Alle Zukunft ist schwer – Ein Rückblick auf unsere Sortimentsbuchhandels-Umfrage

Ein eindeutiges Ergebnis. Zwei Drittel unserer Leser, die sich an der Umfrage, ob es in zehn Jahren noch Sortimentsbuchhandlungen geben wird, beteiligt haben, sagen: Ja, aber ganz anders.

Was heißt das?

Das ist auf der einen Seite ein Bekenntnis zur Buchhandlung als Institution. Auf der anderen Seite wird signalisiert, dass die jetzige Form nicht zukunftsfähig ist – es wird mit gravierenden Veränderungen gerechnet.

Wie können diese Veränderungen aussehen?

Wir zählen hier mal die Aspekte auf, die heute zum Teil schon umgesetzt sind: E-Book-Beratung und -Verkauf, besondere Events, multimediale Ausstattung. Wenn wir aber einen stärkeren Fokus auf das „ganz anders“ legen, kommen wir zu folgenden Ideen:

  • Buchhandlung als Show- oder Eventroom, in dem hochwertige Bücher präsentiert werden, zum Beispiel werden Edel-Kochbücher in der Küche vor Ort getestet („normale“ Bücher werden sowieso übers Internet gekauft)
  • Buchhändler als bester Facebook-Freund von allen, der seine Kunden kennt und ihnen unaufgefordert Bücher empfiehlt – sein Ladengeschäft wird vor allem als Veranstaltungsort für die „Real Life“-Treffen seiner Kundschaft verwendet
  • Buchhandlungen als Medienläden, die eher Erlebniswelten als Produkte verkaufen, zum Beispiel ein Krimiladen mit Büchern, Zeitschriften, Events, Spielen, Apps und Infos
  • Bücherecken als Teil von Geschenkläden, die aus der Verschmelzung von Boutiquen und Buchhandlungen entstanden sind

Morgen startet dann unsere August-Umfrage.

Wie denkt ihr, dass „Ja, aber ganz anders“ aussehen wird?

Was ihr euch wünscht – Ein Rückblick auf unsere Leserwünsche-Umfrage

Vielen Dank an alle, die sich in den letzten vier Wochen an unserer Umfrage zum Thema „Was wünscht ihr euch von Alles fließt?“ beteiligt haben! Das Ergebnis war an einigen Stellen recht eindeutig: „Mehr Meinung!“ ist gefordert (9 Stimmen), ebenso wie „Mehr Analysen!“(7 Stimmen) und „Mehr Artikelreihen“ (5 Stimmen).

Leichte Korrektur: Eindeutiger Gewinner ist die „Sonstiges“-Kategorie (12 Stimmen), allerdings haben nur 2 der 12 Leser auch kommentiert, was sie ansonsten wollen. D.h. wenn ihr uns nicht auf anderem Weg eure Verbesserungsvorschläge mitteilt, wird es uns schwer fallen sie umzusetzen.

Wir werden uns zukünftig verstärkt nach euren Wünschen richten, v.a. wenn mehrere Formate in Frage kommen. Ihr braucht euch aber keine Gedanken machen, dass wir uns jetzt irgendwelche wackligen Gedankengänge aus den Fingern saugen, nur um einen Meinungsartikel veröffentlichen zu können.

Selbstverständlich sind wir auch nach dieser Umfrage immer offen für eure Vorschläge. Wenn ihr Ideen für weitere Formate oder Umfragen oder Artikel oder … habt, schreibt uns – wir freuen uns über eure Nachrichten!

"Wenn ich etwas Großartiges erlebe, will ich mehr davon": Interview mit Julia Marquart zu booktainment

Es gibt seit ein paar Monaten eine Plattform für Buchaktionen – booktainment. Um mehr darüber zu erfahren, habe ich mir die Betreiberin Julia Marquart auf Facebook geschnappt und sie interviewt.

 Hanna Hartberger: Booktainment gibt’s jetzt seit zwei Monaten, richtig? Was war – in aller Kürze – der Grundgedanke dahinter und wie wird deine Plattform bisher angenommen?

 Julia Marquart: booktainment startete am 23. Februar 2013 und ist damit schon fast vier Monate online. Auf den Punkt gebracht soll jeder von booktainment profitieren können: Buchhandlungen, Autoren, Verlage und Kultureinrichtungen nutzen einen zusätzlichen, zentralen Kanal zur Verbreitung ihrer kreativen Aktionen und Events. Endkunden werden durch booktainment gezielt über aktuelle Unterhaltungsformate informiert und erhalten so eine Übersicht im Dschungel der Angebotsvielfalt. Wichtig ist mir dabei, nicht auf reine Gewinnspiele aufmerksam zu machen, sondern auf Buchmarketing, das einen unterhaltsamen Mehrwert für den Konsumenten bietet.

booktainment ist mein privates Herzensprojekt nach Feierabend, weshalb es zwar langsam, aber stetig vorangeht. Mittlerweile erhalte ich aber auch diverse Anfragen für Events und Aktionen, auf die ich dann hinweisen kann – diese Kooperationen machen mir besondere Freude. Die durchweg positive Resonanz ermutigt mich also, weiterhin viel Energie und Kraft in eine Plattform voller Potenzial zu stecken!

  Hanna Hartberger: Viele der Aktionen, die du bewirbst, sind „Offline“-Aktionen. Hast du darauf einen Schwerpunkt gelegt oder gibt es einfach nicht so viele „Online“-Aktionen?

Julia Marquart: Eigentlich hält es sich derzeit genau die Waage. Es gibt definitiv keinen Schwerpunkt, Online-Aktionen und Offline-Events sind gleichermaßen willkommen. Allerdings stimmt es, dass es dieses Jahr noch keine „große“ Online-Kampagne gab. Doch das wird sich ändern, versprochen :-).

Hanna Hartberger: Ah, okay. Dann bin ich mal gespannt auf besagte Kampagne – darfst du schon was verraten oder Hinweise geben?

Julia Marquart: Nein, leider nicht. Aber verraten kann ich schon, dass es nicht nur eine Aktion ist.

Wie funktionieren Aktionen rund um Literatur?

Hanna Hartberger: Hmm, dann bin ich mal gespannt :-). Nimmt die Bedeutung von Events und Aktionen rund um die Literatur denn zu? Oder erweckt das nur den Anschein, weil man durch Internet und Soziale Netzwerke mehr davon mitbekommt?

Julia Marquart: Das ist schwer zu sagen, da es keine genauen Statistiken gibt. Die aktuelle GfK-Studie (2011) des bdv beispielsweise fasst Lesungen unter der Kategorie „Nicht-Musikveranstaltungen“ mit Theater und Schauspiel zusammen. Das Marktvolumen dieser Kategorie hat gegenüber 2009 immerhin um 30 % zugenommen, der Umsatz blieb relativ stabil. Aber inwieweit Lesungen hier eine ausschlaggebende Rolle spielten, bleibt mir leider verborgen.

Die Bedeutung von Online-Aktivitäten wächst, da die Buchbranche sich zunehmend auf den Endkunden konzentriert. Soziale Netzwerke helfen dabei, die jeweiligen Zielgruppen direkt anzusprechen und so Aufmerksamkeit ohne großen Streuverlust zu schaffen – egal, ob es sich dabei um eine reine Online-Kampagne oder die Ankündigung einer Veranstaltung vor Ort handelt.

Hanna Hartberger: Die Buchbranche, v.a. die Sparte der Verlage, war es ja lange überhaupt nicht gewohnt, mit den Endkunden zu kommunizieren, weil immer der Sortimentsbuchandel zwischengeschaltet war. Haben die Verlage mittlerweile aufgeholt und kennen ihre Kunden oder merkt man – auch bei den Aktionen, die du bewirbst -, dass doch noch etwas „gefremdelt“ wird? Hast du z.B. auch mal negatives Feedback erhalten, wo jemand einfach die Aktion an sich blöd fand?

Julia Marquart: Für mich zählen vor allem guter Wille, Engagement und Dialogbereitschaft. Einige Unternehmen haben sich bereits erfolgreich positioniert und treten souverän auf, andere haben erst vor Kurzem angefangen und tapsen noch etwas unsicher durch das Netz.

Am wichtigsten ist doch, sich mit seiner Zielgruppe ernsthaft auseinanderzusetzen. Wenn also Anmerkungen, Nachfragen, Lob und auch Kritik kommen, sollte man in den Dialog treten, um Aktionen künftig verbessern zu können. Denn das bindet dann wiederum die Endkunden an das Unternehmen, weil sie sich ernst genommen fühlen. Konstruktives Feedback ist immer wertvoll, wenn es auf offene Ohren trifft.

Literatur im Netz

Hanna Hartberger: Stimmt, das habe ich auch schon festgestellt. Ich habe mal bei einer Leserunde auf Lovelybooks teilgenommen und gesagt, dass ich das Cover nicht so gelungen finde. Die Autoren/Verleger haben aber total positiv darauf reagiert, was wiederum ich positiv fand.

Welchen Eindruck hast du denn, was das Image von Literatur im Internet angeht? Wibke hat ja mal die Lesen-ist-sexy-Kampagne vorgeschlagen (die sie leider vorerst eingestellt hat, vgl. hier https://www.sinnundverstand.net/2013/05/23/loslassen-von-ideen/#more-2327), weil sie meinte, dass es Nachholbedarf fürs Lesen im Netz gibt.

Julia Marquart: Mit der Frage tue ich mich etwas schwer :-).

Ich glaube nicht, dass Lesen schon zu einem Nischenhobby „verkommen“ ist. Dennoch scheint es an Attraktivität abzunehmen, ein Buch zu lesen. Woran auch immer das liegen mag: keine Zeit in einer Leistungsgesellschaft auf der Überholspur, wenig Geld in Zeiten der Wirtschaftskrise, Erinnerungen an qualvolle Schullektüre oder einfach fehlendes Interesse … Das möchte ich gar nicht beurteilen.
Mir liegt mehr daran, Leser darauf aufmerksam zu machen, dass das Kulturgut Buch mit seiner Geschichte auch über seine materielle Form hinaus unterhalten kann. Online im Netz oder offline wo-auch-immer, je nach Veranstaltungs- und Aktionsformat.

Die Menschen gehen gern ins Theater, Musical, Kino und auf Konzerte. Sie spielen Konsolen- und Computerspiele, schauen fern – bei all diesen Unterhaltungsformaten werden Geschichten erzählt. Nur, dass sie diese Aktivitäten meist nicht allein gestalten. Deshalb kommt „Social Reading“ auch so gut an, weil sich die Leute über das, was sie tun, unterhalten wollen: Gemeinsam erlebt’s sich eben besser. Und wenn ich etwas Großartiges erlebe, an dem ich Gefallen finde oder gar Spaß habe, dann will ich mehr davon. Immer wieder. Auch, wenn es ein Buch ist. Vielleicht werden dadurch dann letzten Endes auch ein paar Lesemuffel wieder ans Buch herangeführt.

Ein bisschen träumen darf man ja, nicht wahr? *schmunzelt*

Wie kommen die Aktionen auf booktainment?

Hanna Hartberger: Natürlich darf man träumen :-). Abgesehen davon glaube ich, dass es gar nur Träumerei ist – irgendeine E-Book-Studie hat letztens ergeben, dass durch E-Books wieder ein paar Leute mehr lesen, die das vorher nicht mehr getan haben. Ich denke, dass das bei Events ähnlich sein kann.

Wie kommen denn die Aktionen zu dir bzw. auf booktainment? Kommen Veranstalter schon proaktiv auf dich zu oder recherchierst du alles selbst? Und hast du irgendwelche Kriterien, die erfüllt sein müssen, dass du über eine Aktion berichtest?

Julia Marquart: Ich recherchiere nahezu noch alles selbst. Ich habe etliche Newsletter abonniert und behalte Facebook ständig im Auge. Das ist recht mühselig, was aber das Alleinstellungsmerkmal von booktainment noch einmal verdeutlicht. Dennoch rutscht mir natürlich vieles durch: Die Verlage habe ich ganz gut im Blick, aber all die kreativen Buchhandlungen und Autoren, dazu noch die unterschiedlichsten Kultureinrichtungen – das ist als tägliche Recherche allein keinesfalls zu stemmen.

Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn sich „Veranstalter“ proaktiv bei mir melden, mich auf eine Aktion oder ein Event hinweisen und mir sogar Material zur Verfügung stellen. Durch meine Aktion zum Welttag des Buches, bei der ich die diesjährigen BuchMarkt-Award-Gewinner vorgestellt und die ausgezeichneten Bücher verlost habe, konnte ich mit einigen Verlagen, Buchhandlungen und Kultureinrichtungen schon einen guten Erstkontakt herstellen und freue mich darauf, wenn diese sich auch zukünftig an booktainment erinnern und mit ins Boot holen.

booktainment steht für kreative Aktionen und Events rund ums Buch. Damit meine ich keine reinen Gewinnspiele, bei denen Bücher oder sonstige Gewinne verlost werden, und auch keine „einfachen“ Lesungen, wie sie jeder von uns kennt. Es muss einen deutlichen Mehrwert für den Endkunden bieten oder es handelt sich um ein noch (relativ) unbekanntes Unterhaltungsformat, das Aufmerksamkeit verdient.

Hanna Hartberger: Das ist doch ein recht schönes Schlusswort. Gibt’s noch irgendeine Frage, von der du dir wünscht, dass ich sie dir stellen würde? Oder einen Aspekt, den wir vergessen haben?

Julia Marquart: Wir können das als Schlusswort nehmen. Mich persönlich würde natürlich noch interessieren, wie du booktainment persönlich als Endkunde und als Branchenkenner einschätzt :-).

Hanna Hartberger: Ich finde den Grundgedanken gut; um richtig groß/berühmt zu werden, musst du meiner Meinung nach aber noch mehr Traffic generieren (vielleicht würde da auch ein Redaktionsteam helfen). Dein Alleinstellungsmerkmal ist gut und hilft erstmal, aber je nachdem, wie viel du machst, wirst du in Zukunft mehr oder weniger Aufmerksamkeit kriegen. Würde mich natürlich freuen, wenn es mehr ist, weil ich dann von mehr tollen Buchaktionen höre :-).

Keine E-Books, wohin man schaut

Ich stehe unter Schock. Etwa seit ich diese Infografik des Börsenvereins gesehen habe, wonach 68 % der Buchhandlungen E-Books anbieten, aber nur 53 % der Verlage überhaupt E-Books produzieren. Da wird seit einiger Zeit Buchhandlungs-Bashing ohne Ende betrieben – die eine Hälfte sagt, dass die Buchhandlungen endlich auf den E-Book-Zug aufspringen müssen, und die andere Hälfte sagt, dass die Buchhandlungen sowieso keine Überlebenschance mehr haben – und dann stellt sich heraus, dass sich relativ gesehen viel weniger Verlage als Buchhandlungen um E-Books bemühen.

Verzerrte Wahrnehmung

Es ist mir unklar, wie genau das passieren konnte – dass branchenfremde Beobachter zu diesem verzerrten Bild kommen, okay. Aber auch innerhalb der Branche und in den einschlägigen Medien ist in letzter Zeit fast nur noch von den Buchhandlungen und deren Aufholbedarf die Rede. Haben es die vielen kleinen Verlage geschafft, einfach „durchzurutschen“, nachdem die großen Verlage der Reihe nach öffentlichkeitsgewaltig auf den E-Book-Zug aufgesprungen sind? Oder ist auf Verlagsseite das Geschäftsmodell weniger bedroht, so dass man hier weniger Raum für grundlegende Diskussionen hat?

Liebe Verlage …

Foto eines E-Book-Readers auf einem Tisch
photo credit: Wiertz Sébastien via photopin cc

… bitte macht E-Books! Der Gerechtigkeit halber. Ja, das ist ein zusätzlicher Aufwand in der Herstellung und in den Prozessen, aber das E-Book-Geschäft wächst seit ein paar Jahren wirklich. Und wahrscheinlich habt ihr noch ein paar Jahre Übergangsfrist, aber wenn ihr danach keine E-Books anbietet, werdet ihr als ultra-out wahrgenommen und vergrault eure Leser – ist ähnlich wie mit der Rechtschreibreform, die auch alle doof fanden, nach der aber mittlerweile kein Hahn mehr danach kräht. Jetzt habt ihr noch Zeit, euch in Ruhe umzustellen – nutzt sie bitte! Ich möchte in Gesprächen mit branchenfremden Freunden nicht immer die nette, aber doch etwas wirklichkeitsfremde Branche verteidigen müssen, die haptische Bücher so toll findet, dass sie darüber jegliches Geschäftsmodell vergisst …

Bücher, die nicht gefallen, sind anstrengend – Readgeek II

Hier ist der zweite Teil des Interviews mit Uwe Pilz, dem 35-jährigen Initiator der Plattform Readgeek, die Lesern Bücher empfehlen möchte, die ihnen gefallen. Den ersten Teil des Interviews gibt’s hier.

Was genau ist das Geschäftsmodell? Ihr macht damit ja Geld, oder? Und was sagt der Datenschutz …?

Der ursprüngliche Gedanke war in der Tat mal kein Geld. Vielmehr habe ich mich über schlechte Bücher geärgert. Zudem fand ich es sehr traurig, dass die Leute um mich herum so viel fernsehen und Lesen als zu anstrengend empfinden. Dabei sind Bücher ja nicht per se anstrengend, sondern nur solche, die einen nicht zu fesseln vermögen. Da setzt ja Readgeek an.

Davon kann natürlich noch niemand leben, also habe ich mit Amazon ein Abkommen geschlossen, sodass wir pro vermitteltem Buch eine Provision bekommen. Wenn also jemand auf den Kaufen-Knopf auf Readgeek drückt, weiß der Buchhändler, dass die Person von Readgeek kommt. Das reicht zwar im Moment noch nicht mal für die Servermiete, aber die Benutzerzahl wächst schneller als wir es gedacht hätten. Das freut uns natürlich.

Screenshot der Startseite von Readgeek eines eingeloggten Nutzers.
Übersichtsseite eines eingeloggten Nutzers.

In unserer Datenschutzrichtlinie ist festgeschrieben, dass wir personenbezogene Nutzerdaten auf keinen Fall an Dritte weitergeben. Alle Angaben und selbst die Buchbewertungen lassen sich zudem vor den Blicken anderer schützen, wenn man das möchte. Man kann also auch völlig anonym teilnehmen und muss überhaupt keine Informationen über sich preisgeben. Ich persönlich glaube aber, es macht mehr Spaß, wenn man sich mit anderen vernetzt, um sich zusätzliche Leseideen zu holen.

Wie gut deckt Readgeek Special-Interest-Gebiete ab?

Das kommt sicher darauf an, wie speziell das Interessengebiet ist. Wir glauben, wir sind bereits ziemlich gut, und wenn die Vorschläge mal nicht den Erwartungen entsprechen sollten, lohnt es später nochmal vorbeizukommen, da die Prognosen mit steigender Nutzerzahl immer besser werden.

Wie sind die ersten (Nutzer-)Reaktionen?

Überaus positiv. Viele scheinen so eine Seite vermisst zu haben. Das motiviert ungemein. Außerdem helfen viele mit Berichten die Kinderkrankheiten loszuwerden, die bei einem solchen Projekt unweigerlich auftreten. [Hier muss man ergänzen, dass die Anmerkungen der Nutzer wirklich ernst genommen werden. Genau wie vor einem Jahr reicht es, wenn ich im Gespräch mit Uwe kurz erwähne, dass ich xy noch nicht so gut finde, und zwei Tage später ist es geändert.]

Foto von Grafiker Viktor Nübel
Viktor Nübel ist bei Readgeek für die Grafik und alles Visuelle zuständig

Wie viele Bücher sind momentan vorhanden?

Zur Zeit sind etwa 2,5 Millionen Bücher in unserer Datenbank.

Was sind deine nächsten Ziele mit Readgeek?

Als Nächstes arbeiten wir daran, Mitgliedern zu ermöglichen, nicht vorhandene Bücher ins System zu geben und Daten zu korrigieren bzw. zu erweitern. Außerdem gilt es, neben Amazon auch andere Buchversender und, je nach Möglichkeit, Bibliotheken zu verlinken. Auch arbeiten wir an einer Suchfunktion nach Themen und Inhalten, deren Suchergebnisse dann sogleich nach der Prognose sortiert werden können. Denkbar wäre dann z.B. vor einem Spanienurlaub nach Krimis, die in Barcelona handeln, zu suchen, um die passende Lektüre in der Reisetasche zu haben.

Lesen, was einem gefällt – Readgeek I

Vor fast einem Jahr gab es in Leander Wattigs Interviewreihe die spannende Vorstellung von Uwe Pilz und seinem Portal Readgeek. Readgeek versucht, in einem Satz gesagt, Bücher zu finden, die nach dem Geschmack eines Lesers sind. Nun findet Uwe die Plattform reif genug, um mir die Fragen, die ich damals schon hatte, zu beantworten – vielen Dank dafür!

Wichtigste Frage zuerst: Hat die Eule in eurem Logo eine besondere Bedeutung? Und liest sie ein Buch oder ein E-Book?

Logo ReadgeekEulen stehen ja für Weisheit und Belesenheit. Bei uns steht die Eule für jeden einzelnen Leser und jede einzelne Leserin auf Readgeek. Wir haben also viele kleine weise Eulen, die alle zusammen erst die Webseite ermöglichen, denn ohne deren Leseerfahrungen und Buchbewertungen wäre keine Vorhersage oder Buchempfehlung möglich.

Ob sie jedoch ein E-Book oder herkömmliches Buch liest, das ist ihr glaube ich egal – solange es denn ein gutes Buch ist.

Warum ist dein Konzept besser als Amazons Empfehlungssystem, Goodreads etc?

Die Konzepte von Amazon und Goodreads unterscheiden sich recht grundlegend. Während unsere Methode die Vorhersage beliebiger Bücher erlaubt, bekommt man bei den anderen beiden lediglich Buchvorschläge, die ähnlich zu denen sind, die man bereits gelesen hat – Amazon stützt sich sogar zum Teil nur auf die Käufe ohne zu wissen, ob das Buch überhaupt gefiel.

Foto von Uwe Pilz
Uwe Pilz

Das fanden wir unzureichend, weil der Leser so in einem Themenkomplex stecken bleibt und all die Bücher verpasst, die vielleicht noch viel spannender wären, er sich aber einfach noch nicht vorstellen kann. Unser Anspruch ist es gerade vom Mainstream weg zu führen – hin zu den besten Büchern und nicht zwingend hin zu den durchschnittlich beliebtesten.

Hinzu kommt, dass Goodreads vor kurzem von Amazon aufgekauft wurde, und Amazon ja auch immer stärker als Verlag in Erscheinung tritt. Das könnte über kurz oder lang zu Interessenkonflikten führen, welche Bücher empfohlen werden. Readgeek dagegen ist verlagsunabhängig.

Wer ist die Zielgruppe?

Readgeek kann Aussagen über Vorlieben bei der „schönen Literatur“ machen. Also alles, was unterhält, inklusive Biografien, und selbst Comics. Voraussetzung ist, dass schon einige Bücher gelesen wurden und die Bewertungen auf www.readgeek.com eingetragen werden. Wer dagegen Auskunft über Fachliteratur haben möchte, wird in der Bibliothek oder im Fachbuchladen ziemlich sicher besser beraten.

Ob dabei jemand drei Bücher in der Woche oder im Jahr liest, spielt keine Rolle. Genauso wenig das Alter oder die Herkunft. Zur Zeit ist die Webseite auf Deutsch und Englisch verfügbar. Spanisch und Französisch sollen folgen. Buchtitel sind in sehr vielen Sprachen verfügbar, wobei die Vollständigkeit je nach Popularität variiert. Readgeek ist also für nahezu jeden nutzbar, der zumindest eine der beiden Seitensprachen versteht.

Den zweiten Teil des Interviews gibt’s morgen.

Mein Feierabend gehört mir! – Ergebnisse eines Micro-Barcamps zur schönen neuen Arbeitswelt

Foto von Gräsern
Beim Barcamp umgeben von Natur. © Hanna Hartberger

Auch dieses Jahr haben wir wieder ein Barcamp im Freundeskreis veranstaltet, von uns liebevoll Prackenbach-Camp genannt. Im Gegensatz zum Vorjahr haben wir das Barcamp-Prinzip nicht ganz eingehalten, weil wir uns schon zwei Wochen zuvor auf die Sessions geeinigt hatten – was aber daran lag, dass ein Teil unserer Themen der Vorbereitung bedurfte und wir (mit mir waren wir zu fünft) gut genug vernetzt sind, um trotzdem entsprechende Diskussion und Abstimmung sicherzustellen.

Es gibt viele Arbeitswelten

Eine der Sessions drehte sich um die moderne Arbeitswelt. Wir haben festgestellt, dass wahre Welten zwischen den Arbeitsbedingungen in verschiedenen Unternehmen liegen – wo das Start-up selbstverständlich Laptops für immer und überall zur Verfügung stellt, hat das etablierte Unternehmen bereits Probleme damit, die Arbeitszeiterfassung flexibler zu gestalten.

Foto eines Bahnsteigs
Unterwegs. © Hanna Hartberger

Interessanter Punkt: Viele Arbeitnehmer wollen aber auch überhaupt nicht, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben aufgeweicht werden – und das werden sie mit einem Laptop, der überall hin mitgenommen wird, oder privater Nutzung von Sozialen Netzwerken in der Arbeitszeit unweigerlich. Vor ein paar Monaten wurde in diesem Zusammenhang auch ein Plädoyer veröffentlicht, Zugfahrten zur Inspiration und Erholung und nicht fürs gehetzte Arbeiten zu verwenden.

Keine Vermischung von Arbeit und Freizeit

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit. Ob das jetzt dadurch geschieht, dass der geschäftliche Social-Media-Account am Wochenende eben im Wochenende ist, dass nach Feierabend keine Geschäftsmails mehr beantwortet werden (können/müssen/dürfen) oder dass man seine 40-Stunden-Woche einhält, ist abhängig von Mensch und Unternehmen. Ohne geht aber nicht. Leider bleibt vor lauter Technikbegeisterung dieser Aspekt oft genug auf der Strecke – es dauert mit dem tollen Tablet ja nur fünf Minuten, abends mal schnell die Mails zu kontrollieren. Die Unternehmen finden das gut, Identifikation und Einsatz müssen heutzutage schließlich stimmen. Dass etwas auf der Strecke bleibt, merkt man oft erst, wenn es zu spät ist.

Wie sind eure Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema?

Die "Neuen" – von Buchcamp zu Blogparade

Sie sind jung und engagiert – gebt ihnen einen gutbezahlten Job, sagen die einen. Wir können uns das nicht leisten, außerdem suchen wir sowieso Leute mit anderen Qualifikationen – sagen die anderen. Und schon sind wir wieder mitten im Grabenkampf. Geht das auch anders?

Intensiver Meinungsaustausch auf dem Buchcamp

Zeichnung von Nicole Lücking über die Session
Nicole Lücking (www.poasworld.de) über den Grundgedanken der Session.

Es geht um die Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche. Wie in meinem Buchcamp-Rückblick angekündigt, greife ich das Thema nochmal ausführlich auf. In der Buchcamp-Session des Buchbranchenbande-Teams ging es zuerst um die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich in diesem Gebiet. Grund für die Session war u.a., dass Kathrin und Karin eingeladen sind, auf dem Jahreskongress vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels über genau dieses Thema zu sprechen. Im Zuge der Vorbereitungen wollten sie ein breit gefächertes Meinungsspektrum einholen und haben das angesichts diskussionsoffener Teilnehmer auch bekommen. Ein Teil der Statements wurde auch als Videobotschaft mitgenommen.

Zu wenig Verantwortung? Zu viel Verantwortung?

Zeichnung von Nicole Lücking über die Session
Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat ein Statement der Diskussion festgehalten.

Aber worüber wurde denn jetzt genau geredet? Zum Beispiel darüber, dass es in Deutschland mit der grundsätzlichen Nachwuchsförderung gar nicht so schlecht aussieht (Stichwort Nachwuchsparlament), jedenfalls im Vergleich zu Österreich, wo es derartige Veranstaltungen überhaupt nicht gibt. Es gab aber auch harsche Kritik, nicht nur zum Thema Bezahlung, sondern auch dazu, dass der Nachwuchs oft wenig geschätzt wird, obwohl sein Digital-Können oft das seiner Kollegen klar übersteigt. Oder umgekehrt, dass allein aufgrund des Alters und privater Erfahrungen angenommen wird, dass man problemlos das Social Media schmeißen könne.

Immer mehr Wortmeldungen – und oft nicht positiv …

In den letzten Jahren ist ein Bewusstsein für die Arbeitsbedingungen der Einsteiger entstanden. Ich greife nur mal drei der letzten Artikel zu diesem Thema heraus:

Was auch immer man von den Artikeln halten mag, es ist wichtig, dass das Thema diskutiert wird. Denn wenn ich mit Einsteigern der Buchbranche spreche, merke ich, wie hoch der Gesprächsbedarf ist.

Blogparade zum Nachwuchs

Wir – Dennis und ich – wollen aber noch mehr Meinungen! Und starten zu diesem Zweck eine Blogparade mit dem Thema

Die „Neuen“ – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

Wir suchen ehrliche Beiträge – ob sachlich oder polemisch, ob wütend oder enthusiastisch, ob Analyse oder Erfahrungsbericht. Wichtig ist uns, dass sich alle zu Wort melden, der Nachwuchs ebenso wie die „Angekommenen“. Wir finden, dass bei diesem Thema oft zu wenig miteinander geredet wird und möchten mit dieser Blogparade ein Verständnis für die verschiedenen Positionen schaffen. Daher rufen wir auf, bis zum 9. Juni ganz viele Blogbeiträge zu diesem Thema zu schreiben und uns darüber zu informieren. Wer Inspiration braucht, kann sich gern an uns wenden, wir stellen dann unsere Liste mit den Artikelvorschlägen zur Verfügung. Wir freuen uns auf eure Beiträge! Übrigens: Manchmal funktionieren Trackbacks nicht, also hinterlasst uns doch bitte einen Kommentar, damit wir euren Artikel in die Sammlung aufnehmen können.

Bisherige Beiträge:

Und die Nachzügler:

  • Ein Curriculum mit Gender-Perspektive von Frauke Ehlers

Buchcamp 2013: Blick in die Glaskugel

Und auch dieses Jahr ist das Buchcamp fast wieder zu schnell vergangen – wie auch im letzten Jahr war es eine sehr entspannte Veranstaltung, die sich definitiv gelohnt hat. Ich gebe hier einen kurzen Rückblick auf alle Sessions, die ich besucht habe. [Zur Erklärung: Das „Buchcamp“ ist ein zweitägiges Barcamp für die Buchbranche, also eine offene Veranstaltung, bei der es Session zu den verschiedensten Themen gibt. Die Themen schlagen die Teilnehmer selbst vor und entscheiden sich dann kollektiv.]

Erste Session: Wie müsste der Börsenverein der Zukunft aussehen?

Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat den Brainwalk festgehalten.
Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat den Brainwalk festgehalten.

Meine erste Session hat überhaupt keine Antworten gegeben, sondern im Gegenteil viele Fragen gestellt. Es ging um die Grundfrage, ob der Börsenverein in der heutigen Form noch zeitgemäß ist. Um das Thema besser zu greifen, einigte man sich auf einige Fragen, die im ganzen Raum ausgelegt wurden. Dann durften alle rumlaufen und ihre Gedanken aufs jeweilige Poster schreiben (Stichwort Brainwalk). Zur Auswertung und Diskussion der Ergebnisse blieb keine Zeit mehr, aber das soll in den nächsten Wochen und Monaten auf Facebook nochmal aufgegriffen werden. Fazit: Nicht ganz so toll, weil ich als Teilnehmer durch die fehlende Besprechung eigentlich nur wenig mitnehmen konnte.

Zweite Session: Social Media Publishing

Beim Social Media Publishing ging es um den Einfluss der sozialen Netzwerke auf Verlage; allerdings nicht nur Buch-, sondern auch Zeitungsverlage, was interessante Einblicke beschert hat. Später ging es noch um die Frage, wie effektiv Facebook-Anzeigen sind und welche Erfahrungen die Anwesenden mit „Langzeit-Folgen“ ihrer Anzeigen hatten. Fazit: Sympathische One-Man-Show!

Dritte Session: Crowdfunding in der Buchbranche

Bei der Crowdfunding-Session ging es um ein konkretes Konzept für ein Start-up. Die potenziellen Gründer (die freundlicherweise schon Interviewbereitschaft signalisiert haben, falls alles klappt) haben ihre Pläne vorgestellt, und bereits ab der zweiten Folie wurde lebhaft diskutiert. Fazit: Interessantes Thema + intensiver Dialog = sehr spannende Session.

Vierte Session: Zeitgemäßes Veranstaltungsdesign

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Stuhlkreis unter charmanter Moderation.

Die letzte Session des ersten Tages drehte sich um zeitgemäßes Veranstaltungsdesign und begann passenderweise mit einem Stuhlkreis. Durch Zuwerfen eines Gesprächsballs wurden zuerst Beispiele für gute Veranstaltungen gesammelt und im Anschluss Gründe, warum man eine Veranstaltung schlecht findet. Und zu guter Letzt durften wir alle selbst ans Werk und uns überlegen, wie die ideale Veranstaltung aussieht. Und auch wenn das Thema im ersten Moment altbekannt klingt, sind wir doch zu ein paar wichtigen Erkenntnissen gelangt. Zum Beispiel zu der, dass man immer einen Plan B haben sollte oder dass eine kleine Teilnehmergruppe immer besser ist als eine große, selbst wenn es sich „nur“ um einen Vortrag handelt. Fazit: Unterhaltsame Session, bei der wir innerhalb kurzer Zeit zu guten Ergebnissen gekommen sind.

Fünfte Session: Vorsicht eBook! Der Nachwuchs und das digitale Publizieren

Vorstellungsfolie Elena
Auch eBooks können ängstigen …

Meine fünfte Session zeichnete sich bereits durch die Größe des Referententeams aus, was aber kein Nachteil war. Im Gegenteil hatten die Damen, allesamt aus dem GRIN Verlag, und der Herr – Dennis Schmolk, die andere Hälfte dieses Blogs – genial-kreative Folien zur Vorstellung ihrer Personen entworfen (siehe die Präsentation von Elena im Bild links). Und dann gab’s interessante Einblicke in die Arbeit mit eBooks, bei der man zum Beispiel erfahren konnte, dass Titel und Klappentexte von eBooks SEO-optimiert werden. Fazit: Humorvoll und interessant.

Sechste Session: Anforderungen an Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

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Da das Wetter so toll war, fand die Session im Freien statt :-).

Zu dieser Session möchte ich noch nichts schreiben, weil ich in einem der folgenden Blog-Beiträge nochmal extra aufgreifen werde. Dafür dann umso ausführlicher.

 

 

 

 

Verlage werden unwichtig

Die jüngere Generation von Lesern erinnert sich schlechter an den Verlag des Buchs, das sie zuletzt gelesen hat, als die ältere – so die Ergebnisse einer Kurzstudie des Instituts für Kreativwirtschaft an der HdM Stuttgart. Unzeitgemäßer Markenaufbau oder Folge eines komplett neuen Leseverhaltens?

Wichtigste Ergebnisse

© Institut für Kreativwirtschaft
© Institut für Kreativwirtschaft

Über 90 Prozent der Teilnehmer können sich an das zuletzt gelesene Buch erinnern, aber nur etwa ein Drittel an den Verlag des Buchs. Interessant wird das Ergebnis vor allem dann, wenn man einen Blick auf die Altersstruktur der Teilnehmer wirft. Am besten kennen die 30- bis 60-Jährigen den Verlag ihres zuletzt gelesenen Buchs und von diesen vor allem die Personen mit Hochschulabschluss. Im Fazit resümieren die Autoren:

Es ist zu erkennen, dass die Personengruppe, die sich nicht mehr an den Verlag erinnert, überwiegend aus der Altersklasse 17 bis 29 Jahre stammt und über einen hohen Schulabschluss (Abitur/Fachhochschulreife) verfügt. Dies ist besonders markant, da sich diese Zielgruppe am intensivsten mit neuen Medien auseinandersetzt, in denen Verlage aktuell versuchen ihre Marke zu platzieren.

Geändertes Leseverhalten

Content scheint wirklich King zu sein: Die jüngere Generation orientiert sich augenscheinlich vermehrt am Inhalt des Buchs – denn an dieses können sie sich in den meisten Fällen noch erinnern – und weniger am Verlag. Es scheint, als habe die repräsentative Funktion des Buchs ausgedient, weil es in der digitalen oder elektronischen Bibliothek anders als im Bücherregal wenig auffällt, von welchem Verlag welches Buch kommt.

Und es ist verständlich: Der große Belletristikverlag, der verschiedenste Genres wie Krimi, Thriller, Frauenroman, historischer Roman und Fantasyepos verlegt, ist per se kein Qualitätsprädikat – hat er doch viel zu viele Titel im Angebot, als dass diese alle den Geschmack eines Lesers treffen könnten. Anders ist es bei kleinen oder spezialisierten Verlagen und natürlich bei vielen Verlagen im Bereich Sach- und Fachliteratur.

Sind Marken überflüssig?

Die Autoren sprechen im Fazit bereits selbst die Alternative zu Marken an: Themenfelder oder Produktmarken. Und auch ich denke, dass dieser Fokus sinnvoll ist. Wie gesagt bietet eine entsprechend umfangreiche Marke keine Orientierung, und überhaupt sind der Autor des Buchs, die Serie oder die Geschichte, die erzählt wird, oft viel spannender als die Verlagsmarke an sich. Daher ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass der Leser von einem Buch erfährt und von ihm begeistert wird – ob das durch eine interessante Leseprobe, eine Rezension in seinem Lieblingsblog oder durch ein Alternate Reality Game geschieht, ist egal. Wichtig ist einzig, dass das Buch beim Leser ankommt und ihm gefällt. Selbst wenn das heißt, dass jedes Buch seinen eigenen Vertriebsweg bekommt.