Was den Vielleser bewegt: Eine LovelyBooks-Studie

Knapp 2300 Leute („Vielleser“) haben bei einer Umfrage des Literaturportals LovelyBooks teilgenommen. Mich überraschen die Ergebnisse im Wesentlichen nicht: Demographisch handelt es sich um eine Schnittmenge zwischen Online-Usern und Offline-Viellesern, gepaart mit dem krassen weiblichen Überhang weiblicher Nutzer.

Die Teilnehmer lesen viel, kaufen viel, empfehlen viel. Daraus folgen auch die Empfehlungen am Ende der Studie, u.a.:

Fördern Sie die Empfehlung Ihrer Bücher und Autoren. Zeigen Sie, dass Ihnen die Meinung der Leser eine Herzensangelegenheit ist. Bringen Sie gemeinsam mit Ihren Buchbotschaftern die Word-of-Mouth-Lawine ins Rollen!

Das ist definitiv richtig – aber die Studie schwächelt an dem Punkt, an dem sie die Effekte der Empfehlungen außerhalb der (in meinen Augen eher geschlossenen) Community sichtbar machen müsste. Das tut sie nämlich nicht, es wäre auch ein etwas zu ambitioniertes Ziel: die Wirksamkeit eines Werbekanals nachzuweisen. Immerhin für die Teilnehmer selbst sind Word-of-Mouth-Kanäle als wichtig nachgewiesen:

Für 69% der Befragten sind sowohl Bewertungen als auch Rezensionen von anderen Lesern beim Buchkauf ein wichtiger Entscheidungsfaktor.
Für 42% der Befragten sind Leserrezensionen und für 38% sind Leserbewertungen „sehr wichtig“ beim Buchkauf.

Marketing der Woche (KW 37): SSB

Erstmal erscheint die Postkarte der SSB (Stuttgarter Straßenbahnen AG), die darüber aufklären möchte, dass man sich Studi-Tickets auch aus dem Internet besorgen kann, leicht skurril. Besonderes Flair entfaltet die Karte aber, wenn man die Vorgängerkarten kennt. Die trugen u.a. folgende Sprüche auf schmucklosem gelben Hintergrund: „Ich komme alle 10 Minuten“, „Ich komme von beiden Seiten“. Leider erinnere ich mich nicht an alle, aber dass dieser Stil aufgegriffen wird, finde ich ziemlich super. Die Art von Humor passt gut zur Zielgruppe und außerdem ist ein Wiedererkennungseffekt vorhanden.

Mut zum Humor

Ohne diese Kenntnis zieht die Karte wahrscheinlich nicht ganz so sehr, ist aber trotzdem nicht schlecht. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass die SSB immer wieder auf die Spaß-Schiene geht, weil sie dadurch sympathisch erscheint. Und das passt, soweit ich das mitkriege, auch zum restlichen Image.

Marketing der Woche (KW 35): Duplo

Postkarte mit Duplo-Slogan

Dieses Marketing der Woche konnte ich gleich live bei einer abendlichen Runde im Freundeskreis testen: Die Karte löste grinsende Zustimmung bis Begeisterung aus. Die Claims der folgenden Karten wurden eher als nett bis okay empfunden („Ohne dich wäre die Welt wie eine Wiese ohne Blumen“, „Korb eingefangen? Dann lade doch zum Picknick ein“).

Humor als überzeugender Faktor

Woran es liegt, dass der erste Spruch viel überzeugender ist als die anderen? Mut zum Humor! Zum bösen Humor muss man der Vollständigkeit halber dazusagen, weil die Aussage durchaus verletzend wahrgenommen werden kann. Glücklicherweise fällt sie aber nicht in das Extrem des gezielten Tiefschlags. Sie verhält sich nicht ganz stromlinienförmig, aber ist immer noch mainstreamig genug, um ein breites – junges – Zielpublikum anzusprechen. Die Lacher waren bei uns zumindest da.

Content Curation: Creating the Perfect Content Marketing Mix (Infographik)

Besonders spannend: Die Zahlen, die zeigen, dass zweitäglich mehr Information in die Welt geschickt wird, als in der ganzen Menschheitsgeschichte bis 2003. Stichwort: Aufmerksamkeitsökonomie. Dass gutes Marketing da essentiell ist, sollte man eigentlich nicht betonen müssen …

Content Curation: Creating the Perfect Content Marketing Mix

Browse more infographics.

Selfpublisher, Selfmarketing und Ehrlichkeit

Xander Morus ist das Pseudonym eines Universitätsangestellten aus Bayern. Er schreibt mit Vorliebe Horror-und Thrillergeschichten, liebt bayerisches Bier, H.P. Lovecraft und Youtube-Videos von alten Computerspielen.

Besagter Xander hat im Mai als journalistische Übung mit Selbstmarketing-Nebeneffekt einen Artikel über Selfpub-Autoren im Literaturcafe geschrieben. Und nun zieht er sein Resümmee incl. harter Zahlen und der Aufforderung, lieber langfristig zu denken als kurzfristig Verkäufe zu pushen.

Doch sollte uns zu denken geben, dass sich die Leser nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Wenn gefakte Zeitungsartikel ein Buch hochjubeln und Freundschaftsdienste inflationär in Anspruch genommen werden, sind böse Rezensionen die Folge.
Wir sollten nicht vergessen: Wer mit Tricks arbeitet, hinterlässt meist verbrannte Erde. Der Autorenname kann irreparablen Schaden nehmen. Wenn einen die Eitelkeit drängt, unter richtigem Namen zu publizieren, man dann aber das Buch mit Tricks verkaufen will, sollte man sich fragen, ob man mit den möglichen Folgen leben mag. Wer will schon seinen Namen googeln und lauter wütende Rezensionen lesen?

Marketing der Woche (KW 28): Expedia

Auch wenn ich nicht der allergrößte Expedia-Fan bin, weist W&V zurecht auf den guten Strand-Werbespot von Expedia hin:

Nicht unbedingt höhere Kunst, aber der Spot kommt leicht rüber – witzig und mit Augenzwinkern. Nicht besonders ausgefallen oder anspruchsvoll, aber seinen Zweck, eine breite Masse vom Strandurlaub mit Expedia zu überzeugen, erfüllt er. Und sorgt idealerweise auch für ein Lächeln, wenn man ihn sieht.

Marketing der Woche (KW 27): Nike Fuel

Um unseren geschätzten Lesern jede Woche etwas anzubieten, worauf sie sich schon Tage vorher freuen können, gibt es ab sofort eine neue Kategorie: Marketing der Woche. Hier sollen Marketingkampagnen vorgestellt werden, die wir gut oder schlecht oder aus anderen Gründen vorstellenswert finden. Wenn ihr Ideen für Kampagnen habt, die besprochen werden sollten, freuen wir uns über eine Mail, einen Kommentar oder eine Nachricht über die bekannten Kanäle.

Nike-Kampagne in New York

Auf Indiskretion Ehrensache sind wir auf die Nike-Kampagne in New York gestoßen. Das Spannende daran ist, dass sie auf ihren Plakaten mit # und @ arbeitet, also Zeichen, die in dieser Form nur im Internet, vor allem in Twitter, verwendet werden. Diese Zeichen in die Nicht-Internet-Welt zu verlagern, ist ein Wagnis. Auch wenn die technologische Durchdringung in den USA noch höher ist als hierzulande, wird es trotzdem einen gewissen Prozentsatz an Leuten geben, die die Werbung nicht verstehen – und damit nicht von ihr angesprochen werden. Wobei man hier fragen kann, ob das überhaupt die Zielgruppe ist. Wenn die Zielgruppe jung und technikaffin ist, hat diese Werbung emotional wahrscheinlich mehr Effekt als die gewohnte Art der Ansprache.

Quelle: indiskretionsehrensache.de

Nike-Kampagne in Deutschland?

Würde das auch in Deutschland gehen? Wohl eher nicht. Die Leute, die man mit der Kampagne erreichen kann, wären zwar umso begeisterter – aber ob deren Zahl ausreichen würde, um die Kampagne zu rechtfertigen, erscheint fraglich. Damit sich eine derartige Kampagne lohnt, muss die Partizipation an der digitalen Welt noch deutlich steigen. Nichtsdestotrotz ein (auch sprachwissenschaftlich) sehr interessanter Ansatz!

 

Wie Autoren reddit fürs Marketing nutzen

Über Tweet und Blogpost stieß ich auf eine tagesaktuelle Aktion von Charles Stross: er beantwortet Fragen auf reddit, und zwar sowohl von Lesern wie auch etwa von Autoren, die sich Tipps für das eigene Schreiben und Vermarkten erhoffen.

reddit erreicht sicherlich ein eher spezielles Publikum (wobei es auch „Boards“ für den allgemeineren Geschmack gibt), aber gerade ein SF-Autor kann auf dieser Plattform gut mit seiner Zielgruppe reden. Und diese Aktion beweist: Kommunikation kommt an (555 Kommentare nach 3 Stunden), und Kommunikation realisiert man am besten durch viele verschiedene Kanäle, um alle potenziellen Interessenten abzugrasen. Wer reddit noch nicht kennt oder nicht nutzt, sollte diese Aktion von Stross zum Anlass nehmen, sich die Plattform hinsichtlich des Marketingmehrwerts einmal anzusehen.

 

Ganz martialisch: Content marketing – What's your plan of attack? (Inforgraphik)

Marketing ist Krieg – und ganz in diesem Sinne zeigt folgende Infographik den Unterschied zwischen Massen- und gezieltem Marketing anhand von regulären Streitkräften und Special Forces:

Browse more data visualizations.

 

In den Kinderschuhen? Buchtrailer und Buchtrailer-Versuche

Machen sie Lust aufs Lesen? Packen sie den Leser schon vor dem Buch? Aus dem gegebenen Anlass, dass ich mit zwei guten Freunden einen Buchtrailer gemacht habe, möchte ich hier auf Buchtrailer näher eingehen und ein paar von ihnen vorstellen und bewerten.

Atmosphäre zulasten von Handlung?

Mein Hauptkritikpunkt bei Buchtrailern ist der, dass ganz viele keine Handlung haben. Man sieht Nebel oder Gewaber, unterlegt mit düsterer Musik, anschließend fliegen einzelne Worte oder Sätze ins Bild. Im besseren Fall gibt’s noch eine Off-Stimme dazu, im schlechteren Fall kommt nicht mal mehr die. Das ist vielleicht schön, wenn ich zwei Mal im Jahr einen Trailer sehe. Wenn ich diese Machart aber in fünf Trailern innerhalb kurzer Zeit sehe, ist es langweilig und ermüdend.

Das Argument für diese Nicht-Handlung ist das, dass beim Leser selbst schon ein Film läuft, wenn er das Buch liest – das Kopfkino. Dieses Kopfkino soll nicht dadurch zerstört werden, dass im Trailer Personen gezeigt werden, die sich der Leser später anders vorstellt. Diese Argumentationsweise geht aber meines Erachtens ganz stark zulasten der Qualität der Trailers als solchem.

Bekanntheitsgrad

Das kann man auch an den – oft unvorstellbar geringen – Zahlen der Views erkennen. (Ein niedriger dreistelliger Bereich ist in der deutschen Buchbranche ein Standardwert, was angesichts der Tatsache, dass man für einen Trailer bis zu mehreren Tausend Euro ausgibt, erschreckend ist.) Die niedrigen Zahlen sind ein Indiz dafür, dass viele Menschen hier ähnlich denken wie ich und von den Trailern als solche alles anders als begeistert sind.

Das ist schade – weil die meisten Internetnutzer gleichzeitig viel lesen und von den Büchern entweder nichts mitkriegen (wenn sie schlecht gemacht sind, kriegen sie kein „Like“ und somit keine soziale Weiterverbreitung) oder mitunter sogar abgeschreckt sind (obwohl das Buch unter Umständen sogar sehr gut ist). Ein guter Buchtrailer eignet sich perfekt, um ihn in Diskussionen in Sozialen Netzwerken oder speziellen Foren wie Lovelybooks einzubringen. Nur gibt es im Bereich Buchtrailer leider ganz viele verpasste Chancen.

Abweichend vom Standard

Nach der vielen Kritik möchte ich aber doch ein paar aus meiner Sicht sehr gelungene Trailer vorstellen.

T.C.Boyle: Wenn das Schlachten vorbei ist: Der Clip erinnert eher an einen Filmtrailer als an  einen Buchtrailer, was ihm zweifelsohne gut tut – Grund dafür sind real agierende Personen und Spannung erzeugende Schnitte. Die fast 4.000 Klicks sind eine klare Bestätigung, dass das viele Internetnutzer genauso sehen und der Trailer erfolgreich weiterverbreitet wurde.

Stefan Petermann: Ausschau halten nach Tigern: Nicht auf den ersten Blick einer der Favoriten, aber an sich ist das ein schön gemachter Typo-Trailer, der seinen Stil bis zum Schluss durchhält. Vielleicht etwas zu lang, aber dafür kriegt man einen klaren ersten Eindruck vom Stil, in dem die Erzählungen des Buchs verfasst sind – und damit ersetzt der Film für mich das Blättern im Buch und macht den Weg frei für eine direkte Kaufentscheidung.

Ernest Cline: Ready Player One: Für einen dritten guten Trailer brauchte ich eine etwas längere Suche, die sich aber gelohnt hat. Science-Fiction und 80-ties – das letztere Thema wird herrlich konkret dargestellt und bietet sogar für Vertreter jüngerer Generationen Wiedererkennungseffekt. Die Aufgaben des Trailers, das Buch vorzustellen und Lust darauf zu machen, werden charmant erfüllt.

Eigenproduktion

Zu guter Letzt ist hier noch der Link zu unserem anfangs erwähnten selbst produzierten Trailer, der am Ende auf die dazugehörige Facebook-Seite hinweist. Wir sind bei der Produktion davon ausgegangen, was uns als Leser persönlich ansprechen würde, und haben versucht, genau das umzusetzen. Wir freuen uns sehr über Kritik! Hier geht’s zu Findet Jonathan.