Und sonst so? Der Buchbranchen-Dezember im Überblick

Die letzten Wochen galten unserem Adventskalender. Daher habe ich mir ein paar Aufreger gemerkt, die ich jetzt loswerden möchte. (Disclaimer: Dieser Artikel leitet das Ende der Besinnlichkeit auf „Alles fließt“ ein – wer damit Probleme hat, sollte diesen Artikel erst nach Heiligdreikönig lesen.)

6.12. Flashmob zum Kauf von Büchern in einer Indie-Buchhandlung

Ich gebe zu, dass ich erst am Tag selbst von dieser Aktion erfahren habe. Als ich dann davon gelesen habe, war ich erstmal sprachlos – aus zwei Gründen:

1. Der Begriff Flashmob bezeichnet eine Aktion, bei der möglichst viele Menschen etwas Spannendes bzw. Unerwartetes tun. Und zwar so, dass möglichst viele andere Menschen etwas davon mitkriegen. Ein Flashmob, den man nicht sieht, ist vieles, aber KEIN Flashmob. Den Begriff einfach mal zu verwenden, weil er hip ist, und von den Medien gern aufgegriffen wird, ist meiner Meinung nach eine Mogelpackung.

2. Die Aktion vermittelt das Bild, dass ein Kauf in einer unabhängigen Buchhandlung etwas Ungewöhnliches ist, das extra zelebriert werden sollte. Und das finde ich grundlegend falsch. Man kann gerne vermitteln, dass die unabhängigen Buchhandlungen gestärkt werden sollten [wobei die Einstellung an sich auch eine Diskussion Wert ist, wie dieser interessante Artikel von myeahnecke zeigt], aber so zu tun, als wäre ein Kauf – an sich das Normalste auf der Welt – ein Unikum, vermittelt den Eindruck, als wären die Indie-Buchhandlungen am Aussterben und alles kurz vor Ende. Und das ist – trotz verschärfter Marktsituation in den letzten Jahren – einfach nicht der Fall.

8.12.: Die Sonntagsfrage an die beiden Nachwuchssprecherinnen

Auf die Frage, ob Nachwuchskräfte in der Buchbranche keinen Mindestlohn verdienen, geben unsere Nachwuchssprecherinnen Antwort. Zuerst betonen sie die Wichtigkeit einer fairen Bezahlung:

Da Auszubildende und Praktikanten in vielen Fällen eine vergleichbare Arbeitsleistung wie andere Arbeitnehmer bringen, finden wir es nur fair, auch für sie einen Mindestlohn zu fordern. Außerdem sollte es in jedem Fall auch möglich sein, von der Vergütung einigermaßen zu leben, ohne finanzielle Unterstützung von Dritten.

Aber dann, kurz vor Ende, kommt die Kehrtwendung:

Steigende Gehälter bringen steigende Kosten mit sich. Schon heute sind viele Unternehmen nicht mehr ohne weiteres bereit, auszubilden oder Praktikumsplätze anzubieten. Wir befürchten darum, dass die Bereitschaft Nachwuchskräften eine faire Chance für den Berufseinstieg zu bieten, mit einem Mindestlohn noch weiter sinkt.

Ich möchte keinesfalls abstreiten, dass Arbeitnehmer ein Kostenfaktor für ein Unternehmen sind. Aber – betriebswirtschaftlich gesprochen – kann man sich einen weiteren Arbeitnehmer entweder leisten oder nicht. Und wenn man ihn sich gern leisten würde, aber eigentlich nicht leisten kann, und daher jemanden zu einem Ausbeuter-Gehalt einstellt, läuft etwas falsch. Wenn eine angemessene Form der Weiterbeschäftigung geplant ist, verhält es sich wieder anders, aber standardmäßig einen schlecht bezahlten Volontär einzustellen, weil man es sich anders nicht leisten kann, zeugt von grenzenloser Geringschätzung des Volontärs und/oder wirtschaftlichem Unvermögen. Insofern, liebe Nachwuchssprecherinnen, lasst euch bitte nicht zu sehr einlullen vom Ausweichmanöver vieler Arbeitgeber. Es ist gut und wichtig, dass ihr hier das Gespräch sucht, aber bitte nicht auf Kosten eurer Position.

Den ganzen Dezember über: Amazon

Wenn ich mit Leuten anderer Branchen spreche, werde ich gern nach meiner „Expertenmeinung“ zu bestimmten Themen gefragt. Und hier konnte ich prompt eine Veränderung feststellen: Amazon hat sich vor die E-Books und den Untergang des Abendlandes gedrängt.

Die Diskussion wurde auch in der heute-Show satirisch aufgegriffen:

Fehlt was Wichtiges? Und wie habt Ihr die angesprochenen Themen empfunden?

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