Ich will mehr Bücher mit Mäusen und anderen Leckereien [Adventskalender]

Ich hatte ja gehofft, dass Luise diesen Beitrag für mich schreibt. Die hat mehr mit der Branche zu tun als ich.
Aber sie hat gesagt, sie hat letztes Jahr schon was geschrieben und will die Leute nicht langweilen. Außerdem hat sie keine Zeit, hat sie gesagt. Und wenn ich Dennis verspreche, etwas zu schreiben, dann müsse ich das auch halten. Hat sie gesagt.
Sie redet viel, wenn der Tag lang ist. Und ist eigentlich auch nie so richtig an meiner Meinung zum Branchengeschehen interessiert. Vielleicht kann ich ja mit Dennis in Köln ’ne WG gründen.

Wenn ich mir etwas vom Buchbranchen-Christkind wünschen darf, dann wäre ich für geschmackvollere Bücher.
Wildragout, Kaninchenleber, Pecorino. So in diese Richtung. Das ist ja schließlich grad DAS Thema, um die Digitalisierung zu überleben: Adressatengerecht veredelte Papierbücher! Oder?
Ich bin jedenfalls voll dafür.
Natürlich sind auch die klassischen Geschmacksrichtungen okay. Es gibt Tage, da ist so ein leichtes, sommerfrisches Dünndruckpapierchen genau das Richtige und an anderen muss es was deftiges sein. So’n schöner Nackenbeißer auf grobem Papier.
Aber gibt’s da nicht noch mehr?
Wie gesagt, mir schwebt etwas vor wie Wildschweinsalami, oder Rauchschinken.

Alle Welt spricht immer von Cat Content, aber mal im Ernst: Ich habe ihn bis jetzt nicht gefunden. Luise hat mir mal was zu lesen mitgebracht: Von Mäusen und Menschen. Von wegen, Mäuse! Es ging letztendlich doch wieder nur um Menschen. Sterbenslangweilige Schote. Und sehr fad im Abgang.

Also, liebes Christkind: Bücher mit Inhalten für uns, nicht für Euch!
Irgendjemand bei Euch muss doch wissen, was uns schmeckt. Und übrigens- nur, weil wir etwas gern essen, möchten wir es nicht ausschliesslich goutieren.
Ihr esst ja auch nicht jeden Tag das Gleiche.

Dieser Cat-Content stammt von Indiana Jones, Kater in Osnabrück. „Indy“ teilt seinen Lebensraum großzügig mit Luise Schitteck, ehemalige Buchhändlerin und nun bei readbox für Marketing und Vertrieb zuständig. Kontakt über sein Frauchen: Twitter, Facebook, Blog.

"Der Buchbranche fehlt der Coolness-Faktor"

Wir haben zu unserer Blogparade Die “Neuen” – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche eine Reihe (zahlenmäßig und vor allem inhaltlich) erfreulicher Beiträge erhalten. Um das entsprechend zu würdigen, fassen wir hier zusammen, lesen nach und bedanken uns bei allen Teilnehmern und Beiträgern!

Ein schönes Mosaik: Diese Beiträge erntete unsere Blogparade.
Ein schönes Mosaik.

Azubis als Umdenker und Kommunikationsverbesserer

Postwendend nach unserem Aufruf beteiligte sich die künftige Medienkauffrau Anna-Lena Wingerter. Dafür vielen Dank! Anna-Lena hebt als Alleinstellungsmerkmal der Azubis die intime Kenntnis mit dem ausbildenden Haus hervor und plädiert für eine bessere Nutzung dieser Ressource.

Tigerenten 2.0

Frank Krings hat sich entschieden, nicht nur seinen früheren Tigerenten-Artikel für die Blogparade zu recyceln, sondern einen frischen Tipp zu geben: Nachwuchs, biete dem Unternehmen etwas, was es noch nicht hat! Er selbst zeigt sich in den Kommentaren etwas enttäuscht von der geringen Online- und Social-Media-Affinität vieler Nachwuchskräfte.

„Ich lese gerne“ reicht nicht!

Luise Schitteck hat ihr neues (lesenswertes!) Blog gleich genutzt, unserer Blogparade einen Beitrag beizusteuern. Sie moniert, dass Auszubildende, mit denen sie Workshop-Erfahrung gesammelt hat, sehr häufig in den Bereichen eReading und eCommerce unzureichend ausgebildet werden. Die Liebe zum Papier reicht eben einfach nicht.

„Berufsleben ist das, was ihr daraus macht!“

Dagmar Eckhardt alias GeschichtenAgentin hat viele Jahre Erfahrung als Ausbilderin. In ihrem Artikel beleuchtet sie, welche Eigenschaften gute Berufsanfänger haben oder entwickeln sollten: Neugierde, Weitblick, Eigeninitiative. Außerdem berichtet sie, welche Fortbildungen und Erfahrungen ihr besonders geholfen haben.

„Und was wird morgen aus uns?“

Hilke-Gesa Bußmann beklagt, dass der digitale Wandel zu häufig gar nicht oder ohne den Nachwuchs passiert. Sie moniert außerdem, dass Nachwüchsler vor dem Mitmischen in etablierten Organisationen wie dem AKEP viele Hürden überwinden müssen. Hilke wünscht sich ein stimmiges Bild der Buchbranche, zusammengesetzt aus Nachwuchs und alten Hasen.

Eine Kritik und Vision für junge Verleger

Charlotte Reimann berichtet als JVM-Städtegruppensprecherin ähnliches wie Frank Krings: Der Nachwuchs hat noch zu viele Vorbehalte gegenüber sozialen Medien und verkennt insbesondere deren Chancen, an etablierten Branchenstrukturen zu rütteln. Zur besseren Vernetzung und Auffindbarkeit von Buch(nachwuchs)-Blogs schlägt sie weiterhin vor, „1) eine Buchbranchen-Bloggergruppe zu gründen, die sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite steht, und 2) auf der JVM-Website ein Blogroll mit allen Nachwuchsbloggern einzurichten, um die Wahrnehmung bestehender Blogs zu verbessern“.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“

Last but not least: Mit spannenden und zitierwürdigen Ansichten beehrte uns auch Steffen Meier, der gefühlt drei Minuten vor der Deadline seinen Beitrag einreichte. Warum fehlt es der Branche an Coolness? Warum beweist sie keine Kreativität in den Arbeitsmodellen und -bedingungen, gerade für die viel vertretenen Frauen? Kurz: Was hat die und was hätte die Branche ihrem Nachwuchs zu bieten, wenn es nicht Geld ist?

Praktikum – Praktikum – Volo – Assistenz?

Keinen eigentlichen Beitrag, sondern eine kommentierende Zusammenfassung liefert uns Alena Dausacker von type:area. Sie greift Steffen Meiers These von der Un-Coolness der Branche auf und führt sie u.a. auf verkrustete universitäre Strukturen zurück. Und sie spricht einen wichtigen Punkt an: „Es kann nicht sein, dass man für ein Praktikum in der Branche bereits ein Praktikum in der Branche braucht – das widerspricht dem genuinen Sinn eines Praktikums.“

Die Zuspätgekommenen

Aufgrund vereinzelter Nachfragen entschlossen wir uns zum Ablauf der eigentlichen Deadline, noch eine „Nachzüglerphase“ einzuräumen.

Im Curriculum des Nachwuchses muss „Gender“ enthalten sein

Darüber sind wir froh, denn so erreichte uns noch Frauke Ehlers Beitrag „Ein Curriculum mit Gender-Perspektive„. Frauke knüpft an Steffens Überlegungen zur „weiblichen Branche“ an und stellt vor, was die BücherFrauen auf diesem Gebiet leisten.

Es ist schwierig, wahrgenommen zu werden

Jakob Jochmann ist neu in der Buchbranche – allerdings kein Nachwuchs, sondern ein Quereinsteiger: „Mir selbst geht es als Unternehmer mit eigenem Kapital (ich finanziere mich mit angespartem Geld aus meiner Zeit bei einer Unternehmensberatung) natürlich etwas anders als dem Nachwuchs, der sich erst noch um bezahlte Stellen oder gar unbezahlte Praktika balgen muss. Meine Probleme sind eher, als potentieller Geschäftspartner überhaupt von den Alteingesessenen wahrgenommen zu werden und Verständnis für meine neue Perspektive zu gewinnen.“

Fazit

Wir haben bekommen, was wir wollten: Einen guten Überblick und viele Einblicke in die Situation von Leuten, die in der Branche Fuß fassen wollen. Zwischenzeitlich tagte ein Nachwuchsparlament und wählte eine neue Doppelspitze. Das heißt: Es bleibt spannend. Wir danken allen Teilnehmern und Lesern und freuen uns schon auf die nächste Blogparade!

10 Jahre sind gar keine so lange Zeit. 10 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit. [Halbadventskalender]

Danke an Luise Schitteck, Buchhändlerin, für die Antwort auf unsere Adventskalenderfrage!

2022 gibt es in der Adventszeit keine Kalender mehr zu kaufen, die sind bereits Ende September ausverkauft.

Während die Konsumtempel immer wildere Weihnachtsthemen erfinden („Weihnachten bei den Maya“ drängt sich im Weltuntergang-Jubiläumsjahr 2022 ja förmlich auf) und immer früher damit beginnen, diese unter die Leute zu bringen, wird das private Weihnachten bescheidener, besinnlicher.

Weihnachten 1992.

Da die Geschäfte das ganze Jahr hindurch 24/7 geöffnet haben, ist es ein Highlight, dass in den Adventswochen die Läden wie früher, „in der guten alten Zeit“, bereits um 20:00 schliessen und ausnahmsweise mal alle einen ruhigen Abend auf dem Weihnachtsmarkt (äh ja, die müssen immer noch länger arbeiten, sorry) oder zu Haus in der warmen Stube verbringen. Diejenigen, die nicht in der Nähe und physisch greifbar sind, werden dabei über Videotelefonie eingebunden, gerne auch in einer Konferenzschaltung durch mehrere Wohnzimmer hindurch.

Und vielleicht sieht man sich gemeinsam einen Film an. „Scrooged“ ist zu einem Weihnachtskultfilm durch alle Alterklassen geworden und wird gleichberechtigt neben „It’s a wonderful life“ von den Streaming-Diensten beworben. Und Eines wird sich auch in zehn Jahren natürlich nicht geändert haben, im medialen wie im richtigen Leben: Früher war mehr Lametta!