Die "Neuen" – von Buchcamp zu Blogparade

Sie sind jung und engagiert – gebt ihnen einen gutbezahlten Job, sagen die einen. Wir können uns das nicht leisten, außerdem suchen wir sowieso Leute mit anderen Qualifikationen – sagen die anderen. Und schon sind wir wieder mitten im Grabenkampf. Geht das auch anders?

Intensiver Meinungsaustausch auf dem Buchcamp

Zeichnung von Nicole Lücking über die Session
Nicole Lücking (www.poasworld.de) über den Grundgedanken der Session.

Es geht um die Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche. Wie in meinem Buchcamp-Rückblick angekündigt, greife ich das Thema nochmal ausführlich auf. In der Buchcamp-Session des Buchbranchenbande-Teams ging es zuerst um die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich in diesem Gebiet. Grund für die Session war u.a., dass Kathrin und Karin eingeladen sind, auf dem Jahreskongress vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels über genau dieses Thema zu sprechen. Im Zuge der Vorbereitungen wollten sie ein breit gefächertes Meinungsspektrum einholen und haben das angesichts diskussionsoffener Teilnehmer auch bekommen. Ein Teil der Statements wurde auch als Videobotschaft mitgenommen.

Zu wenig Verantwortung? Zu viel Verantwortung?

Zeichnung von Nicole Lücking über die Session
Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat ein Statement der Diskussion festgehalten.

Aber worüber wurde denn jetzt genau geredet? Zum Beispiel darüber, dass es in Deutschland mit der grundsätzlichen Nachwuchsförderung gar nicht so schlecht aussieht (Stichwort Nachwuchsparlament), jedenfalls im Vergleich zu Österreich, wo es derartige Veranstaltungen überhaupt nicht gibt. Es gab aber auch harsche Kritik, nicht nur zum Thema Bezahlung, sondern auch dazu, dass der Nachwuchs oft wenig geschätzt wird, obwohl sein Digital-Können oft das seiner Kollegen klar übersteigt. Oder umgekehrt, dass allein aufgrund des Alters und privater Erfahrungen angenommen wird, dass man problemlos das Social Media schmeißen könne.

Immer mehr Wortmeldungen – und oft nicht positiv …

In den letzten Jahren ist ein Bewusstsein für die Arbeitsbedingungen der Einsteiger entstanden. Ich greife nur mal drei der letzten Artikel zu diesem Thema heraus:

Was auch immer man von den Artikeln halten mag, es ist wichtig, dass das Thema diskutiert wird. Denn wenn ich mit Einsteigern der Buchbranche spreche, merke ich, wie hoch der Gesprächsbedarf ist.

Blogparade zum Nachwuchs

Wir – Dennis und ich – wollen aber noch mehr Meinungen! Und starten zu diesem Zweck eine Blogparade mit dem Thema

Die „Neuen“ – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

Wir suchen ehrliche Beiträge – ob sachlich oder polemisch, ob wütend oder enthusiastisch, ob Analyse oder Erfahrungsbericht. Wichtig ist uns, dass sich alle zu Wort melden, der Nachwuchs ebenso wie die „Angekommenen“. Wir finden, dass bei diesem Thema oft zu wenig miteinander geredet wird und möchten mit dieser Blogparade ein Verständnis für die verschiedenen Positionen schaffen. Daher rufen wir auf, bis zum 9. Juni ganz viele Blogbeiträge zu diesem Thema zu schreiben und uns darüber zu informieren. Wer Inspiration braucht, kann sich gern an uns wenden, wir stellen dann unsere Liste mit den Artikelvorschlägen zur Verfügung. Wir freuen uns auf eure Beiträge! Übrigens: Manchmal funktionieren Trackbacks nicht, also hinterlasst uns doch bitte einen Kommentar, damit wir euren Artikel in die Sammlung aufnehmen können.

Bisherige Beiträge:

Und die Nachzügler:

Frauenpower aus Österreich – Buchbranchenbande I

Interessante Gespräche auf der BUCH WIEN arrangieren – das ist nur eine von vielen Ideen der Buchbranchenbande. Wir waren neugierig, was hinter dem Projekt steckt, und haben die beiden Betreiberinnen, Karin Hartmeyer und Kathrin Huemer, zu ihren Zielen und Plänen befragt. Der zweite Teil des Interviews folgt in ein paar Tagen.

Alles fließt: Wer steckt hinter Buchbranchenbande? Was ist euer Ziel und wie kam es dazu?

Karin Hartmeyer

Karin: Wir haben die Bande gegründet mit mehreren Ideen in Kopf: Insgesamt wollen wir uns für eine stärkere Vernetzung von Kolleg/innen einsetzen, die in Österreich mit Büchern – bzw. Inhalten 😉 – arbeiten. Das soll zum einen den Austausch zu spezifisch österreichischen Herausforderungen ermöglichen, zum anderen soll das Ganze sich zum Teil auch online abspielen, damit alle Interessierten jederzeit teilhaben können.

Kathrin: Wir möchten gerne die gesamte Branche abseits der Verbände zusammenbringen – jeder, der Lust und Interesse hat, findet bei uns eine Plattform, um sich zu aktuellen, für die Branche relevanten Themen auszutauschen und seine Meinung und Ideen kundzutun. Wir arbeiten auch eng mit den Jungen Verlagsmenschen Wien und der ARGE Buchhändler/innen zusammen und stehen in Kontakt mit dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels.

Unser erstes Projekt – „Book a Chat – Persönlichkeiten aus der Buchbranche erzählen von Werdegang, Arbeitsalltag und Perspektiven im „Berufsfeld Buch“ haben wir für die BUCH WIEN 12 auf die Beine gestellt – und waren sehr erfreut über den Erfolg und das positive Feedback.

Ach ja, „nebenbei“ sind wir im Verlags-Marketing bzw. in der Öffentlichkeitsarbeit eines Verbandes tätig.

Alles fließt: Ich finde es spannend, dass ihr als spezifisch österreichisches Projekt in Erscheinung tretet. Was war der Auslöser für diese Entscheidung?

Karin: Zunächst muss man beachten, dass die historischen und politischen Voraussetzungen und Umstände der Branche in Österreich andere sind als in Deutschland. Wir meinen, dass hierzulande ein ganz besonderer Handlungsbedarf besteht, der in Deutschland in vielen Fällen ein anderer bzw. bereits in erfolgreicher Bearbeitung ist. Hierbei müssen wir unseren deutschen Kolleg/innen ein deutliches Lob aussprechen, die uns mit (Online-)Netzwerken, Barcamps und anderen offenen, ungekünstelten Veranstaltungen sehr inspiriert haben. In Österreich möchten wir die Entwicklung nur zu gerne ein wenig anstoßen und vor allem auch die Vernetzung der bereits bestehenden Netzwerke forcieren.

Kathrin Huemer

Kathrin: Ein weiteres Motiv war und ist die These, dass sich die österreichische Buchbranche vielen spezifischen Herausforderungen gegenüber sieht. Unser Markt ist etwa ein Zehntel so groß wie der deutsche, und für österreichische Verlage ist es schwer, auf dem deutschen Markt zu reüssieren. Hinzu kommt die Ausbildungssituation: Es gibt hier, im Gegensatz zur größeren deutschen Branche, kaum formale Ausbildungen. Es besteht die Möglichkeit, eine Lehre, wie wir das in Österreich nennen, beispielsweise zum/r Buchhändler/in oder zur/m Buch- und Medienwirtschafter/in zu machen. Bei höheren Ausbildungen sieht es dagegen schlecht aus. Für ein praxisorientiertes Studium muss man beispielsweise nach Leipzig oder München. Viele weichen deshalb auf eine Geisteswissenschaft wie Germanistik oder Literaturwissenschaft aus. Vielfach gelingt der Einstieg dann über ein meist unbezahltes Praktikum. Aber auch in diesem Fall gibt es keinen einheitlichen Weg wie bei euch die Volontariate, wo die Rahmenbedingungen recht genau abgesteckt sind. Der Einstieg in die Buchwelt hängt deshalb noch in viel höherem Maße von Vernetzung und sehr großem persönlichen Engagement ab.

Uns interessiert aber ganz einfach auch, mit welchen Problemen unsere österreichischen Kolleg/innen im Alltag zu kämpfen haben genauso wie wir hören wollen, was die Arbeit mit Büchern in der Alpenrepublik so schön macht.