Was den Vielleser bewegt: Eine LovelyBooks-Studie

Knapp 2300 Leute („Vielleser“) haben bei einer Umfrage des Literaturportals LovelyBooks teilgenommen. Mich überraschen die Ergebnisse im Wesentlichen nicht: Demographisch handelt es sich um eine Schnittmenge zwischen Online-Usern und Offline-Viellesern, gepaart mit dem krassen weiblichen Überhang weiblicher Nutzer.

Die Teilnehmer lesen viel, kaufen viel, empfehlen viel. Daraus folgen auch die Empfehlungen am Ende der Studie, u.a.:

Fördern Sie die Empfehlung Ihrer Bücher und Autoren. Zeigen Sie, dass Ihnen die Meinung der Leser eine Herzensangelegenheit ist. Bringen Sie gemeinsam mit Ihren Buchbotschaftern die Word-of-Mouth-Lawine ins Rollen!

Das ist definitiv richtig – aber die Studie schwächelt an dem Punkt, an dem sie die Effekte der Empfehlungen außerhalb der (in meinen Augen eher geschlossenen) Community sichtbar machen müsste. Das tut sie nämlich nicht, es wäre auch ein etwas zu ambitioniertes Ziel: die Wirksamkeit eines Werbekanals nachzuweisen. Immerhin für die Teilnehmer selbst sind Word-of-Mouth-Kanäle als wichtig nachgewiesen:

Für 69% der Befragten sind sowohl Bewertungen als auch Rezensionen von anderen Lesern beim Buchkauf ein wichtiger Entscheidungsfaktor.
Für 42% der Befragten sind Leserrezensionen und für 38% sind Leserbewertungen „sehr wichtig“ beim Buchkauf.

Kickstarter-Infographik: Die Erfolglosen

Überraschend für mich: 12% aller Projekte kriegen nie auch nur einen Dollar gepledged. Das sind die, die Kickstarter vor uns versteckt. Insgesamt verschwinden 56% aller Projekte in der Schublade: Die werden nämlich nie erfolgreich gefunded.

Lektoratserfahrungen (I): Das gute alte MS Word

Mit den Lektoratserfahrungen möchte ich die Leser ein wenig an meiner Tagesbeschäftigung, dem Lektorieren von eBooks bei dotbooks, teilhaben lassen, wenn mir schon die Zeit fehlt, hier wieder für umfassenderen Content zu sorgen.

Ich glaube, ich schreibe demnächst einen Ratgeber für angehende Lektoren. Die erste Zeit im Verlag hat mich schon diverse kleine Griffe und Kniffe gelehrt – kein Wunder, wenn man mit einer Software wie MS Word arbeiten muss.

Dazu gibt es nach aktuellem Stand wohl keine wirkliche Alternative, wenn es um die Erstellung von ePubs geht. Eine besonders mächtige Funktion: Suchen & Ersetzen. Ich hatte nicht erwartet, dass sich damit auch allerlei Formatierungsbefehle komfortabel handhaben lassen. Die Erkenntnis, dass man Zeilenumbrüche, geschützte Leerzeichen etc. pp. finden und direkt automatisiert editieren kann, spart eine Menge Zeit. Die Suche verfügt auch über eine regelrechte Syntax mit Wildcards und komplexen Ausdrücken. Wie immer ist hier natürlich Vorsicht geboten (zumal die Software häufig genug merkwürdige Dinge tut) – aber wofür gibt es die wichtigste Word-Funktion: „Rückgängig machen“.

Eine gute Funktionsübersicht der Suche findet sich übrigens z.B. bei der Uni Köln.

Ein knapper Rückblick aufs Jahrestreffen der Jungen Verlagsmenschen

Das Jahrestreffen der Jungen Verlagsmenschen bei CPI in Ulm war spannend. Nicht nur, weil wir beim Verlassen des Geländes nach einigen Fläschchen Oxx eine wohl Rowling-begründete Sicherheitsprozedur über uns ergehen lassen mussten. Wegen des Eröffnungsvortrags von Sebastian Stude, der vor allem auf Sascha Lobos „Allgemeine Feststellungen“ Bezug nahm, die zur Gründung von sobooks führten.

Natürlich auch wegen des Programms (u.a. ein spannender Vortrag von @MiriamHofheinz über eBooks, der sich allerdings vorrangig an Einsteiger in die Materie richtete). Und wegen einer begrüßenswerten Entscheidung: Die bislang ziemlich unübersichtliche Website beim Börsenblatt soll generalsaniert werden. Das ist dringend nötig, denn bislang ist man über Facebook deutlich besser informiert als über die Website.

Am spannendsten waren aber natürlich die Gespräche beim Essen und in den obligatorischen Raucherpausen – Gespräche mit alten und neuen Bekannten, über alte Leidenschaften (Papier!) und neue Märkte. Mein persönliches Fazit: Eine nette kleine Veranstaltung, deren geplante Neuauflage ich gern wieder besuchen werde.

Crowdfunding auf der Buchmesse

Storydrive auf der Buchmesse macht in Crowdfunding:

Jetzt mitmachen beim StoryDrive Crowdfunding-Wettbewerb

Bewerben können sich junge Medienschaffende, die ein Buchmanuskript, eine Webserie, ein Konzept für einen Langfilm, ein Videospiel oder, oder, oder… in der Schublade haben. Interessierte Teilnehmer können sich vom 3. bis zum 20. September 2012 unterwww.buchmesse.de/crowdfunding registrieren. Parallel dazu laden Teilnehmer ihre Projekte auf einer der drei beteiligten Crowdfunding-Plattformen hoch (www.symbid.nl,www.startnext.dewww.ulule.com), um dort vorab mit potentiellen Förderern in Kontakt zu kommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Teilnahmeberechtigt sind Medienschaffende bis 45 Jahre aus den Bereichen Buch, Film und Games. Bevorzugt behandelt werden Projekte mit einem cross- oder transmedialen Ansatz. Der Plot sollte unterschiedliche Medienformate einbeziehen und interaktive Elemente beinhalten. Neben einer kurzen Synopsis können Visuals, Storyboards und Fotos eingereicht werden.

Warum man einen Wettbewerb für Crowdfunding braucht, ist mir noch nicht ganz klar, aber ich bin gespannt!

(via KrautPublishers)

Joe Konrath über eBooks für Bibliotheken

Joe geht in seinem Blog auf die Konditionen ein, die er für eBook-Verkäufe an Bibliotheken anbietet:

1. Ebooks are $3.99

2. No DRM.

3. The library only needs to buy one ebook of a title, and then they can make as many copies as they need for all of their patrons and all of their branches.

4. The library owns the rights to use that ebook forever.

5. The library can use it an any format they need; mobi, epub, pdf, lit, etc. And when new formats arise, they’re’re free to convert it to the new format.

Und in einem sehr interessanten Q&A-Teil geht er auf eventuelle Gegenargumente ein. Ein Auszug:

Q: Joe, that’s insane! You’re only charging $3.99 an ebook? That ebook can be read thousands of times!

A: Good. I hope it is.

[…]

Q: But what about piracy!

A: As I’ve said many times, I’m okay with file sharing. That’s why none of my self-pubbed ebooks have DRM. There’s no fighting piracy. But you can still make a nice living by making your work easily available and affordable.

Das Projekt wird mit einer texanischen Bibliothek nun ausprobiert. Man darf auf die Resultate gespannt sein!

Transmedia Storytelling im Nachwuchs- und im Buchmesseblog

Eine spannende Reihe im Buchmesseblog, gepflegt von Studenten (und Dozenten) der Mainzer Buchwissenschaft, stellt Transmedia Storytelling in einigen Artikeln vor. Und im Nachwuchsblog liefert Alexandra Strohmeier einen Überblick. Sie fasst den Grundgedanken gut zusammen:

Bücher eröffnen Welten, warum sollten diese Welten also nicht weitergetragen, ausgefüllt, entwickelt und bereichert werden. Mehr noch, die Welten können schon während der Entstehung verschmelzen oder durch ihre Verknüpfung Geschichten erst hervorbringen.

Die einzelnen Beiträge sind lesenswert, etwa die Einführung, die anhand des Batman-Universums die Idee transmedialen Erzählens ausführt – besonders aber die beiden Artikel über EVE Online und Guild Wars.

пончик @ Wikimedia Commons

Und ferbe beschäftigt sich mit einem weniger bekannten (und irgendwie gescheiterten) Vorläufer der heutigen transmedialen Erlebniswelten: Dem Matrix-Kosmos.

Größtes Problem an dem ganzen Projekt: nur Wenige, die den Film gesehen haben, wussten überhaupt, dass man über die Kurzfilme und Computerspiele tiefer in diese Welt eintauchen konnte. So verwundert es schlussendlich auch nicht, wenn keiner verstanden hat, warum zum Beispiel einfach Leute quasi aus der Luft fallen und den Helden bei ihrer Mission helfen. Nur diejenigen, die vorher das Computerspiel gespielt hatten, also die zwei Nebencharaktere die genau in der Szene auftauchten, verstanden den Zusammenhang. Ob es letzten Endes nun an zu wenig Werbung gelegen hat oder einfach nur daran, dass die Spiele nie so ankamen wie geplant: Fakt ist, dass das Ganze als Transmedia Storytelling-Projekt schief ging.

Und jetzt? Jetzt bin ich gespannt auf das, was die Buchmesse bringt, was weiße Kaninchen flüstern, und welche spannenden Projekte die Verlage (und ihre Agenturen) bereithalten. Egal, ob sie unter dem Buzzword Transmedia Storytelling oder Experience laufen. Worauf es ankommt, wie schon immer im Verlagswesen wie auch im Marketing: Erzählt Geschichten!

Content Curation: Creating the Perfect Content Marketing Mix (Infographik)

Besonders spannend: Die Zahlen, die zeigen, dass zweitäglich mehr Information in die Welt geschickt wird, als in der ganzen Menschheitsgeschichte bis 2003. Stichwort: Aufmerksamkeitsökonomie. Dass gutes Marketing da essentiell ist, sollte man eigentlich nicht betonen müssen …

Content Curation: Creating the Perfect Content Marketing Mix

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PaperC zur eBook-Flatrate

Katja Splichal ist bei meinstartup.de im Interview und berichtet von PaperCs Crowfinvest-Bemühungen, den Relaunch der Plattform – und die Notwendigkeit attraktiver Angebote, um urheberrechtswidrigen Download-Plattformen wirkungsvoll zu begegnen:

Wie konntet ihr die angeschlossenen Verlage davon überzeugen, bei diesem innovativen Modell mitzumachen?
Der Grad der Aufgeschlossenheit hängt, so denken wir, mit dem Grad der Bedrohung durch illegale Angebote zusammen: ein Verlag, der zum Leidwesen der Umsätze 80% seiner eBooks (oder mehr) in bester Qualität kostenfrei im Netz finden kann, hat großes Interesse daran, potentiellen Kunden das Geldausgeben so einfach wie möglich zu machen: Nutzer sind ja bereit zu zahlen, wenn das Angebot stimmt/überhaupt erst einmal vorhanden ist!