung, Flash und Sound!)

Ich bin großer Liebhaber des Kontinents Zamonien von Walter Moers. Ich verbringe dort gerne einmal einen kleinen Urlaub oder gucke nur kurz nach den neuesten Entwicklungen. Ich liebe es, mich in Zamonien aufzuhalten, und ich habe auch selbst schon User Generated Content zu diesem Erzählkosmos beigetragen.

Die Frage, die ich mir immer wieder stelle: Warum wird es mir nicht erlaubt, mehr Zeit in Zamonien zu verbringen? Zamonien wird nicht transmedial erzählt, aber um einen Erzählkosmos mit richtigem Kanon handelt es sich dennoch, wie spätestens das nun erschienene Out-of-Cosmos-Lexikon „Zamonien“ beweist.

Zur Transmedialität fehlen Interaktion und weitere Kanäle, etwa Videos (abgesehen von alten „Käpt’n Blaubär“-Episoden). Aber Zamonien ist ein Erzählkosmos, verstreut über diverse Bücher, ein Musical, von Nutzern generierte Websites, eine Zeitung. Warum erwähne ich nur nutzergenerierte Seiten? Weil alle offiziellen Seiten (und vor allem Communitys) mittlerweile eingestampft oder in die Hände der Fans übergegangen sind:

Die Zamonien-Seite

Im Jahr 2000 gründete der Eichborn-Verlag zu Marketingzwecken die Seite „zamonien.de“ (Informationen über den „Kontinent“, ein Forum, ein Gästezimmer), die bis zum 10. Dezember 2007 existierte und vom Eichborn Verlag unterhalten wurde (anders als die Nachtschule). Da der Piper Verlag auch an solchem Marketing kein Interesse hat, wurden auf der Seite bis heute nur die zwei beim Eichborn-Verlag erschienenen Zamonien-Bücher beworben und seit dem Verlagswechsel ist abgesehen von den Gastbeiträgen in Forum und Gästebuch kein aktueller Beitrag mehr geleistet worden. Mittlerweile wurde die Seite in eine Weiterleitung auf den allgemeinen Verlagsblog umgewandelt (wie viele andere unaktuelle Bewerbungsseiten des Eichbornverlags auch).

Die Nachtschule

Nach dem Erfolg von Walter Moers‘ Roman „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ wurde im Jahr 2000 die auch im Roman vorkommende Nachtschule als Ergänzung zur Zamonien-Seite vom Eichborn-Verlag im Internet gegründet. […] Als Nachtschüler kann man Hausaufgaben bewältigen, chatten (in der „Raucherecke“) oder in einem Forum (der „Dunkelkammer“) diskutieren. […] Als Walter Moers im Jahr 2003 den Verlag wechselte, verlor Eichborn das Interesse an der Nachtschule. Um das Angebot weiterhin zu erhalten, gründeten die Nachtschüler den Nachtschulverein und unterhalten die Nachtschule seitdem selbst.

(Wikipedia, Hervorhebungen von mir.)

Außerdem gibt es noch ein Zamonien-Wiki – natürlich wiederum ohne verlegerische Unterstützung, als reines Fan-Projekt.

Ich verstehe wie gesagt nicht, warum mir die Möglichkeit nicht gegeben wird, mehr Zeit mit Zamonien (und damit Verlagsprodukten) zu verbringen. Ich bin gerne bereit, dafür zu bezahlen – ich habe bislang alle Romane erworben, außer dem Labyrinth der Träumenden Bücher, das ich bei einem Freund las und zu enttäuscht war, um es meiner Sammlung hinzuzufügen.

Was ich mir erwarten würde: Mehr Publikationen rund um die Welt. Das oben erwähnte Lexikon ist ein guter Anfang, ich hoffe, davon kommt mehr. Schöne, runde Artikel, die Autorin Anja Dollinger ganz im Stil Walter Moers‘ hält und die Erzählwelt zusammenfasst und bereichert. Walter Moers oder der Knaus Verlag dürften mich aber auch gerne mit einem Rollenspielsystem, einem Computerspiel (von mir aus einem Browsergame), einem ARG, einem Brett- oder Kartenspiel, oder etwas ganz anderem unterhalten. Es wird Zeit, Leute! Knüpft an die Aktivitäten von Eichborn an.

Marketing der Woche (KW 46): ZDF

Kampagnenmotiv Arne-Dahl-PlakatKampagnenmotiv Arne-Dahl-PlakatSchöne Kampagnenmotive des ZDF für die Arne-Dahl-Reihe. Die Wortspiele funktionieren, ohne dass sie aufdringlich oder betont witzig sind – sie zeugen von trockenem Humor, der sich nicht aufdrängt. Der Stil der leichten Zurückhaltung passt gut zu den Öffentlich-Rechtlichen. Trotzdem kommt keine Langeweile, die man besagten Sendern gern unterstellt, auf.

Laut?

Die Anforderung an die Tonalität nach Angaben von W&V: „laut, ungewöhnlich und aufmerksamkeitsstark“. Die Eigenschaften ungewöhnlich und aufmerksamkeitsstark lassen sich definitiv finden, im Gegensatz zur Lautstärke  – darüber bin ich aber eigentlich froh, weil laut oft nach hinten losgeht und aufdringlich ist oder nervt. Außerdem passt das auch nur bedingt zum ZDF. Vielleicht bezog sich laut aber auch auf diesen Film hier?

Trickfilmserie: "NICHTLUSTIG" macht Crowdfunding!

Joscha Sauer, der Autor von NICHTLUSTIG, sammelt Geld für eine Trickserie, die uns todessehnsüchtige Lemminge, Herrn Riebmanns Hahn, Yetis und den Tod endlich auch bewegt auf die Geräte bringt. Finanzierungskonzept: Eine selbst gestrickte Crowdfunding-Seite.

Ziel dieser Aktion ist es, bis zum Jahresende 100.000 Euro zu sammeln, um die erste Folge NICHTLUSTIG fertigstellen zu können. Aber wir wollen dort nicht aufhören. Wenn wir es schaffen, mehr Geld zusammen zu kriegen, hier oder durch andere Investoren, dann machen wir natürlich weitere NICHTLUSTIG-Folgen und im Idealfall eine komplette Serie.

Kein Paypal, kein Kickstarter, kein Amazon Checkout:

Wir erfassen nicht mehr als Daten als nötig! Wir stellen Dir für Deinen Unterstützungsbeitrag eine ordentliche Rechnung aus und senden Dir diese als pdf zu.

Ich vermute, die Idee kann klappen. Die NICHTLUSTIG-App, die alle (?) Cartoons versammelt, läuft ja auch auf Spendenbasis und scheint sich zu finanzieren. Kein Wunder bei der Fangemeinde: 55.000 Follower, 280.000 Likes und immerhin 2.000 Youtube-Abonnenten.

https://www.nichtlustig.tv/

Ich bin mir übrigens sicher, dass die Aktion in den Staaten auf Kickstarter durchgezogen würde, nicht auf einer eigenen Seite mit umständlicher Abrechnung. In Sachen Crowdfunding haben wir noch einiges nachzuholen …