Verlage entdecken sich als Händler

Ein neuer Trend im Buchhandel – gut, ein noch zaghafter Trend. Aber es ist doch bemerkenswert, dass mehrere Verlage (z.B. Oetinger, Lübbe, Coppenrath) sich jeweils ein eigenes Ladengeschäft leisten. Interessanterweise gehen alle Verlage mit ihrem Konzept in die Richtung der Medienläden, die Dennis und ich im Fazit einer unserer letzten Umfragen beschrieben haben. Was soll man davon halten?

Gute Gründe dafür

Es sind Experimentierfelder und als solche gut und wichtig – sofern sie wirklich so genutzt werden und man nicht nach einem halben Jahr Experimentierphase zum Tagesgeschäft weitergeht. Und es kann helfen, die Buchhandlungen bei der teils engen Zusammenarbeit besser zu verstehen, sie gezielter zu unterstützen und ihnen sogar Erfahrungswerte zu bestimmten Titeln oder Aktionen weiterzugeben.

Gute Gründe dagegen

Natürlich besteht umgekehrt die Gefahr, dass das Verhältnis Buchhandlung – Verlag leidet, wenn Letzterer anfangen sollte, Ersteren über sein Kerngeschäft zu belehren. Beim Konkurrenzargument bin ich etwas unschlüssig: Im Moment scheint es da noch nicht viel Konkurrenz zu geben, aber wenn sich der Trend zur eigenen Buchhandlung ausweiten sollte, verstehe ich den kritischen Blick einiger Buchhandlungen.

Was überwiegt

Für mich ist ausschlaggebend: Die Verlage tun was. Und das ist in Zeiten unserer heutigen Veränderungen und auch sonst gut. Abgesehen davon erfordert es Mut, sein gewohntes Geschäftsumfeld zu verlassen und sich in eine Richtung zu bewegen, von der man bislang eher wenig Ahnung hat. Wünschenswert wäre es, wenn die vielen neuen Erkenntnisse, die dabei gesammelt werden, nicht bei den Verlagen hängen bleiben, sondern die (Branchen-)Öffentlichkeit viel davon mitbekommt.

Das Nachwuchsparlament auf den Buchtagen 2013

Vor zwei Jahren war ich zuletzt auf dem Nachwuchsparlament (NWP) gewesen und hatte geurteilt: eine Azubi-Veranstaltung. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Jahr einen ganz anderen Eindruck hatte. Ein kurzes Fazit.

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Noch-Nachwuchssprecher Tony Stubenrauch beim Parlament



Das Nachwuchsparlament 2013 und insbesondere dessen Rahmen – freie Anfahrt, freier Eintritt zu den Buchtagen, freie Unterkunft in Berlin – sehe ich tatsächlich als eine der besten Förderungsmöglichkeiten für den Nachwuchs. Zum AKEP gab es ebenfalls einige Freikarten (auch wenn mir keine davon zuteil wurde) sowie vergünstigte Nachwuchs-Karten. Dieser Umstand veranlasste Steffen Meier, Hilkes Beitrag zu unserer Blogparade, der AKEP und andere  Einrichtungen der Branche seien schwer zu erreichen, mit den Worten zu kommentieren: „Einmischen und Mitmachen erfordert eben auch etwas Eigeninitiative!“

Design Thinking in der Anwendung: Meine Idee zu einem gamifizierten Nachrichenportal.
Design Thinking in der Anwendung: Meine Idee zu einem gamifizierten Nachrichenportal.

Das Rahmenprogramm stimmte ebenfalls: Eine Exkursion diente der Vernetzung im Branchennachwuchs. Ein Workshop bei der AG Generationenmanagement (ja, der Name ist eher wenig sexy) stellte die Methode des Design Thinking im Anwendungsfall vor. Und natürlich konnte man gute Gespräche führen, auch auf dem Mitgliederfest am Donnerstagabend in der Malzfabrik, wo sich auch zu älteren Leuten der Branche ungezwungen Kontakt aufnehmen ließ.

Jana Zawadzki und Lisa Maria Keil (von links)
© Monique Wüstenhagen
Quelle: Börsenblatt.net

Insgesamt hinterließ alles das Gefühl: Man interessiert sich für den Nachwuchs, und es tut sich was. Zum Beispiel auch in Form von Mentoring-Programmen (5 NWP-Teilnehmer bekamen einen etablierten Player zur Seite gestellt), Kräfteaustausch und dem Aufbau einer Nachwuchs-Blogroll. Und auch das Börsenblatt macht mit und stellt die Sonntagsfrage an die neue NWP-Doppelspitze Lisa Maria Keil (22, kein auffindbares Online-Profil) von Osiander und Jana Zawadzki (24) von der Mayerschen.

Positiv fand ich auch, dass ich viel mehr Studenten als noch vor zwei Jahren kennengelernt und erlebt habe. Damals war mein Eindruck, wie schon eingangs erwähnt, dass es vor allen Dingen um Azubis und ihre Probleme ging. Dieses Jahr waren die (ehemaligen) Studenten präsenter.

Und jetzt?

Die Frage bleibt, wie wir die Nachwuchsthemen aktuell halten und Themen integrieren, die man auf einer Nachwuchs-Veranstaltung des Arbeitgeberverbandes einer Branche eher nicht erwarten darf – also z.B. Bezahlung und Beschäftigungsbedingungen.

Crowdfunded Wettbewerb zur Zukunft des Urheberrechts

Netzpolitik berichtet über ein indiegogo-Projekt, das den Preis für den Gewinner eines Artikelwettbewerbs crowdfunded:

This is a contest for the best work about the future of copyright. The idea is simple:

  • You set the prize by supporting this project.

  • People submit their works for the contest. The deadline is 1st July 2013.

  • Independent jury consisting of Mike Linksvayer (part-time Senior Fellow at Creative Commons),  Joe McNamee (Executive Director od EDRi) and  Jérémie Zimmermann (spokesperson and co-founder of the La Quadrature du Net) and Jarosław Lipszyc (Modern Poland Foundation, contest organizer) chooses the winner. The decision will be announced on 24th July 2013.

  • The winner gets the prize. Society gets a number of fresh proposals that will help shaping up the copyright system of tomorrow.

Die entstehenden (oder zumindest die siegreichen) Publikationen werden danach online und frei zugänglich veröffentlicht.

Die "Neuen" – von Buchcamp zu Blogparade

Sie sind jung und engagiert – gebt ihnen einen gutbezahlten Job, sagen die einen. Wir können uns das nicht leisten, außerdem suchen wir sowieso Leute mit anderen Qualifikationen – sagen die anderen. Und schon sind wir wieder mitten im Grabenkampf. Geht das auch anders?

Intensiver Meinungsaustausch auf dem Buchcamp

Zeichnung von Nicole Lücking über die Session
Nicole Lücking (www.poasworld.de) über den Grundgedanken der Session.

Es geht um die Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche. Wie in meinem Buchcamp-Rückblick angekündigt, greife ich das Thema nochmal ausführlich auf. In der Buchcamp-Session des Buchbranchenbande-Teams ging es zuerst um die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich in diesem Gebiet. Grund für die Session war u.a., dass Kathrin und Karin eingeladen sind, auf dem Jahreskongress vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels über genau dieses Thema zu sprechen. Im Zuge der Vorbereitungen wollten sie ein breit gefächertes Meinungsspektrum einholen und haben das angesichts diskussionsoffener Teilnehmer auch bekommen. Ein Teil der Statements wurde auch als Videobotschaft mitgenommen.

Zu wenig Verantwortung? Zu viel Verantwortung?

Zeichnung von Nicole Lücking über die Session
Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat ein Statement der Diskussion festgehalten.

Aber worüber wurde denn jetzt genau geredet? Zum Beispiel darüber, dass es in Deutschland mit der grundsätzlichen Nachwuchsförderung gar nicht so schlecht aussieht (Stichwort Nachwuchsparlament), jedenfalls im Vergleich zu Österreich, wo es derartige Veranstaltungen überhaupt nicht gibt. Es gab aber auch harsche Kritik, nicht nur zum Thema Bezahlung, sondern auch dazu, dass der Nachwuchs oft wenig geschätzt wird, obwohl sein Digital-Können oft das seiner Kollegen klar übersteigt. Oder umgekehrt, dass allein aufgrund des Alters und privater Erfahrungen angenommen wird, dass man problemlos das Social Media schmeißen könne.

Immer mehr Wortmeldungen – und oft nicht positiv …

In den letzten Jahren ist ein Bewusstsein für die Arbeitsbedingungen der Einsteiger entstanden. Ich greife nur mal drei der letzten Artikel zu diesem Thema heraus:

Was auch immer man von den Artikeln halten mag, es ist wichtig, dass das Thema diskutiert wird. Denn wenn ich mit Einsteigern der Buchbranche spreche, merke ich, wie hoch der Gesprächsbedarf ist.

Blogparade zum Nachwuchs

Wir – Dennis und ich – wollen aber noch mehr Meinungen! Und starten zu diesem Zweck eine Blogparade mit dem Thema

Die „Neuen“ – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

Wir suchen ehrliche Beiträge – ob sachlich oder polemisch, ob wütend oder enthusiastisch, ob Analyse oder Erfahrungsbericht. Wichtig ist uns, dass sich alle zu Wort melden, der Nachwuchs ebenso wie die „Angekommenen“. Wir finden, dass bei diesem Thema oft zu wenig miteinander geredet wird und möchten mit dieser Blogparade ein Verständnis für die verschiedenen Positionen schaffen. Daher rufen wir auf, bis zum 9. Juni ganz viele Blogbeiträge zu diesem Thema zu schreiben und uns darüber zu informieren. Wer Inspiration braucht, kann sich gern an uns wenden, wir stellen dann unsere Liste mit den Artikelvorschlägen zur Verfügung. Wir freuen uns auf eure Beiträge! Übrigens: Manchmal funktionieren Trackbacks nicht, also hinterlasst uns doch bitte einen Kommentar, damit wir euren Artikel in die Sammlung aufnehmen können.

Bisherige Beiträge:

Und die Nachzügler:

Buchcamp 2013: Blick in die Glaskugel

Und auch dieses Jahr ist das Buchcamp fast wieder zu schnell vergangen – wie auch im letzten Jahr war es eine sehr entspannte Veranstaltung, die sich definitiv gelohnt hat. Ich gebe hier einen kurzen Rückblick auf alle Sessions, die ich besucht habe. [Zur Erklärung: Das „Buchcamp“ ist ein zweitägiges Barcamp für die Buchbranche, also eine offene Veranstaltung, bei der es Session zu den verschiedensten Themen gibt. Die Themen schlagen die Teilnehmer selbst vor und entscheiden sich dann kollektiv.]

Erste Session: Wie müsste der Börsenverein der Zukunft aussehen?

Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat den Brainwalk festgehalten.
Nicole Lücking (www.poasworld.de) hat den Brainwalk festgehalten.

Meine erste Session hat überhaupt keine Antworten gegeben, sondern im Gegenteil viele Fragen gestellt. Es ging um die Grundfrage, ob der Börsenverein in der heutigen Form noch zeitgemäß ist. Um das Thema besser zu greifen, einigte man sich auf einige Fragen, die im ganzen Raum ausgelegt wurden. Dann durften alle rumlaufen und ihre Gedanken aufs jeweilige Poster schreiben (Stichwort Brainwalk). Zur Auswertung und Diskussion der Ergebnisse blieb keine Zeit mehr, aber das soll in den nächsten Wochen und Monaten auf Facebook nochmal aufgegriffen werden. Fazit: Nicht ganz so toll, weil ich als Teilnehmer durch die fehlende Besprechung eigentlich nur wenig mitnehmen konnte.

Zweite Session: Social Media Publishing

Beim Social Media Publishing ging es um den Einfluss der sozialen Netzwerke auf Verlage; allerdings nicht nur Buch-, sondern auch Zeitungsverlage, was interessante Einblicke beschert hat. Später ging es noch um die Frage, wie effektiv Facebook-Anzeigen sind und welche Erfahrungen die Anwesenden mit „Langzeit-Folgen“ ihrer Anzeigen hatten. Fazit: Sympathische One-Man-Show!

Dritte Session: Crowdfunding in der Buchbranche

Bei der Crowdfunding-Session ging es um ein konkretes Konzept für ein Start-up. Die potenziellen Gründer (die freundlicherweise schon Interviewbereitschaft signalisiert haben, falls alles klappt) haben ihre Pläne vorgestellt, und bereits ab der zweiten Folie wurde lebhaft diskutiert. Fazit: Interessantes Thema + intensiver Dialog = sehr spannende Session.

Vierte Session: Zeitgemäßes Veranstaltungsdesign

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Stuhlkreis unter charmanter Moderation.

Die letzte Session des ersten Tages drehte sich um zeitgemäßes Veranstaltungsdesign und begann passenderweise mit einem Stuhlkreis. Durch Zuwerfen eines Gesprächsballs wurden zuerst Beispiele für gute Veranstaltungen gesammelt und im Anschluss Gründe, warum man eine Veranstaltung schlecht findet. Und zu guter Letzt durften wir alle selbst ans Werk und uns überlegen, wie die ideale Veranstaltung aussieht. Und auch wenn das Thema im ersten Moment altbekannt klingt, sind wir doch zu ein paar wichtigen Erkenntnissen gelangt. Zum Beispiel zu der, dass man immer einen Plan B haben sollte oder dass eine kleine Teilnehmergruppe immer besser ist als eine große, selbst wenn es sich „nur“ um einen Vortrag handelt. Fazit: Unterhaltsame Session, bei der wir innerhalb kurzer Zeit zu guten Ergebnissen gekommen sind.

Fünfte Session: Vorsicht eBook! Der Nachwuchs und das digitale Publizieren

Vorstellungsfolie Elena
Auch eBooks können ängstigen …

Meine fünfte Session zeichnete sich bereits durch die Größe des Referententeams aus, was aber kein Nachteil war. Im Gegenteil hatten die Damen, allesamt aus dem GRIN Verlag, und der Herr – Dennis Schmolk, die andere Hälfte dieses Blogs – genial-kreative Folien zur Vorstellung ihrer Personen entworfen (siehe die Präsentation von Elena im Bild links). Und dann gab’s interessante Einblicke in die Arbeit mit eBooks, bei der man zum Beispiel erfahren konnte, dass Titel und Klappentexte von eBooks SEO-optimiert werden. Fazit: Humorvoll und interessant.

Sechste Session: Anforderungen an Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

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Da das Wetter so toll war, fand die Session im Freien statt :-).

Zu dieser Session möchte ich noch nichts schreiben, weil ich in einem der folgenden Blog-Beiträge nochmal extra aufgreifen werde. Dafür dann umso ausführlicher.

 

 

 

 

"Lesen ohne Limit" – Verzichtet auf DRM!

eBookNews startet eine Blogparade zum Internationalen Tag gegen DRM. Das verdient Unterstützung – und einen Beitrag!

Digital Rights Management nervt. Der lästige Kopierschutz setzt dem elektronischen Leseerlebnis enge Grenzen. Jedes Buch, an jedem Ort, auf jedem Gerät? Das wäre schön. Doch leider bleibt das große Potential von E-Books bisher oft ungenutzt.

Stimmt. Nicht nur die inhaltlichen Innovationsmöglichkeiten von eBooks (Anreicherung, Dynamik, …) werden von Geräten, Software und nicht zuletzt den Programmverantwortlichen ungenutzt gelassen. Auch die rein formellen Chancen, die digitale Bücher bieten, bleiben außen vor. Umfassende Verfügbarkeit. Freiheit und Teilbarkeit der Inhalte. Beide Probleme rühren aus einer Quelle: Angst.

Warum? Weil viele Verlage, aber vor allem Autoren und Agenturen aus Angst vor Piraterie und Kopierbarkeit auf DRM, also den technischen Schutz der Verwertung ihrer Inhalte, bestehen. Das Grundproblem: DRM ist ein gewaltiger Hemmschuh (genau dafür ist es ja auch da) und bringt nichts.

DRM ist ein Problem für Kunden – zumindest für die ehrlichen

Dass DRM für massenweise Probleme sorgt, haben wir im Rahmen des protoTYPE-Projekts M@rtha ausführlich recherchiert. Denn: Kunden haben Probleme mit ADE (Adobe Digital Editions), der wesentlichen Software-Lösung für Buch-DRM. Die Software ist nicht komfortabel, sorgt für Supportbedarf und Frustrationen, behindert also sowohl die Verbreitung von eReading unter Lesern wie auch von Inhalten in sozialen Kanälen. Schon vor einem knappen Jahr habe ich in o.g. Artikel festgestellt:

Auch wenn die Aussage, dass 90% aller Supportfälle DRM-bezogen sind, sicher nicht auf alle Handelsstufen und Unternehmen zutrifft, liegt hier vieles im Argen.

DRM bestraft die Kunden, die Geld für Buchhandelsprodukte ausgeben, und hilft keinen Deut gegen die Praktiken von unehrlichen „Kunden“. Denn DRM-Maßnahmen, egal, ob im Kindle- oder iTunes-System verankert oder durch ADE aufgesetzt, lassen sich umgehen. Punkt. Dafür braucht man die kostenlose Software Calibre und ein paar Plugins – oder man lädt sich ganz einfach gleich bei einer der zahllosen illegalen Plattformen den „befreiten“ Content herunter, wie das der „Buchpirat“ Spiegelbest ausdrückt.

Es fehlen gute Angebote

Es ist dasselbe Problem wie bei TV-Serien: Es gibt keine vernünftigen Angebote. Bei Serien vermisse ich einen Streaming-Dienst, der mir die neuen Episoden Justified und Breaking Bad für 99ct liefert. Das wäre ich zu zahlen bereit. Aber ich will die Serien zeitgleich mit der US-Ausstrahlung sehen, auf Englisch, ohne Werbung und Restriktionen und nicht ein Jahr später, auf deutsch und auf RTL II oder als kompliziert zu entschlüsselnde Datei. Ich will meine eBooks in der Form, wann und wo ich will und ohne DRM, ich will Passagen teilen, Kopien für verschiedene Geräte und vielleicht auch eine Privatkopie für einen Freund anfertigen können. Kurz: Ich gebe gerne Geld für Inhalte aus, aber ich will auch vollwertige Inhalte und mindestens den Nutzungsumfang, den mir auch ein Printbuch bietet.

Mein Arbeitgeber, dotbooks, fährt im Übrigen nicht schlecht mit der Strategie, keinen Kopierschutz aufzusatteln – unsere Bücher sind DRM-frei, wo es geht. (Kindle und iTunes setzen natürlich ihr DRM auf – aber jeder goldene Käfig hat eben seinen Preis.)

Die Devise muss lauten: Kein DRM! Nirgends!

Feigheit? Zur Pseudo- und Anonymität in Online-Diskussionen

Inspiriert durch Kathrin Huemer von Buchbranchenbande möchte ich hier unter Pseudonym geäußerten Kommentaren nachspüren. Unsere Facebook-Diskussion darüber bezog sich auf die Kommentare unter Artikeln auf boersenblatt.net.

Gründe für die Pseudonymität

  • Man ist nicht in der Position, um offen seine Meinung äußern zu können. Das ist zwar schade und meines Erachtens könnte man es oft trotzdem tun, aber wenn man privat eine andere Meinung vertritt als in seiner beruflichen Position, wird es wirklich schwierig.
  • Man möchte eine extreme Meinung kundtun und unter Umständen sogar beleidigend auftreten. Kathrin meinte dazu:

Ich glaube, dass Kritik in einem anderen Ton geäußert würde, würden die Leute ihren Namen drunter setzen müssen. So ist das häufig im Stil von „Ewignörgler und Besserwisser“.

Folgen für die Diskussion

  • Man zweifelt sich gegenseitig an. Die anonymen Kommentatoren sind viel mehr als die anderen damit beschäftigt, herauszustellen, dass auch sie überBranchen-/Fachkenntnis verfügen. Was ganz schnell vom Thema ablenkt und auf eine „persönliche“ Ebene geht.
  • Unsachlichkeit: Im Falle eines Artikels zum Suhrkamp-Urteil bemühen sich die Kommentatoren nicht einmal um Sachlichkeit, sondern benutzen ihre Pseudonyme, um in Ruhe spotten zu können. Das erinnert dann eher an einen digitalen Stammtisch als an eine ernsthafte Branchendiskussion.
  • Im schlimmsten Fall: Unfreiwillige Komik. Sprechende Namen sind an sich nichts Schlechtes, aber wenn sich PR-Tante und PR-Onkel streiten und sich auch noch der Opa dazugesellt, fragt man sich früher oder später, wo man da gelandet ist.

Fazit

By Eagleal (Own work) [GFDL (https://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or FAL], via Wikimedia Commons
By Eagleal (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or FAL], via Wikimedia Commons
Meist ist es also für die Diskussion als solche destruktiv, dass Pseudonyme verwendet werden. Gelegentliches Lästern zum Spaß ist die eine Sache, aber eine andere Sache ist die, nicht den Mut zu haben, sich offen zu seiner Meinung zu bekennen. Das schwächt meist die Diskussion insgesamt, weil es ein Unterschied ist, ob man für eine Position viele reale Namen auf seiner Seite hat oder „nur“ Pseudonyme – unter letzteren kann jeder alles schreiben, was es oft schwierig macht, sie überhaupt ernst zu nehmen. Daher: Mut zur Meinung!

Bricht eine große Allianz die Marktmacht Amazons? (Skeptikergedanken)

Immer, wenn ich höre, dass es Kooperationen geben soll, die sich gegen die Vormacht Amazons im Buchhandel wenden, fallen mir zunächst zahllose Gründe ein, warum das nicht klappen wird. So auch diesmal, wenn lesen.net, PuPerspectives und andere melden, dass „Thalia und Weltbild/Hugendubel, die Deutsche Telekom sowie Bertelsmann […] zu einer gemeinsamen ‚E-Reading-Pressekonferenz‘ geladen“ haben.

Beispiele für meine Gegenargumente: Die kriegen das nicht hin. Die zerstreiten sich. Oder sie schätzen die Kundenbedürfnisse falsch ein und liefern irgend etwas, aber keine Rundum-Sorglos-Lösung wie Amazon. Oder es funktioniert wirtschaftlich nicht, weil niemand dort kauft. Oder es funktioniert technisch nicht.

Ich bin ausgesprochen skeptisch, was die ganze „Mega-Allianz“ betrifft, zumal weder Thalia (Oyo!), Hugendubel, Weltbild noch gar die deutsche Telekom in den letzten Jahren allzu viel Innovationspotenzial an den Tag gelegt haben. Aber ich bin gespannt auf die Präsentation kommenden Freitag und hoffe, eines Besseren belehrt zu werden. Der Markt verträgt Abwechslung und Konkurrenz – mindestens, um dem Kunden hinterher ein noch besseres Amazon zu bieten …

My two cents zu protoTYPE

Bei Quo Vadis hat Robert Goldschmidt ein Interview mit Martin Fröhlich zu protoTYPE, Lehraufträgen, Innovation und Startups geführt. Aber ich hole etwas weiter aus: Es ist knapp ein Jahr her, dass ich mich mit Steffen Meier, Ariane Hesse, Carina Waldmann, Luise Schitteck und dem Initiator Nikolai Eckerlein um einen Tisch auf der Leipziger Buchmesse setzte und wir begannen, m@rtha zu entwerfen. m@rtha sollte eine Plattform werden, die Sortimentern, Verlagsmitarbeitern, Dienstleistern und Geräteherstellern hilft, guten Support für eReader und eBooks zu liefern. Soweit die Kurzform, Genaueres gibt es im protoTYPE-Blog.

In einigen Wochen startet nun die zweite Runde protoTYPE, wieder mitinitiiert von PaperC und damit auch Martin Fröhlich. Mit im Paket waren einige Lehrveranstaltungen an Hochschule, von denen Martin berichtet. Aber er geht auch auf die Zukunft von protoTYPE ein:

Wie ist dein aktuelles Verhältnis zu protoTYPE?

Ich unterstützte weiterhin protoTYPE voll und ganz. Der Börsenverein baut daraus nun ein Netzwerk, was ich befürworte und unterstütze. Meine Prio 1 ist immer noch PaperC und jetzt paperc.com. Ich werde mir das Projekt weiter anschauen und man wird sehen, was in der zweiten Stufe, aus protoTYPE 2013 heraus, entwickelt wird. Ich habe meine Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge bereits dazu abgegeben.
Ursprünglich ist protoTYPE während der Leipziger Buchmesse 2012 gestartet, jetzt kommt die zweite Runde 2013 und es wird einiges verbessert. Wir sind gespannt, wohin die Reise geht.

Das bin ich auch. Ich hoffe, dass die zweite Runde für die Teilnehmer ebenso spannend und interessant wird, wie es die erste für mich war. Ich hoffe aber auch, dass neben gestärkten Netzwerken und Freundschaften noch mehr entsteht. Unser Projekt wurde Ende Januar, also ein Vierteljahr nach dem unspektakulären Abschluss, nochmal von Steffen und Luise in Frankfurt beim Börsenverein vorgestellt. Ich bin ansonsten etwas enttäuscht gewesen, wie pt12 endete, habe diesbezüglich aber schon Feedback gegeben. Ich hätte mir einen gemeinsamen Ausklang mit den anderen Teilnehmern gewünscht, aber nach den Abschlusspräsentationen auf der FBM12 kam es dazu leider nicht mehr. Ich hoffe, dass das für protoTYPE 2013 etwas „runder“ läuft und die Projekte nicht mehr so gefährdet sind, im Sande zu verlaufen, wie bei pt12. Vielleicht ist die Aufgabe von pt13, Routinen und Prozesse zu entwickeln, wie die guten Ideen im Nachhinein verfolgt werden können, auch wenn sich nicht zufällig ein Entrepreneur im Team befindet, der die Umsetzung durchpeitscht.

Ansonsten: Zum Networken und Ideensammeln war es ein unübertroffenes Erlebnis, also macht mit!

The same procedure …

Zum Jahresabschluss finden sich überall Prophetien, Rückblicke und Zusammenfassungen. Wir haben uns für einen ganz knappen Rückblick entschieden und listen unsere Top 3 der Aufreger der Buchbranche auf:

  1. Self-Publishing: Self-Publisher tun niemandem weh. Noch nicht. Eventuell werden sie es in Zukunft, aber solange Verlage an guten Beziehungen zu ihren Autoren arbeiten, wird es sich um Ausnahmeerscheinungen handeln.
  2. E-Books: Tun auch niemandem weh. Entwickeln sich aber langsam zu einer ernst zu nehmenden Größe, die man gedanklich wie real einkalkulieren sollte. Und zwar schleunigst. 
  3. Online-Konkurrenz: Der eigentliche Aufreger ist, dass es sich noch um einen Aufreger handelt – aber bestädig jammert das Sortiment darüber, dass insbesondere ein großer Player mit großem A im Namen das Geschäft verdirbt. Man könnte sich – wie überall – natürlich auch mit den Realitäten arrangieren und zusehen, dass man sein Geschäftsfeld erweitert. Und das geht (jedenfalls langfristig) nicht allein dadurch, dass man überteuerte DVDs ins Sortiment aufnimmt.

Die Aufstellung ist natürlich rein subjektiv, weswegen wir uns freuen, in den Kommentaren von euren Aufregungen und Erfolgsgeschichten zu hören – es kann ja nicht immer nur Negatives geben. Für einen ebenfalls knappen, thesenartigen Ausblick gerade fürs digitale Geschäft mit digitalen Produkten empfehlen wir die fünf „Predictions“ in der Digital Book World. Von DRM bis zum Startup-Sterben ist alles dabei!

Quelle: Aka @ Wikimedia Commons

In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern ein gutes Rüberrutschen nach 2013. Wir bloggen nun in dieser Konstellation seit knapp einem Jahr und sind recht zufrieden mit den Zugriffszahlen und auch mit unserem „Content-Output“, wünschen uns für das neue Jahr aber mehr Diskussionen. Wir sind zuversichtlich, dass auch 2013 spannend wird und genügend Anlass zum Reden und Streiten geben wird. Wir freuen uns auf die Entwicklung der Branche – was immer da kommen mag!