Mein Wunsch: Ein Jahr der buchhändlerischen Innovationen [Adventskalender]

Foto von René KohlWir Buchhändler handeln mit einem der schönsten und anspruchsvollsten Produkte, die es gibt. Die Erscheinungsformen sind vielfältig, neben den neuen Digitalisaten und den Hörbüchern, die in jüngerer Zeit dazukamen, werden auch im Printbereich von liebevollen Herstellern, innovativen Marketing-Profis und hochspezialisierten Buchdruckern und -bindern die Grenzen der Buchproduktion kontinuierlich weiter gesteckt.

Dabei üben sich die KollegInnen in den Buchverlagen traditionell an der Erweiterung ihrer Spielräume, gehen immer neue Allianzen und Kooperationen mit technischen und konzeptionellen Dienstleistern ein und kooperieren auch miteinander, tauschen ihr Wissen aus und profitieren sicherlich auch von einer höheren Fluktuation seitens der Mitarbeiter und zunehmend auch der „Quereinsteiger“ aus verwandten Medienberufen.

Bedauerlicherweise geht viel Innovationsleistung der Verlage (einschließlich der neuen Unternehmen am Markt) auf dem Weg von der Erfindung und Herstellung in den Buchhandel verloren. Es mangelt nach wie vor auf allen Ebenen an adäquaten Konzepten, Werkzeugen und an der Infrastruktur, um die neuen hochkarätigen Produkte adäquat an die Frau und den Mann zu bringen.

Es fehlt an geeigneten Beschreibungen (Metadaten), an Standards, diese schlank durch die digitalen Kommunikationskanäle zu schicken, an Möglichkeiten seitens der Buchhändler, diese Informationen käufergerecht zur Verfügung zu stellen.

Es fehlt an geeigneter multimedialer Infrastruktur in den Buchhandlungen und Webshops, um die diversen neuen Präsentations- und Empfehlungsmöglichkeiten (Volltextsuchen, Videotrailer, semantische Verschlagwortung, verwandte Titel, digitale Empfehlungen – um ein paar Stichworte zu nennen) effektiv einzusetzen.

Es fehlt an konzeptionellen, technischen und kooperativen Lösungen, um neue Produktarten (etwa Bundles oder den Verkauf digitaler Titel durch physische Repräsentanz im Laden) adäquat anbieten zu können.

Und es fehlt auch im ganz klassischen physischen Geschäft an zeitgemäßen neuen Präsentationstools, etwa Möbeln, Multimediageräten, Beleuchtung, digitalen Displays, um der fortschreitenden Entwicklung der Online-Präsentation etwas entgegenzusetzen.

Mein Wunsch für das nächste Jahr ist ein Wunsch an den Buchhandel: Lassen Sie uns das nächste Jahr zum Jahr der buchhändlerischen Innovationen erklären! Die Verlage haben vorgelegt – jetzt sind wir am Zug.

René Kohl ist gelernter Buchhändler, vertreibt in seiner Online-Buchhandlung Kohlibri gute Bücher in alle Kontinente und denkt auf www.renekohl.com über das Buchhandeln im Zeitalter der Digitalisierung nach. Er ist zu erreichen unter kohl@kohlibri.de, koh@renekohl.com[Facebook] und [Twitter].

Wie lesen Kinder Geschichten über Milchmänner? [Adventskalender]

Seit der ersten PISA-Studie (2000) herrscht in Deutschland ein hohes Bewusstsein für die Notwendigkeit, Kinder, Jugendliche und deren Eltern für das Lesen von Büchern zu begeistern und ihnen den richtigen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Bundesweite Kampagnen, in die viel Zeit und Geld investiert werden, schaffen dafür ein breites öffentliches Bewusstsein, bewirken oftmals aber nur zeitweiligen Erfolg. Ob damit tatsächlich die „Lese- und Buchfernen“ erreicht werden und sich nachhaltig begeistern lassen, bleibt ungewiss.

Mehr Chancen verspricht aus unserer Erfahrung daher eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen lokalem Buchhandel, Bibliotheken und nahe gelegenen Kindertagesstätten und Schulen, zumal in den Bildungseinrichtungen mit Gewissheit auch die „Lese- und Buchfernen“ erreicht werden. Wir erhoffen uns von der Buchbranche daher in der Zukunft langfristige, innovative und nachhaltige Projekte, die auf die lokale und regionale Infrastruktur des Buchhandels und der Bibliotheken zurückgreifen und Hand in Hand mit den örtlichen Bildungseinrichtungen sowie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet werden.

Der Besuch einer Buchhandlung und einer Bibliothek beispielsweise kann in der engen Zusammenarbeit von Pädagoginnen/Pädagogen und Buchhändlerinnen/Buchhändlern zu einem Erlebnis werden, das nicht auf den Besuchstag begrenzt ist, sondern weit darüber hinaus Verknüpfungen schafft und Wirkung entfaltet. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten die Bedürfnisse und Möglichkeiten des jeweils anderen kennen.

Die Klassenlektüre „Ein Pferd namens Milchmann“ findet man auch in der Bibliothek/Buchhandlung. Wo könnte sie wohl stehen? Und warum steht sie dort? Gibt es dazu auch einen Film? Oder ein Hörbuch? Dürfen die Kinder diese Medien ausleihen oder kaufen? Schon wird aus dem Bibliotheks- oder Buchhandlungsbesuch eine erlebnisreiche und aktive Führung, die sich in den Kontext der Schullektüre einbettet und deutlich länger in Erinnerung bleibt – die Bibliothekarin/der Bibliothekar bzw. die Buchhändlerin/der Buchhändler muss jedoch um diesen Anknüpfungspunkt wissen, wie auch die pädagogische Fachkraft wissen muss, auf welche Fragen sie mit den Kindern zusammen mit der oder dem Buchexperten eine Antwort suchen kann.

Diese Idee ist sicherlich nicht neu und wird gewiss auch schon so praktiziert, doch dürfte dies bisher noch die Ausnahme sein. Denn ein solcher Besuch muss sowohl seitens der pädagogischen Fachkräfte als auch seitens der Buchhandlungen und Bibliotheken sorgfältig vorbereitet werden. Dazu fehlen bis heute entsprechend aufbereitete Materialien und der konkrete Austausch untereinander. Wir wünschen uns daher von der Buchbranche ein stärkeres Zugehen auf die lokalen und regionalen Bildungseinrichtungen und – das darf man an dieser Stelle natürlich nicht vergessen: auch andersherum die Bereitschaft der Bildungsinstitutionen, bei der Lese- und Medienförderung enger mit der Buchbranche vor Ort zusammenzuarbeiten. Gemeinsam und für die Bedingungen vor Ort maßgeschneidert können so lokale und regionale Lese- und Medienförderung erfolgreich verankert und die Kinder und jungen Leute für das Abenteuer Buch und Medien nachhaltig begeistert werden.

Normann Stricker engagiert sich bereits seit seinem Studium zusammen mit Stefan Salamonsberger mit der Initiative „Abenteuer Buch“ für die Lese- und Medienförderung und kann inzwischen auf über ein halbes Jahrzehnt Erfahrung mit Kinder- und Jugendprojekten rund um das Medium Buch und dem Thema (Vor-)Lesen zurückblicken, u.a. als Projektmanager bei der Stiftung Lesen. Ab 2014 wird er zusammen mit Stefan Salamonsberger und einem Team von Experten freiberuflich Projektberatung, -konzeption und -management für die Buch-, Medien- und Bildungsbranche anbieten. Zu erreichen ist das Team schon jetzt per Mail unter mail[at]abenteuerbuch.com, über Xing unter normann.stricker oder über Facebook.

Bücherschau ohne E-Bücher. Oder: Was sich in München literarisch gerade so tut

Am Samstag war ich mit zwei Freunden auf der Münchner Bücherschau – die Eröffnung hatte ich leider verpasst. Ich war zum ersten Mal dort, hatte keine Ahnung, was mich genau erwarten würde, und war angenehm überrascht: Viele verschiedene Bücher in einer Umgebung, die wirklich dazu einlud, sich hinzusetzen und in Ruhe zu stöbern. Noch schöner fand ich, dass das (kostenlose) Angebot angenommen wurde und man nicht nur auf das klassische Bildungsbürgertum, sondern ein relativ gemischstes Publikum stieß.

Was fehlt? Natürlich die E-Books!

Abbildung einer Postkarte mit Bücherwünschen
Postkarte für Bücherwünsche

Aber natürlich konnte man auch hier früher oder später einen nicht allzu unerwarteten Wermutstropfen finden: Von E-Books keine Spur. Überall waren praktische Postkarten und Stifte, auf die man Bücherwünsche schreiben konnte, aber auf diesen war lediglich der Verweis auf (physische) Buchhandlungen zu finden. Das heißt, dass man zwar dazu angehalten wurde, seine Buchwünsche zu notieren, allerdings wurde man anschließend zu einer „realen“ Buchhandlung gelotst – etwaige Hinweise auf Online-Shops oder Online-Filialen von Händlern gab es nicht. Eine Spur in Richtung E-Books gab es lediglich in Form eines Sony-Readers im Eingangsbereich. Und natürlich kann man argumentieren, dass die Uhren in Bayern etwas langsamer laufen und hier halt alles etwas länger dauert, aber ich frage mich, wie lange diese Verleugnungsphase noch anhalten wird. Da die Veranstaltung vom Bayerischen Landesverband des Börsenvereins ausgerichtet wurde, finde ich das besonders kritisch – natürlich hat er in diesem Fall nur begrenzte Möglichkeiten der Gestaltung, da sich die Unternehmen selbst anmelden und um ihren Auftritt kümmern, aber vielleicht hätte bereits ein wenig gezielte Werbung in Richtung E-Book-Verlage etwas geändert.

Netzwerken in München

Ich möchte die Gelegenheit eines Artikels mit Lokalbezug außerdem zu einer kurzen Werbeeinblendung nutzen und auf die neu konstituierte Junge Verlagsmenschen Gruppe in München hinweisen. Da ich im Orgateam bin, würde ich mich freuen, wenn unsere nächsten Veranstaltungen (Weihnachtsfeier, Exkursionen, Diskussionsrunden …) alle überfüllt sind. Wer Interesse hat, kann sich hier unverbindlich für den Newsletter eintragen: https://jungeverlagsmenschen.de/ort/muenchen

Du willst was mit Büchern machen? Gute Nacht!

Es gibt schönere Dinge auf dieser Welt, als einen Job in der Buchbranche zu finden. Für die, die es trotzdem versuchen wollen: Dennis und ich fühlen uns gerade weise genug, ein paar Erfahrungen aus unseren letzten Such-Phasen weiterzugeben.

Life comes first

  • Sich nicht über Arbeit definieren und Kontakt zu Freunden halten: Ein wichtiger Tipp, den mir ein Freund ehrenhafterweise schon frühzeitig gegeben hat. Wenn man sich über einen Job definiert – und irgendwie tun das die meisten von uns -, fällt in einer Such-Phase ein relevanter Pfeiler des Selbstwertgefühls weg. In der Folge ist man deprimiert und zieht sich sozial zurück. Genau das darf aber nicht passieren. Man muss sich vor Augen halten, dass jeder Mensch mehr wert ist als sein Job – viel mehr! Und gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, intensiven Kontakt mit seinen Freunden zu halten, weil die einen nämlich wieder daran erinnern. (Hanna)
  • Don’t stand alone: Das gilt nicht nur im Falle einer Zombie-Apokalypse, sondern eigentlich in jeder Krise. (Eigentlich-eigentlich immer.) Dabei ist es wichtig, sich nicht von den Erfolgsgeschichten von Leuten verunsichern zu lassen, deren Lebenslauf glatter, deren Auslanderfahrungen ausgedehnter und deren familiärer Hintergrund elitärer ist. (Ja, richtig geraten: In all diesen Punkten bin ich eine Niete.) Die leben nicht euer Leben, sondern ihres. Die krummsten Biographien haben zu den spannendsten Ergebnissen geführt. Einfach weitermachen! (Dennis)
  • Mit skurrilen Tipps umgehen lernen: Das ist einer der tückischeren Punkte, weil er etwas schleichend kommt. In den ersten Wochen geht jeder davon aus, dass man schon bald (wieder) einen Job haben wird. Und irgendwann hat’s immer noch nicht geklappt und dann wird die Familie/der Partner/der BWLer-Freund nervös und gibt eifrig Tipps – die bisweilen komplett an der Realität vorbeigehen. Was total nett gemeint ist, aber überhaupt nichts bringt. In solchen Fällen hilft es, tief durchzuatmen und sich sachlich zu verhalten. Und alle größeren Veränderungen vorsichtshalber mit den Freunden abklären, die die Lage halbwegs klar sehen. (Hanna)
  • Nicht jede Stelle annehmen: Ein Job ist ein Job ist ein Job. Das heißt, man macht ihn vorrangig aus einem Grund: Man verdient Geld. Jetzt bitte kein Kapitalismus-Bashing, ich bin selbst niemand, der einen 60-Stunden-80-Mille-Job machen will. Die Hälfte reicht mir vollkommen. (Ja, von beidem – das wäre toll.) Ein Job muss sich auch mit der eigenen Lebensrealität in Abgleich bringen lassen – man ist nur dann gut in einer Position, wenn man nicht das Gefühl hat, dafür sein restliches Leben zu opfern. Märtyrer gehören in die Geistesgeschichte, nicht in die Berufswelt. Begeht nicht Karōshi. Das ist es nicht wert. Man muss wissen, wann Feierabend ist. Kurz: Nehmt nur Stellen an, die eure Beziehungen, Interessen und Finanzen gleichermaßen fördern oder zumindest nicht zu stark belasten. (Dennis)

Know your stuff

  • Keine Initiativbewerbungen: Die hochgelobten Initiativbewerbungen sind meiner Erfahrung nach vollkommen gehyped. Die großen Verlage werden auch damit überrannt und die kleinen Verlage haben nicht die Möglichkeiten, mal schnell eine Stelle zu schaffen. Das Konzept bringt meines Erachtens nur etwas, wenn man einen gezielten Tipp bekommt, dass es bei einem bestimmten Unternehmen tatsächlich was bringt. (Hanna)
  • Nicht um jeden Preis nach dem vermeintlichen Traumjob suchen: Es gibt nicht nur einen Traumjob. Fast genauso wichtig wie die Jobbezeichnung sind die Kollegen, der Chef, das Unternehmen an sich, der Standort … Wenn eine andere Art von Job, an die man erstmal nicht gedacht hat, klappt, sollte man die nehmen! Erfahrungen sind prinzipiell immer gut und wenn man nach zwei Jahren immer noch seinem Traumjob hinterher trauert, kann man jederzeit einen neuen Versuch starten. Aber je mehr man sich fokussiert – in welcher Hinsicht auch immer -, desto weniger Angebote gibt es. (Hanna)
  • Netzwerken: Ja. Sagt jeder. Social Media, Konferenzen, Messen, Projekte, Initiativen. Machen aber irgendwie gar nicht viele und deswegen ist es ein guter Weg, sich zu profilieren. Zumindest während des Studiums und kurz danach, wenn man a) selbst noch nach Orientierung sucht und b) viel Zeit hat. Ehrenamt sollte natürlich nur ausgeübt werden, wenn man wirklich Spaß dran hat, aber dem Lebenslauf schadet es in Maßen auch nicht. (Dennis)
  • Agenturen, Agenturen, Agenturen: Wohnungen findet man am besten per Makler, wenn sich nicht zufällig etwas über private Kanäle ergibt. Und so ähnlich ist das auch mit Jobs. In der Kartei einer passenden Agentur aufzutauchen, ist jedenfalls nicht schädlich. Und manchmal führt es dazu, einen passenden Job zu finden. Probiert es! (Dennis)
  • Don’t give a sh**! Der wichtigste Tipp von allen: Regt euch nicht auf. Je wichtiger das Thema, desto weniger Aufregung hat es verdient. Benehmt euch wie Psychopathen, wenn es sein muss. Aber bleibt einfach ruhig und kommt irgendwie durch. (Dennis)

Also: Ruhe bewahren. Der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler ist nicht gut. Es gibt sogar Vereine, die sich mit diesem Problem beschäftigen (wenn auch mit eher mediokrer Website). Das heißt aber auch, dass es allen so geht. Ein Job oder kein Job ist kein Indikator dafür, ob jemand eine gute Arbeitskraft ist oder nicht. Hanna neigt dazu, Arbeitssuche für ein komplettes Glücksspiel zu halten. Dennis denkt, dass das Prinzip hinter der Arbeitssuche antirational arbeitet: Je mehr man sich bemüht, desto schlimmer wird es.

And now to something completely different: Liebe Personaler …

Liebe Personalverantwortliche in den Verlagen – und natürlich auch in allen anderen Unternehmen -, wir müssen an dieser Stelle auch mal ein paar Dinge loswerden, die nicht gehen. GAR NICHT. Da wären:

  • Keine Eingangsbestätigung (v.a. bei E-Mail-Bewerbungen)
  • Keine Antwort (also so gar nie …)
  • Online-Bewerbungssysteme (funktionieren meist nie so, wie sie sollen, und sind überflüssigste Mehrarbeit, weil alles Wichtige eh schon im Lebenslauf steht)
  • Wochenlang nichts von sich hören lassen und dann spontan am Telefon fragen, warum man gerade an diesem Unternehmen interessiert ist (als ob man sich nur bei einem einzigen Unternehmen beworben und seine Unterlagen auswendig gelernt hätte …)

Liebe Bewerber, bei solchen Unternehmen solltet ihr dann auch zweimal darüber nachdenken, ob ihr da arbeiten wollt. Oder dreimal.

Warum wir lieber auf Cat Content statt auf SEO setzen

SEO ist eines der beliebtesten Buzz-Words der letzten Jahre. Womöglich etwas zu Unrecht, weil das Konzept dahinter eigentlich ziemlich wichtig ist, aber der Begriff dann doch sehr inflationär verwendet und die Bedeutung bisweilen überschätzt wird. Andreas Mayhöfer hat zu einer interessanten Blogparade zum Thema SEO aufgerufen und stellt die Frage, ob SEO für Blogs eine Notwendigkeit oder gar Zeitverschwendung ist. Ich versuche mal, selbige für „Alles fließt“ zu beantworten.

Unsere Einstellung zu SEO beim Bloggen

Bild einer Tastatur
Bild: Alexander Klaus / Pixelio.de

Vorab: Das Thema steht bei uns nicht im Mittelpunkt. Wir nehmen es mal mehr, mal weniger wahr, haben unsere Statistiken im Blick und probieren auch gerne Sachen aus – das war zuletzt in größerem Umfang der Fall, als bei meiner Online-Marketing-Manager-Weiterbildung das Kapitel SEO dran war. Unser Ziel geht zwar in die Richtug möglichst viele Leser, aber unser Fokus liegt auf der Qualität der Artikel. Und es ist uns eigentlich immer wichtiger, Gehör zu finden und Feedback zu unseren Artikeln zu bekommen als einen besonders optimierten Artikel zu schreiben.

SEO-Tools, die wir verwenden

Was tun wir konkret? Wir haben diverse Sharing-Buttons und sorgen dafür, dass thematisch passende Artikel unter dem Artikel angezeigt werden. Wir haben ein, zwei Geschwindigkeitstools (z.B. Super Cache), die von selbst laufen. Wir bemühen uns, Fotos vor dem Upload bezüglich ihrer Größe zu optimieren und sie möglichst umfassend und eindeutig zu kategorisieren – allerdings ist das leider etwas, das wir beide oft vernachlässigen, wenn wir nicht so viel Zeit haben.

Wie wir unseren Content behandeln

Unseren Content optimieren wir nur in Hinblick auf die inhaltliche Qualität. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, ein Wort öfter in einem Artikel zu verwenden als ich es getan hätte, um den entsprechenden Suchbegriff zu verstärken. Und so aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass Dennis das auch noch nie gemacht hat. Bei Überschriften achten wir darauf, dass sie griffig sind und Spannung erzeugen – wenn sie dann wirklich SEO-optimiert sind, ist das eine schöne Abwechslung, denn ganz viele sind es nicht oder nur ein bisschen. Das hat mit dem oben beschriebenen Anspruch zu tun, dass wir Content liefern, von dem wir selbst überzeugt sind – denn nur den können wir guten Gewissens teilen. Dazu gehört, dass er allgemein weboptimiert (Stichworte: kurze Absätze, Bilder) und gut geschrieben ist, aber wir haben uns noch nie hingesetzt und Wörter gezählt. Würde sich aus meiner Sicht auch einfach nicht richtig anfühlen.

Wie wir unser Blog behandeln

Wir stärken unser Blog SEO-technisch natürlich indirekt, indem wir es allgemein pushen, wo es möglich ist. Konkret heißt das,

  • wir erzählen neuen Bekanntschaften davon,
  • wir teilen unsere Artikel in Sozialen Netzwerken (hauptsächlich Facebook und Twitter),
  • wir legen Wert auf Interaktivität (z.B. mit den Umfragen),
  • wir haben unsere Backlinks im Blick (Stichworte: Teilnahme an Blogparaden, Veranstalten von Blogparaden, Kommentare in fremden Blogs hinterlassen) und
  • wir werten regelmäßig unsere Statistiken aus und prüfen, welche Art von Artikeln Anklang findet.

Das fällt für mich aber alles nicht unter SEO im eigentlichen Sinn, weil es kein größeres Konzept gibt a la „wir möchten auf Seite 1 bei Google unter dem Stichwort ebooks deutschland auftauchen“. Weil das, wie oben beschrieben, nicht unser Anspruch ist – uns geht es hier einerseits um die Möglichkeit der Meinungsäußerung und des Meinungsaustausches und zum anderen ums persönliche Renommee.

SEO-Facts von „Alles fließt“

Ein paar unserer Artikel sind aber doch – ungeplanterweise – zu „SEO-Rennern“ geworden – das sehen wir in unserer Übersicht, mit welchen Suchbegriffen die Leser auf unsere Seite kommen. Bei Suchbegriffen von Menschen, die nicht direkt nach „Alles fließt“, „Dennis Schmolk“ oder „Hanna Hartberger“ suchen, sind ganz weit oben:

Der Vollständigkeit halber sollte man noch erwähnen, dass je nach Definition bereits unser Blogname für viele Nutzer eine Fehlsuche zu unseren Gunsten ist, da wir den Aphorismus beim Philosophen Heraklit geborgt haben. Aber wir sind überzeugt, dass Google mittlerweile herausgefunden hat, dass wir keine getarnten Philosophen sind. (Sieht man von Dennis Redakteurstätigkeit für die Gesellschaft für Kritische Philosophie ab.)

Last-Minute-Messe-Tipps

Auch Dennis und ich sind schon im Messefieber. Wir möchten aber nicht umfangreich auf das passende Schuhwerk und ähnliche Probleme eingehen, sondern zwei essentielle Tipps an anderer Front loswerden:

1. Wir sind hier in Frankfurt

DAS Trend-Tool der diesjährigen Buchmesse –> unbedingt nutzen, v.a. kann man dann auch guten Gewissens zum dazugehörigen Vernetzungstreffen gehen und Leute kennenlernen. Natürlich sind auch Dennis und ich vertreten.

2. Buchmesse-App

Für Gestresste, die sich am liebsten erst auf der Zugfahrt ihr Programm überlegen wollen (z.B. mich), ist diese App (für Android und iOS) Gold wert: Das komplette Veranstaltungsprogramm ist vorhanden. Außerdem eine Standübersicht, sodass man getrost auf die gedruckten Programme verzichten kann.

In diesem Sinne eine erfolgreiche Messe!

P.S.: Dennis ist am Mittwoch und Donnerstag auf selbiger zu finden, ich am Freitag.

Der erste Tropfen? Nachlese einer Debatte über die Bezahlung von Volontariaten

Na sowas – da gibt’s einen (Mini-)Shitstorm in der Buchbranche und keiner kriegt’s mit. Jedenfalls nicht in der Branche – außerhalb davon gab’s Meldungen bei n-tv, Stern, 3sat, der Welt, der Berliner Morgenpost und sogar beim Spiegel. Aber keines der großen Branchenorgane greift das Thema auf und stößt eine Diskussion an. Zu einem Thema, das bekanntermaßen schon lange schwelt.

Wohlbehütete ausgebrütet? Der Nachwuchs hat Probleme. Bildquelle: grendelkhan via Wikimedia Commons

Worum geht’s?

Um das Thema Volontariatsgehalt. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hatte mit einem Gehaltsvorschlag von 500 € pro Monat für Unmut gesorgt; in der Folge gab es einen wütenden Blogbeitrag und diverse wütende Facebook-Posts, woraufhin sich die KiWi-Geschäftsleitung zu einer Erklärung gezwungen sah und das Gehalt auf „immerhin“ 1.000 € erhöhte. Dennis hat den Verlauf der Diskussion in diesem Beitrag ausführlich beschrieben.

Fazit auf den ersten Blick

Bei allen jungen Leuten, mit denen ich über das Thema gesprochen habe, schlug deutlich die Begeisterung durch. Zum einen war das in Richtung „Juhu, jetzt gibt’s auch bei uns mal einen Shitstorm“ und zum anderen „Juhu, der bewirkt sogar noch was“. Das klingt im ersten Moment ziemlich sensationsgeil, ist aber für viele ein Hoffnungsschimmer, dass sich auch hier etwas tun kann. Dass es möglich ist, Leute dazu zu bewegen, ihre Meinung offen zu vertreten und zu behaupten. Und dass darauf eine angemessene Reaktion folgt, die davon zeugt, dass man ernst genommen wird. KiWi hat sich angesichts des zunehmenden Protests geradezu mustergültig verhalten, indem schnell reagiert und gehandelt wurde.

Fazit auf den zweiten Blick

Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack. 1.000 € sind immer noch alles andere als ein angemessenes Gehalt für einen Hochschulabsolventen, Ausbildung und Einarbeitung hin oder her. Wie Dennis schon richtig angemerkt hat, sollte man eher dafür Sorge tragen, Absolventen auf reguläre Stellen  zu besetzen – die verdienen nämlich genug. Es geht hier allgemein um die Wertschätzung von Mitarbeitern. Natürlich sagt das niemand offen, sondern redet lieber von hohen Kosten und der grandiosen Chance, in einem so renommierten Verlag … *gähn*. Und weil das alle so machen, wird’s auch von den Branchenmedien lieber totgeschwiegen als thematisiert.

Es wird Zeit, dass sich der Nachwuchs auf die Hinterfüße stellt und seine Rechte einfordert – vielleicht ist das, was wir erlebt haben, schon der Anfang davon.

"Anders als heute" – ein Rückblick auf unsere eBook-Umfrage

EBook between paper booksIn unserer letzten Umfrage haben wir euch gefragt, wohin es mit den eBooks geht. Über die Hälfte derer, die abgestimmt haben, meint, dass sie multimedial (also z.B. mit Audio- oder Video-Elementen) angereichert werden. Ein Viertel spricht sich zusätzlich noch für „nonlinear oder interaktiv“ aus, während ein weiteres Viertel meint, dass eBooks ganz anders werden.

Ein klares Votum für große Veränderungen. Dass sich gar nichts ändert, wird ausgeschlossen, und dass es nur noch Apps gibt, als ähnlich unwahrscheinlich erachtet. Der Kommentar von Tene, aus dem ich hier einen Auszug zitiere, spricht ein paar weitere Aspekte an:

Vielleicht gibt es mehrere “Wunschenden”, aber was ist nicht sehe, ist dass wir uns von einer gewissen linearen Form der Storyerzählung in der Masse der belletristischen E-Books wegbewegen. Und ich glaube auch nicht, dass wir die elektronischen Inkunabeln in Zukunft noch Buch nennen werden. Eventuell ist es sogar ganz gut, wenn wir uns gedanklich vom “Buch” wegbewegen. Es öffnet die Weite der Möglichkeiten.

Verlage entdecken sich als Händler

Ein neuer Trend im Buchhandel – gut, ein noch zaghafter Trend. Aber es ist doch bemerkenswert, dass mehrere Verlage (z.B. Oetinger, Lübbe, Coppenrath) sich jeweils ein eigenes Ladengeschäft leisten. Interessanterweise gehen alle Verlage mit ihrem Konzept in die Richtung der Medienläden, die Dennis und ich im Fazit einer unserer letzten Umfragen beschrieben haben. Was soll man davon halten?

Gute Gründe dafür

Es sind Experimentierfelder und als solche gut und wichtig – sofern sie wirklich so genutzt werden und man nicht nach einem halben Jahr Experimentierphase zum Tagesgeschäft weitergeht. Und es kann helfen, die Buchhandlungen bei der teils engen Zusammenarbeit besser zu verstehen, sie gezielter zu unterstützen und ihnen sogar Erfahrungswerte zu bestimmten Titeln oder Aktionen weiterzugeben.

Gute Gründe dagegen

Natürlich besteht umgekehrt die Gefahr, dass das Verhältnis Buchhandlung – Verlag leidet, wenn Letzterer anfangen sollte, Ersteren über sein Kerngeschäft zu belehren. Beim Konkurrenzargument bin ich etwas unschlüssig: Im Moment scheint es da noch nicht viel Konkurrenz zu geben, aber wenn sich der Trend zur eigenen Buchhandlung ausweiten sollte, verstehe ich den kritischen Blick einiger Buchhandlungen.

Was überwiegt

Für mich ist ausschlaggebend: Die Verlage tun was. Und das ist in Zeiten unserer heutigen Veränderungen und auch sonst gut. Abgesehen davon erfordert es Mut, sein gewohntes Geschäftsumfeld zu verlassen und sich in eine Richtung zu bewegen, von der man bislang eher wenig Ahnung hat. Wünschenswert wäre es, wenn die vielen neuen Erkenntnisse, die dabei gesammelt werden, nicht bei den Verlagen hängen bleiben, sondern die (Branchen-)Öffentlichkeit viel davon mitbekommt.

Sommerpause

Leider haben Dennis und ich unabhängig voneinander ziemlich turbulente Zeiten, weshalb wir es beide nicht schaffen, außer unserer Umfrage Artikel zu schreiben – was uns wirklich Leid tut, da wir dieses Blog gern mögen und die Kommunikation mit euch sehr schätzen. Daher bitten wir um euer Verständnis für diese „Sommerpause“ und hoffen, ihr bleibt uns trotzdem weiterhin gewogen. Wir sind zuversichtlich, dass sich in den nächsten Wochen alles einspielt und ihr bald wieder die gewohnten Kommentare, Interviews … lesen könnt.

Liebe Grüße

Hanna und Dennis

P.S.: Wenn ihr in der Zwischenzeit Artikelwünsche habt, gern Kommentar hinterlassen.

P.P.S.: Wenn ihr eine bezahlbare Wohnung in München oder Köln vermitteln könnt, bitte auch kommentieren oder uns direkt kontaktieren.