Frankfurter Buchmesse: Böse E-Books?

Die E-Books … und die Apps … und überhaupt das ganze neue Zeug bewegen die Branche und die Beobachter. Eine Umfrage unter Kinder- und Jugendbuchverlagen stellt die provokante Frage, ob Buch oder App und erhält in den meisten Fällen die Antwort: Beides. Interessant ist, dass nur ein Teil der befragten Verlage vom Konzept wirklich überzeugt zu sein scheint, und der andere Teil sich zwar digital betätigt, aber im nächsten Atemzug ein Plädoyer fürs gedruckte Buch hören lässt.

Einen Audio-Beitrag zum Start der Messe gibt es bei Deutschlandradio Kultur. Unter anderem geht es darum, dass es für Verlage angesichts zahlreicherer (Self-)Publishing-Möglichkeiten und nicht-sinkender Veröffentlichungszahlen immer schwieriger ist, Aufmerksamkeit für ihre Produkte herzustellen. Außerdem wird angeregt, das Gastland-Konzept der Buchmesse zu überdenken, da es (vor allem bei Ländern wie Neuseeland, die nicht wie China oder die Türkei angesichts literaturpolitischer Themen Debatten auslösen) doch eher der Tourismusbranche diene.

(Ab morgen bin ich dann nicht nur virtuell auf der Messe, so dass ich derartige Artikel stilecht mit Eindrücken untermauern kann.)

ebookmakr – Private and Open Beta

Dank der Einreichungen beim AKEP Award stieß ich auf ebookmakr – eine der wenigen Einreichungen, die nicht einfach eineApp/ein enhanced eBook umfasst. ([COMMENT_AKEP] habt ihr gesehen, dass sich auch ein DRM-Projekt beworben hat? Und das, nachdem so ziemlich jeder mitbekommen hat, dass DRM der wesentliche Hemmschuh des digitalen Geschäfts ist? Unfassbar. [/COMMENT_AKEP])

Es handelt sich um ein Portal, das per Web-Interface erlaubt, verschiedenen Content in .mobi zu verwandeln. (Bis dato das einzige Format, künftig soll auch ePub angeboten werden – bis dahin bleibt nur die Umwandlung etwa via Calibre.) Die Basis-Version ist kostenlos, erlaubt aber nur 3 eBooks – für monatliche Gebühren ab 8.- kann man mehr eBooks verwalten und andere Content-Quellen nutzen. Eine Frage, die ich hoffe, auf der Messe loszuwerden: Kann man evtl. auch doc(x) importieren? Von WordPress und Blogger klappt der Import bereits – man macht also mit ebookmakr auch der Lösung PressBooks Konkurrenz.

Ich hatte ein wenig Gelegenheit, in die geschlossene Beta von ebookmakr zu gucken – für sehr simple Projekte, die man idealerweise direkt im Online-Editor eintippt bzw. reinkopiert, reicht das aus. Am Montag startet die Open Beta – und irgendwann wird es dann wohl auch die Version mit ePub-Fähigkeit geben. Ich bin gespannt, ob ebookmakr a) sein Versprechen einlöst, eine Lösung für Selfpublisher zu sein, und b) etwas beim AKEP Award gewinnt. Ich wäre ja fast enttäuscht, wenn nicht.

Fazit: Im Auge behalten, hier könnte eine mächtige Lösung für simplere eBooks entstehen. Und ein interessantes Freemium-Geschäftsmodell ist es außerdem.

Marketing der Woche (KW 40): Untot in Deutschland

Die vm-people haben eine Kampagne für Chicken House entworfen und umgesetzt, die eines meiner Lieblingsthemen zum Gegenstand hat: Zombies!

Vielleicht in Anlehnung an die Zombie-Infoseite der CDC, die eher dazu dient, Katastrophenschutz „spielerisch“ zu trainieren, wurde die Website untot-in-deutschland.de ins (Un-)Leben gerufen. Neben Infotexten und einem Filmprojekt wird hier auch auf ein Abschlussevent Ende November in Köln hingewiesen.

Zombies gehen einfach immer. Seit den 60ern bevölkern sie die Leinwand. The Walking Dead ist ein gewaltiger Serienerfolg (auch wenn ihn die deutsche Medienelite ins Spätprogramm eines Prekariatssenders verpflanzt hat). Zombie Walks finden in größeren und sogar kleineren Städten (Erlangen) statt. Left4Dead stieß auf großen Anklang bei Gamern (habe ich mir sagen lassen). Der Zombie-Kult ist nicht totzukriegen. Die Popkultur liebt Zombies – und genau darum wird diese Kampagne für das Buch „UNTOT – Lauf, solange du noch kannst“ funktionieren. Überflüssig zu sagen, dass ich sie sehr gelungen finde – und schon sehr gespannt auf das Buch bin.

 

Die Messe rückt näher: Versuch einer selbstgebastelten Infographik

Die Messe (Hashtag: #fbm12 oder #fbf12) steht vor der Tür. Das merkt man daran, dass die Leute ihren Monat mit einer Woche weniger planen, dass alles im Zeichen der Vorbereitung steht, dass gespannte Erwartung herrscht. Und ich merke es daran, dass ich mich täglich wie vorm Schaufenster eines Süßwarenladens fühle (ein schiefes Bild, weil ich nicht unbedingt auf Süßes stehe): Es gibt wieder einmal viel mehr Veranstaltungen als Zeit.

Heute stieß ich dann auf das Infographik-Tool infogr.am – und dachte mir, auch wenn es total unübersichtlich wird: Hübsch sieht mein Programm visualisiert auf jeden Fall aus. Ein bisschen textlastig vielleicht, aber viele visuelle Gestaltungselemente bietet die beta auch noch nicht. Da dort aber keine klickbaren Links angezeigt werden, hier die wichtigsten als Fließtext:

Wer sich mit mir über Gott, die Welt oder sonstwas unterhalten mag, findet mich z.B. auf dem Twittwoch, dem Twittagessen, und vermutlich beim vm-people-Bembel. Oder ihr kommt mich einfach (idealerweise außerhalb von meinen Veranstaltungen …) am Stand von dotbooks besuchen: Halle 4.0 D1310.

Und nun meine kleine graphische Spielerei:

 

Marketing der Woche (KW 39): Midtrafik Commercial

Ich war so frei, die Original-Version dieses herrlichen Werbevideos einzubinden, da ich die Hintergrundstimme wesentlich angenehmer finde als in der englischen Übersetzung. Ansonsten fällt mir nicht viel ein außer: Gelungen! Aber rundum. Humorvoll und vor allem auch mit einer Wertigkeit, die man gemeinhin (wenigstens hierzulande) eigentlich nicht mit dem Fortbewegungsmittel Bus verbindet. Man sieht, dass man Autos mit Übergröße mit mindestens so viel Leidenschaft wie einen Porsche bewerben kann.

Die Zeitungskrise in Nürnberg

Burgblick heißt Durchblick. Oder so. Wikimedia Commons (Витольд Муратов)

Laut einem carta-Artikel ist meine Heimat spannender Kampfplatz der Zeitungskrise.

In Nürnberg existieren vermutlich seit Menschengedenken die “Nürnberger Nachrichten” und die “Nürnberger Zeitung”. […] Der Verleger [beider Blätter] ein Patriarch im positiven Sinne, die Verlage als Familienunternehmen, die nach außen hin weitgehend hermetisch abgeriegelt waren, und in die man als Außenstehender auch nicht recht reingekommen ist.

Norbayern.de, Gute alte Medienwelt: Ein isolierter Mikrokosmos, überrollt vom Medienwandel. Mal abgesehen davon, dass man beide Zeitungen schon lange nicht mehr lesen kann – und die Alternativen Abendzeitung und BILD will man nicht lesen.

Nur zeigt sich in Nürnberg sehr schön das Dilemma, wenn auf allen Seiten die “old school” das Sagen hat. Denn so unterschiedlich, wie sie glauben machen wollen, sind sich die beiden Nürnberger Verleger und der BJV-Vorsitzende gar nicht.  Sie alle glauben immer noch an die Segnungen der guten, alten Analog-Welt. Sie alle sehen immer noch die Zeitung als das publizistische Kerngeschäft, sie alle haben keine nennenswerte Digitalkompetenz. Und sie alle versuchen immer noch, mit Ideen aus der alten Zeit zu Lösungen zu kommen: Einsparen. Oder Verantwortung einfordern. Beides – und die Prognose ist alles andere als gewagt – wird nicht funktionieren, nicht ausreichen.

Eine schöne Analyse, sehr lesenswert – und ein guter Hinweis, die Metropolregion weiter im Blick zu behalten. Wir werden sehen, was die Abwesenheit der Abendzeitung mit sich bringt. Vermutlich merkt es niemand – und alle ehemaligen Leser greifen ab jetzt zur BILD.

Innovation protoTYPE: Die nächste Runde

Freitag und Samstag standen ganz im Zeichen von Innovation protoTYPE: Wir trafen uns im Haus des Buches in Frankfurt, um unsere Gruppenprojekte voranzutreiben (wofür leider nur wenig Zeit blieb) und uns ganz einfach wiederzusehen.Der erste Abend war dann auch vor allem eine gemütliche Runde, in der wir bei Äppelwoi und gutem Essen im Metropol versuchten, die Branche zu retten – oder zumindest ihre Probleme besser zu verstehen. Mal wieder.

Am Samstag trafen wir uns dann nach allgemeiner Routenplanung des weiteren Projektverlaufs zu zwei Seminaren. Eine Teilgruppe übte sich im Präsentieren (schon in Vorbereitung auf die großen Abschlußpräsentationen auf der Book Fair 2012), die andere (incl. mir) erarbeitete mit dem Designer und Referenten Andreas Jacobs Kreativtechniken. Ich kann das Seminar „Von grauen Zellen zu bunten Ideen“ nur empfehlen, es macht Spaß und führt in verschiedene Methoden ein, die den (Arbeits-)Alltag bunter, schöner und kreativer gestalten. Mal sehen, ob sich davon etwas in meinen Alltag integrieren lässt … Alle Fotos bei Facebook und Flickr.

"Unsicherheitskompetenz", Fanbeziehungen und die künftige Rolle der Verlage

Stephan Porombka beim Buchreport (wo sich übrigens kein Link auf seine einzige Webpräsenz findet) im Interview:

[M]an wird wohl entwickeln müssen, was der Soziologe Dirk Baecker Unsicherheitskompetenz nennt. Denn das Entscheidende an den kommenden Veränderungen wird sein: Sie stellen keine Stabilität mehr her.

Das dürfte sich schwer gestalten, denn

[das größte Problem der Verlage] wird sein, sich möglichst flexibel auf die ständig wechselnden Bedingungen einzustellen. Das ist natürlich wahnsinnig schwer. Vor allem, weil im gesamten Literaturbetrieb die Strukturen alt und die Rollenmodelle extrem festgeschrieben sind.

Tradition und Angst sind und bleiben vorerst wohl die bestimmenden Faktoren in der Branche. Das ist nicht zu ändern, höchstens daran zu rütteln. Sie verhindern Kreativität, Flexibilität und die eingangs erwähnte „Unsicherheitskompetenz“, also die Fähigkeit, mit Unsicherheit zu planen und umzugehen. Sie verhindern Experimente, die nötig sind, um neue Formen und Formate zu finden (und natürlich neue Inhalte), sei es in Sachen Produktentwicklung, Marketing, Werbung.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Feststellungen zur Suhrkamp-Blog-Aktion zu Clemens Setz:

Da wird behauptet, hier gebe es bis zur Buchmesse täglich reichlich Zusatzmaterial zum Buch. Aber was passiert auf der Seite? Es tröpfelt nur. Aber keine Literatur, sondern Marketingaktionen: Hey, macht bei unserem Gewinnspiel mit! Kommt zu den Lesungen! Lest einen Auszug aus dem Roman und kauft es dann!

Das ist ein gutes Beispiel für falsche Ansprache der Zielgruppe. Andererseits muss man sich fragen, ob die Zielgruppe tatsächlich über den Kanal eines Blogs erreicht wird. Und wiederum andererseits wird sie das nie sein, wenn man nicht eines Tages damit anfängt. Dann organisiert sich die „Fan-Gemeinde“ woanders im Netz – was nicht das Ziel sein kann, wenn man als Verlag in die Fan-Autor-Beziehung eintreten will.

Marketing der Woche (KW 38): Raising Hope

Nicht viel zu sagen: Lustiger Spruch mit lustigem Bild, was erstmal dazu verleitet, die Karte umzudrehen, um rauszukriegen, worum es sich handelt. Auf RTL NITRO gibt es anscheinend eine Serie „Raising Hope“. Die dreht sich um Jimmy, der nach einem One-Night-Stand alleinerziehender Vater ist. Da das so überhaupt nicht mein Genre ist, werde ich mir die Serie nicht anschauen, aber ich finde die Karte trotzdem nett.

Was den Vielleser bewegt: Eine LovelyBooks-Studie

Knapp 2300 Leute („Vielleser“) haben bei einer Umfrage des Literaturportals LovelyBooks teilgenommen. Mich überraschen die Ergebnisse im Wesentlichen nicht: Demographisch handelt es sich um eine Schnittmenge zwischen Online-Usern und Offline-Viellesern, gepaart mit dem krassen weiblichen Überhang weiblicher Nutzer.

Die Teilnehmer lesen viel, kaufen viel, empfehlen viel. Daraus folgen auch die Empfehlungen am Ende der Studie, u.a.:

Fördern Sie die Empfehlung Ihrer Bücher und Autoren. Zeigen Sie, dass Ihnen die Meinung der Leser eine Herzensangelegenheit ist. Bringen Sie gemeinsam mit Ihren Buchbotschaftern die Word-of-Mouth-Lawine ins Rollen!

Das ist definitiv richtig – aber die Studie schwächelt an dem Punkt, an dem sie die Effekte der Empfehlungen außerhalb der (in meinen Augen eher geschlossenen) Community sichtbar machen müsste. Das tut sie nämlich nicht, es wäre auch ein etwas zu ambitioniertes Ziel: die Wirksamkeit eines Werbekanals nachzuweisen. Immerhin für die Teilnehmer selbst sind Word-of-Mouth-Kanäle als wichtig nachgewiesen:

Für 69% der Befragten sind sowohl Bewertungen als auch Rezensionen von anderen Lesern beim Buchkauf ein wichtiger Entscheidungsfaktor.
Für 42% der Befragten sind Leserrezensionen und für 38% sind Leserbewertungen „sehr wichtig“ beim Buchkauf.