Marketing der Woche (KW 46): ZDF

Kampagnenmotiv Arne-Dahl-PlakatKampagnenmotiv Arne-Dahl-PlakatSchöne Kampagnenmotive des ZDF für die Arne-Dahl-Reihe. Die Wortspiele funktionieren, ohne dass sie aufdringlich oder betont witzig sind – sie zeugen von trockenem Humor, der sich nicht aufdrängt. Der Stil der leichten Zurückhaltung passt gut zu den Öffentlich-Rechtlichen. Trotzdem kommt keine Langeweile, die man besagten Sendern gern unterstellt, auf.

Laut?

Die Anforderung an die Tonalität nach Angaben von W&V: „laut, ungewöhnlich und aufmerksamkeitsstark“. Die Eigenschaften ungewöhnlich und aufmerksamkeitsstark lassen sich definitiv finden, im Gegensatz zur Lautstärke  – darüber bin ich aber eigentlich froh, weil laut oft nach hinten losgeht und aufdringlich ist oder nervt. Außerdem passt das auch nur bedingt zum ZDF. Vielleicht bezog sich laut aber auch auf diesen Film hier?

Roboter als Konkurrenz für Autoren?

Wie viel Kreativität braucht man, um einen Text zu schreiben, der gern gelesen wird, oder um ein Foto zu schießen, das gern verwendet wird? Diesen Fragen geht Folge Nr. 50 des Elektrischen Reporters nach und landet neben altbekannten Erkenntnissen zu Microstock-Fotografie beim Roboter-Schreiben. In Amerika gibt es bereits mehrere Agenturen, die Sportberichte per Roboter erstellen lassen und anschließend nur noch kurz verbessern – zweifelsohne eine große Zeitersparnis. Zwar fehlt das kreative Element, weshalb sich die Süddeutsche am Ende des Beitrags für den Qualitätsjournalismus ausgesprochen hat, aber angesichts der technischen Entwicklungen ist auch das möglicherweise nur noch eine Frage der Zeit.

Ein Schema für alles

Wenn diese Technologie wirklich gut weiterentwickelt wird, dann müssen sich die Verlage in Zukunft keine Gedanken mehr über Self-Publishing machen, sondern ihre Autoren über die Konkurrenz durch Roboter-Autoren. Sicher nicht für die großen literarischen Werke, aber durchaus für 08/15-Liebes- oder Fantasyromane, die man bereits heute in Massen anbietet und die alle nach einem Schema funktionieren. Eine ähnliche Entwicklung sieht man bereits in der Fotografie: Sehr viele Fotografen, die aufgrund technischen Basiswissens und ausgefeilter Bildsoftware gute Fotos machen können, sind eine immer stärkere Konkurrenz für wenige Top-Fotografen. Warum sollte es nicht auch beim Bücher schreiben dazu kommen?

Zukunftsmusik

Literatur ist ein komplexes Feld – wir haben also noch einige Jahre, um uns mit derartigen Gedanken anzufreunden oder auch nicht. Aber vielleicht wird das 21. Jahrhundert auch als das Jahrhundert der „Underdogs“, die allein aufgrund technischer Möglichkeiten Weltruhm erlangen konnten, in die Geschichte eingehen.

Marketing der Woche (KW 43): AOK Baden-Württemberg

„1 x Bauch kraulen, bitte.“ – wie schön! Das macht Lust auf Wellness, Entspannung … Und dann geht’s weiter mit „Das Leben ist ein Ponyhof.“ – besser kann’s gar nicht kommen. Inwieweit die AOK diese Versprechen einhält – es geht um den AOK-PrivatService – mag mal dahingestellt sein, die beiden Postkarten sind ansprechend. Die dritte („Ich brauch’s richtig.“) kann leider nicht ganz mithalten, weil sie zu unspezifisch ist und in mehrere Richtungen ausgelegt werden kann, wovon die eine nichts beinhaltet, was ich mit der AOK in Verbindung bringen möchte.

Ausbaufähige Landing-Page

Auf der Rückseite der Karten wird dann sowohl ausgeschrieben als auch per QR-Code auf www.mehr-aok.de verwiesen. Diese Seite ist nett gemacht, aber im Grunde etwas langweilig und uninspiriert. Aus objektiven Gesichtspunkten kann man wenig dagegen einwenden, da dort große Bilder sind und ein Imagefilm, und der Seitenaufbau locker gestaltet ist. Trotzdem schrillten bei mir beim ersten Seitenbesuch alle Alarmglocken für „Werbeseite“ auf – was sich auch nicht mehr gewandelt hat. Für Menschen, die sich sowieso schon mit dem Thema befassen und überzeugt werden sollen, möglicherweise eine gute Sache, sofern sie sich nicht von der Heftigkeit der Werbebotschaft abschrecken lassen. Für Menschen wie mich, die einfach mal neugierig geschaut haben, was es da gibt, war das zu viel des Guten – viel AOK, viel glückliche Menschen … da sehne ich mir die Anti-Glückskekse von der Buchmesse zurück, wo man „Das Glück ist weg“ lesen konnte (beworben wurde das Anti-Glücksbuch, das ich hier leider nicht mehr bewerben kann, da der Glückskeks gegessen und der Zettel verschwunden ist).

Marketing der Woche (KW 42): EnBW

Postkarte mit dem Slogan "ich bin kein Vegetarier. Aber meine Steckdose."

Vielleicht war ich etwas langsam von Begriff, aber mir war wirklich nicht klar, worauf der Slogan hinauswollte, nämlich auf das Naturstrom-Angebot der EnBW. Und das mag ich prinzipiell gern, weil ich beim Umdrehen der Karte einen „Ah…“-Effekt hatte.

Der Spruch ist auf Identifikation, auf Vergleich mit sich selbst angelegt. Möglicherweise wird die Zielgruppe Vegetarier davon abgeschreckt, aber nicht einmal das glaube ich, da Vegetarismus als etwas Positives dargestellt wird. Wahrscheinlich ist es mehr die Harcore-Anti-Vegetarier-Fraktion, die kein Interesse fürs Umdrehen der Karte aufbringt. Da beide Gruppen aber keinen allzu großen Anteil in der hiesigen Bevölkerung ausmachen, wird die breite Masse – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft – direkt angesprochen. Funktioniert gut!

 

Frankfurter Buchmesse: Verlage auf dem Rückzug?

Die Verlage sind auf dem Rückzug – das war tatsächlich mein Eindruck auf der Frankfurter Buchmesse, allerdings nicht im negativen Sinn. Sie ziehen sich zurück, um mehr auf die vor- und nachgelagerten Akteure in der Wertschöpfungskette einzugehen: den Autor und/oder den Kunden. Diese Position konnte man an vielen Stellen heraushören: Zum Beispiel bei der Diskussion „Der Weg zum Kunden“, wo es unter anderem darum ging, dass Verlage sich gegenüber Self-Publishing-Angeboten positionieren müssen, indem sie sich für die (professionellen) Autoren attraktiv darstellen. Oder beim Vortrag „Making the most of your story: What’s transmedia really worth?“, in dem die gute (= mitreißende, packende, fesselnde …) Story als Voraussetzung aller weiteren Überlegungen angenommen wurde, da ohne diese kein Leser mitgenommen werden kann. Oder auch bei der Diskussion „protoTYPE meets Hochschule“, in der betont wurde, dass der Kunde bei Innovationen stets im Mittelpunkt stehen muss.

Wandel des Kulturverlegers

Auf den ersten Blick scheint diese Haltung, sich gegenüber seinen Autoren ebenso wie gegenüber seinen Lesern als möglichst attraktiver Partner zu präsentieren, selbstverständlich. Bedenkt man jedoch, dass auch heute viele Verleger noch als Kulturverleger agieren – also die Inhalte, die sie als kulturell wichtig erachten, versuchen, einem breiten Publikum nahezubringen – ist das ein gravierender Wandel. Das Selbstverständnis, das sich unter anderem aus der Annahme, Bücher seien ein Kulturgut und keine Ware, speist, gerät langsam, aber sicher ins Wanken. Und hier kommt die Digitalisierung ins Spiel: Für die Autoren gibt es dank fortschreitender Technologisierung die Möglichkeit, alle Schritte bis zur Buchveröffentlichung selbst durchzuführen – ob sie es wollen oder nicht, ist eine andere Diskussion. Für die Leser gibt es die Möglichkeit, sich zwischen zahllosen Bücher für ein paar zu entscheiden – um hier herauszustechen braucht man vor einem guten Marketing erst einmal ein Buch, das den Leser wirklich interessiert. Im zweiten Schritt kommen dann E-Books, Social Media etc. Die Notwendigkeit auf Verlagsseite, ein attraktiver Partner zu sein, steigt stetig.

Wie funktioniert der Wandel am besten?

Wie sich dieser Wandel (= Innovationen) am besten gestalten lässt, wurde vor allem in der ProtoTYPE-/Hochschule-Diskussion ausgeführt: Durch Lust! Ggf. noch durch Notwendigkeit, aber keinesfalls aus Angst oder aus Druck. Das klappt eigentlich nur dann, wenn der Verleger diesen Prozess nicht blockiert. Im Idealfall resultiert daraus eine Begeisterung, die für digitale Produkte ebenso stark ist wie für Print-Produkte – im Fachjargon spricht man dann vom „sexy epub“.

Frankfurter Buchmesse: Böse E-Books?

Die E-Books … und die Apps … und überhaupt das ganze neue Zeug bewegen die Branche und die Beobachter. Eine Umfrage unter Kinder- und Jugendbuchverlagen stellt die provokante Frage, ob Buch oder App und erhält in den meisten Fällen die Antwort: Beides. Interessant ist, dass nur ein Teil der befragten Verlage vom Konzept wirklich überzeugt zu sein scheint, und der andere Teil sich zwar digital betätigt, aber im nächsten Atemzug ein Plädoyer fürs gedruckte Buch hören lässt.

Einen Audio-Beitrag zum Start der Messe gibt es bei Deutschlandradio Kultur. Unter anderem geht es darum, dass es für Verlage angesichts zahlreicherer (Self-)Publishing-Möglichkeiten und nicht-sinkender Veröffentlichungszahlen immer schwieriger ist, Aufmerksamkeit für ihre Produkte herzustellen. Außerdem wird angeregt, das Gastland-Konzept der Buchmesse zu überdenken, da es (vor allem bei Ländern wie Neuseeland, die nicht wie China oder die Türkei angesichts literaturpolitischer Themen Debatten auslösen) doch eher der Tourismusbranche diene.

(Ab morgen bin ich dann nicht nur virtuell auf der Messe, so dass ich derartige Artikel stilecht mit Eindrücken untermauern kann.)

Marketing der Woche (KW 39): Midtrafik Commercial

Ich war so frei, die Original-Version dieses herrlichen Werbevideos einzubinden, da ich die Hintergrundstimme wesentlich angenehmer finde als in der englischen Übersetzung. Ansonsten fällt mir nicht viel ein außer: Gelungen! Aber rundum. Humorvoll und vor allem auch mit einer Wertigkeit, die man gemeinhin (wenigstens hierzulande) eigentlich nicht mit dem Fortbewegungsmittel Bus verbindet. Man sieht, dass man Autos mit Übergröße mit mindestens so viel Leidenschaft wie einen Porsche bewerben kann.

Marketing der Woche (KW 38): Raising Hope

Nicht viel zu sagen: Lustiger Spruch mit lustigem Bild, was erstmal dazu verleitet, die Karte umzudrehen, um rauszukriegen, worum es sich handelt. Auf RTL NITRO gibt es anscheinend eine Serie „Raising Hope“. Die dreht sich um Jimmy, der nach einem One-Night-Stand alleinerziehender Vater ist. Da das so überhaupt nicht mein Genre ist, werde ich mir die Serie nicht anschauen, aber ich finde die Karte trotzdem nett.

Marketing der Woche (KW 37): SSB

Erstmal erscheint die Postkarte der SSB (Stuttgarter Straßenbahnen AG), die darüber aufklären möchte, dass man sich Studi-Tickets auch aus dem Internet besorgen kann, leicht skurril. Besonderes Flair entfaltet die Karte aber, wenn man die Vorgängerkarten kennt. Die trugen u.a. folgende Sprüche auf schmucklosem gelben Hintergrund: „Ich komme alle 10 Minuten“, „Ich komme von beiden Seiten“. Leider erinnere ich mich nicht an alle, aber dass dieser Stil aufgegriffen wird, finde ich ziemlich super. Die Art von Humor passt gut zur Zielgruppe und außerdem ist ein Wiedererkennungseffekt vorhanden.

Mut zum Humor

Ohne diese Kenntnis zieht die Karte wahrscheinlich nicht ganz so sehr, ist aber trotzdem nicht schlecht. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass die SSB immer wieder auf die Spaß-Schiene geht, weil sie dadurch sympathisch erscheint. Und das passt, soweit ich das mitkriege, auch zum restlichen Image.