Alles wie immer [Halbadventskalender]

Und noch ein Redaktionsmitglied beteiligt sich beim halben Adventskalender. Hanna Hartberger stellt ihre Vision eines Weihnachtsfests in 10 Jahren vor.

Ich denke – vielleicht ist es auch eine Art von Hoffnung -, dass Vieles flüssiger laufen wird. Zumindest die technischen Voraussetzungen werden dafür sorgen, dass die Planung des Weihnachtsfests und der dazu gehörenden Feierlichkeiten einfacher ablaufen. Schon allein dadurch, dass wir weniger physisches Gepäck brauchen, weil alle wichtigen Daten in der Cloud sind und die Zahl der technischen Geräte extrem reduziert wurde. Dadurch sind wir auch flexibler, was reale Präsenz angeht.

Insgesamt wird sich Weihnachten jedoch nicht grundlegend verändern – die technischen Geräte werden nach wie vor von Menschen bedient, die ein klares Bild im Kopf haben, wie ein Weihnachtsfest aussehen soll, und wenn es noch so traditionell ist. Insbesondere ist es nach wie vor eine „Zusammenarbeit“ verschiedener Generationen: Selbst wenn sich der Nachwuchs innerhalb kürzester Zeit per Doodle über den Ablauf verständigt hat, muss trotzdem noch jemand zum Telefon greifen, um der Großmutter von den Plänen zu erzählen.

gänseblümchen / pixelio.de

Ich werde das nach wie vor ein bisschen schade finden, da ich der Meinung bin, dass langwierige Planungen lediglich für Missstimmung bei allen sorgen und man die Energie lieber auf das Fest direkt richten sollte. Aber ich weiß auch, dass das Hin und Her für viele irgendwie dazugehört, weshalb ich mich wie seit einigen Jahren an Plätzchen und Glühwein halten und das Chaos mit Fassung tragen werde.

 

 

Ein ganz normales Silvester 2023? [Halbadventskalender]

Herzlichen Dank an André Pleintinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Buchwissenschaft an der FAU Erlangen-Nürnberg, der sich anlässlich unseres halben Adventskalenders Gedanken über Silvester im Jahr 2023 gemacht hat.

Sara Hegewald / pixelio.de

Die Stimmung steigt! Schön, alte Freunde wiederzusehen. Ich bin gerade auf einer Silvesterparty in Asunción, Paraguay. Alle sind da: Ramón, Esther, Giancarlo, Juan, Reggie … Ein richtiges „Klassentreffen“ aus meiner Zeit als Praktikant am Goethe-Institut in Rothenburg ob der Tauber, 2004 war das. Wir singen die alten Lieder, mein mexikanischer Freund klampft auf seiner Gitarre dazu, der Tequila darf natürlich nicht fehlen. Ich seh auf die Uhr, verdammt, nun aber weiter! Ein kurzer Abstecher zu den alten Kollegen im Verlag dürfte auf alle Fälle noch drin sein. Was für ein Kontrastprogramm! Glühwein, warmer Leberkäse, Plätzchen und Mandarinen. Aus dem „CD-Player“ schallt es noch recht weihnachtlich: Chris Rea und George Michael lassen grüßen. Wir lachen über die alten Anekdoten, als wir noch Print-Bücher gemacht haben. Schöne alte Welt! So, jetzt aber ab nach Regensburg, den Silvesterabend ausklingen lassen. Natürlich mit den ehemaligen Kommilitonen Steffi, Tanja, Martin, Mike, Rainer … Ich kann sie gar nicht alle zählen. Auch der Anhang ist inzwischen dabei, wie schön! In der No 7 Bar brennt die Luft! Der gleiche DJ wie vor einer halben Ewigkeit, die Red Hot Chili Peppers waren 2003 schon nicht zu schlagen! Wir liegen uns alle in den Armen und verabschieden uns zu „Easy“ von Faith No More, so muss ein gelungener Silvesterabend enden.

Zeit zu gehen: Ich nehme meine Hologramm-Brille (Silvester-Special bei Amazon!) vom Kopf, gehe zum Kühlschrank und mache mir ein letztes Augustiner auf – kühl, flüssig, echt. Auch haptisch liegt die Flasche gut in der Hand. Meine Frau öffnet die Augen und lächelt mich an, sie hat den Jahreswechsel in Argentinien verbracht. Zusammen genießen wir die realen Stunden auf der Couch und erzählen uns von unseren Erlebnissen und unseren Bekannten. Silvester 2024 feiern wir mal wieder zusammen, beschließen wir.

Weihnachten 2022 wird etwas ganz Besonderes … [Halbadventskalender]

Rhea Martin, Buchwissenschaftlerin, freie Lektorin, Texterin, hat sich ebenfalls unserem halben Adventskalender angenommen. Vielen Dank dafür!

… denn meine Familie und ich haben uns schon 5 Jahre nicht mehr gesehen. Da wir mit den verschiedensten bildfähigen Geräten sowieso immer online sind und unsere Freunde und Familie sich in unser Leben „einwählen“ können, ist es nicht mehr notwendig sich zu treffen. Außerdem habe ich auch gar keine Zeit, seit ich wie alle in anderen auch 14 Stunden am Tag arbeite. (Doch dafür ist das Rentenalter auch wieder auf 72 Jahre heruntergesetzt worden.)

Harald Wanetschka / pixelio.de

Geschenke sind eigentlich nicht mehr notwendig, da sich jeder alles und sofort mit einem Klick kauft. Das Konzept sich etwas zu wünschen ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Eigentlich. Denn wie in den letzten Jahren die Seniorenhandys sind die „Offline-Kärtchen“ der absolute Renner an Weihnachten. Damit kann man alle seine internetfähigen Geräte für drei Stunden, einen Tag oder eine Woche ausschalten, und das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Dazu gibt’s ein Survival-Buch, wie man damit zurecht kommt und wo man – zugegebenermaßen spärliche – Informationen offline findet, herausgegeben vom größten und naja, auch einzigen Verlagskonzern Google.

Wir essen und diskutieren, singen und gehen spazieren – und Weihnachten ist im Grunde so schön wie eh und je.

Verspielte Weihnachten [Halbadventskalender]

Wir bedanken uns herzlich bei Sabrina Kurtz, Marketingassistentin beim Kommunal- und Schul-Verlag und Weggefährtin im Buchwissenschaftsstudium, fürs Mitmachen bei unserem halben Adventskalender.

Weihnachtszeit ist Familienzeit – für zehn Tage werden bei mir die meisten technischen Kommunikationsmittel ausgeschaltet. Einzig und allein mein Telefon darf mir noch nette Weihnachtsgrüße von meinen in ganz Deutschland verteilten Freunden überbringen.

von Manuel Strehl

Beim Stichwort Familie fällt mir für das Weihnachtsfest 2022 als Erstes ein, dass dann, mit großer Wahrscheinlichkeit, die nächste Generation meiner Familie mit leuchtenden Augen auf den Weihnachtsbaum schauen, sich durch ein paar mühsam gelernte Weihnachtslieder auf Flöte/Klavier/Gitarre quälen wird und mit Spannung die Bescherung erwartet.

Als ehemalige Buchhändlerin und gegenwärtige Verlagsangestellte werde ich wohl nach wie vor dem Buch als Geschenk treu bleiben. Ich persönlich bin dabei sehr gespannt auf die Entwicklung von Lese-Apps und E-Books für Kinder. Momentan scheinen die meisten Entwickler noch der These anzuhängen, möglichst viel in eine App zu packen. Die meisten Produkte erinnern mich daher an eine chaotische, kaum durchdachte Kombination aus Hörbuch, Computerspiel, Comicbuch und Animationsfilmchen. Die kindliche Aufmerksamkeit wird durch ein Übermaß an Informationen gefesselt, und dem jungen Leser wird die Möglichkeit verwehrt, zu lernen und sich über einen längeren Zeitraum mit einer einzigen Sache zu beschäftigen. Wie bei vielen anderen Medien gilt auch hier – nur weil alles möglich ist, ist es noch lange nicht sinnvoll.

Natürlich eignen sich E-Books mit vor sich hin blinkenden und wackelnden Elementen sicher nicht dafür, Kinder am Ende eines spannenden neuen Tages zur Ruhe kommen zu lassen und ihnen beim Einschlafen zu helfen. Sie können jedoch eine wertvolle Hilfe beim Lesen lernen oder bei der Veranschaulichung von Sachbüchern sein. Damit bringe ich dann hoffentlich auch die angeblich so lesefaulen Jungen zum Buch.

 

Wir verschenken "Erlebniswelten" [Halbadventskalender]

Zu unserem Halbadventskalender soll natürlich auch ein Beitrag eines Redaktionsmitglieds nicht fehlen. Daher antwortet heute Dennis Schmolk!

Heute nennen wir es „Transmedia Storytelling“, „Experience“ oder „Erlebniswelt“, ich bezeichne es auch gern als „Erzählkosmos“: Verknüpfte Medien, die erlauben, eine Story überall, durch verschiedene Kanäle, jederzeit, vielleicht interaktiv, vielleicht nichtlinear, teilweise oder vollständig zu erleben.

Collage zum ARG zu „The Dark Knight“, Quelle: cracked.com

Bislang wurden ARGs, die bekanntese Spielart transmedialen Erzählens, vor allem als Marketinginstrumente (oder Kampagnen) verwendet. Projekte wie The Miracle Mile Paradox etwa zeigen aber, dass ARGs auch als Produkte denkbar sind (und es zumindest eine gewisse Nachfrage gibt). 2022 schenken wir nicht einfach Bücher, Filme, Games, Serien – wir verschenken mediale Erlebnisse, die sich nicht mehr auf einen Kanal oder eine Story beschränken.

Vielleicht verschenken wir den Zugang zu endlosen Spielwelten, zu komplexen Text-Kosmen, interaktiven Filmreihen. Tickets in eine völlig andere Welt, die als Ganzes erfahren werden und nicht mehr nur partiell durch einzelne Medien. In denen man verweilen kann, solange man möchte, ohne repetitiv immer Ähnliches zu tun (wie bei Endlos-Welten a la WoW), in denen man andere Leute trifft, fremde und bekannte, und sich am besten auch noch mit Welten beschäftigt, die man liebt. SIgn me up for Discworld! Sign me up for Zamonien!

Nur bei einem bin ich mir recht sicher: Wir werden bis dahin einen vernünftigen Begriff für die Erzählkosmen haben. Und auch für deren Rezipienten, den man heute vielleicht am besten als „Erleber“ bezeichnet.

An Old School Christmas [Halbadventskalender]

Beate Kuckertz, Verlegerin von dotbooks und Dennis‘ Chefin, danken wir für die Antwort auf unsere Halbadventskalender-Frage!

Das wird sicher ein komplett anderes Fest als in diesem Jahr …

Meine Eltern werden wohl nicht mehr leben, mein Neffe, der sich heute noch über Playmobil-Figuren freut, wird in zehn Jahren komplett andere Interessen haben, aber alles in allem wünsche ich mir, dass Weihnachten ein Fest bleiben wird, an dem sich meine Freunde und Verwandten treffen, miteinander kochen, essen, trinken und Zeit verbringen, sich die schönen und traurigen Geschichten des vergangenes Jahres erzählen und die Wünsche für das kommende anvertrauen. Das wäre dann auch in zehn Jahren noch das Weihnachten, das ich gern feiere.

Vielleicht wird’s ja Wirklichkeit …

 

Weihnachten 2022 wird smart [Halbadventskalender]

Wir bedanken uns herzlich bei Claudia Gesswein, beim Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus zuständig für Presse und Vertrieb, für die Teilnahme bei unserem halben Adventskalender.

Schon heute kommen wir in den Genuss von Smartphones und Smart-TV-Geräten. In 10 Jahren werden diese Multifunktionsgeräte jedoch fest zum Alltag dazugehören. Für jeden Konsumenten werden dann Smartphone, Smart-TV und mobiles Shopping nicht mehr wegzudenken sein.

von © Ra Boe / Wikipedia

Mit der Verbreitung mobiler Endgeräte wird sich aber nicht nur der Alltag, sondern auch das Weihnachtsfest wandeln. So wird sich der Konsument 2022 in einer wahren SmartShopping-Erlebniswelt wiederfinden, in der er den Weihnachtsbaum inklusive Baumschmuck und Lichterkette bestellt, die Geschenke verpacken und auf den Weg bringen lässt und sämtliche Weihnachtsgrüße verschickt. Schnell vor dem Fest wird dann noch ein Weihnachtsfilm auf den SmartTV geladen und der aktuelle Weihnachtshit über das Smartphone gekauft. SmartChristmas eben!

Aber auch 2022 wird der Moment kommen, in dem die Familie am Weihnachtsabend um den Weihnachtsbaum versammelt ist und das Smartphone auf lautlos gestellt im Nebenzimmer weilt. Es ist zumindest zu hoffen.

Virtuelle Umarmungen [Halbadventskalender]

Vielen Dank an Stefanie Maucher, Multitalent, Lebenskünstlerin und Autorin, für ihre Antwort auf unsere Adventskalenderfrage!

Ich hoffe natürlich, auch 2022 das Fest der Liebe im Kreis meiner Familie feiern zu können. Aber man weiß ja nie was kommt. Bis dahin sind die Kinder groß, mit ihrem eigenen Leben beschäftigt und die Technik ist bestimmt noch fortgeschrittener als heute. Vor 10 Jahren war ein Video-Telefon (fast) noch Utopie, doch vielleicht hört sich die Ausrede 2022 schon so an: „Mensch Mama, es reicht doch, wenn wir holofonieren!“

Mein Lebensgefährte wird ahnen, dass ich das anders sehe und tröstender Weise Unsummen für mein Geschenk ausgeben. Unterm umweltfreundlichen Plastikbaum finde ich dann den neuen Datenanzug fürs Holofon, mit dem man ein echtes Shake-Hands oder sogar eine Umarmung simulieren kann. Die früher obligatorisch unterm Baum liegenden Bücher verschicke ich direkt an die Reader der Beschenkten. Ein paar Kredits in einer mir heute noch unbekannten Währung werde ich wohl auch mitschicken.

Nur eins, da bin ich mir ganz sicher, wird sich nicht ändern: Wann immer ich in der Weihnachtszeit das Radio einschalte, wird daraus „Last Christmas“ von Wham erklingen. Und wer weiß, wenn das läuft und der Datenanzug anfängt zu kribbeln und drücken, vielleicht ist es dann fast wieder wie früher …


Wham! — Last Christmas – MyVideo

10 Jahre sind gar keine so lange Zeit. 10 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit. [Halbadventskalender]

Danke an Luise Schitteck, Buchhändlerin, für die Antwort auf unsere Adventskalenderfrage!

2022 gibt es in der Adventszeit keine Kalender mehr zu kaufen, die sind bereits Ende September ausverkauft.

Während die Konsumtempel immer wildere Weihnachtsthemen erfinden („Weihnachten bei den Maya“ drängt sich im Weltuntergang-Jubiläumsjahr 2022 ja förmlich auf) und immer früher damit beginnen, diese unter die Leute zu bringen, wird das private Weihnachten bescheidener, besinnlicher.

Weihnachten 1992.

Da die Geschäfte das ganze Jahr hindurch 24/7 geöffnet haben, ist es ein Highlight, dass in den Adventswochen die Läden wie früher, „in der guten alten Zeit“, bereits um 20:00 schliessen und ausnahmsweise mal alle einen ruhigen Abend auf dem Weihnachtsmarkt (äh ja, die müssen immer noch länger arbeiten, sorry) oder zu Haus in der warmen Stube verbringen. Diejenigen, die nicht in der Nähe und physisch greifbar sind, werden dabei über Videotelefonie eingebunden, gerne auch in einer Konferenzschaltung durch mehrere Wohnzimmer hindurch.

Und vielleicht sieht man sich gemeinsam einen Film an. „Scrooged“ ist zu einem Weihnachtskultfilm durch alle Alterklassen geworden und wird gleichberechtigt neben „It’s a wonderful life“ von den Streaming-Diensten beworben. Und Eines wird sich auch in zehn Jahren natürlich nicht geändert haben, im medialen wie im richtigen Leben: Früher war mehr Lametta!

Weihnachten in 3D [Halbadventskalender]

Den Auftakt unseres halben Adventskalenders macht Robert Goldschmidt, gelernter Buchhändler, Verlagsmensch, Buchwissenschaftler und Blogger.

Die Suche nach Geschenken wird jedes Jahr schwieriger, da man bereits alles hat, was man zum Leben braucht. Schaut man sich die Gaben unter dem Weihnachtsbaum an, so finden wir dort ausschließlich Luxusgüter. In Zukunft werden wir also mehr und mehr Energie darauf verwenden DAS einmalige, kreative und ausgefallene Geschenk zu finden. 2022 haben wir jedoch das Glück mit 3D-Druckern jedes beliebige Produkt selbst herzustellen. Wir müssen uns nur noch die Ideen besorgen.

Created by JBFromOZ

Diese werden kostenfrei über Internet-Tauschbörsen wie Thingiverse und TPB gehandelt und einfach heruntergeladen. Eine spezielle Software wird es uns ermöglichen das Modell am Tablet nachzubearbeiten und zu individualisieren. Das größte Problem werden wir dann lediglich mit unseren Frauen haben, denen der selbst kreierte Schmuck nicht gefällt. In gewisser Weise bleibt also doch alles irgendwie beim Alten.