Das erste Mal – eBook-Erinnerungen im Fokus

Und es gibt sie immer noch: Blogparaden! Ich frage mich seit Jahren immer mal wieder, ob sie ausgestorben sind, aber meist in diesem Moment taucht wieder eine auf. Wie diese hier zum Thema Mein erstes E-Book #1stebook – und an was ich mich erinnere! – kleiner Spoiler vorweg: Weder Dennis noch ich erinnern uns an besonders viel. Aber an dem, woran wir uns erinnern, möchten wir euch gern teilhaben lassen.

Dennis‘ Gedankenfetzen:

Meine ersten „eBook“-Lektüren wagte ich irgendwann in den frühen 2000ern. EPUB lag noch in weiter Ferne, aber PDF gab’s ja schon länger, und so kursierten per eMail damals diverse Texte unter uns Schülern: Von hanebüchenen Verschwörungstheorien über Erotik bis hin zu schlechten Scans populärer Bücher war alles dabei. Ungefähr dieselbe Qualität (inhaltlich wie formal) hatten dann die Reader an der Uni, die ebenfalls als PDFs zur Verfügung gestellt wurden; es war die große Zeit des Rechtsstreits um §52b.

Mein erstes EPUB habe ich dann übrigens 2012 gelesen – nachdem ich bei dotbooks angeheuert hatte, ergab sich das von selbst. Ich denke, es handelte sich um Roman Breindls „Das Neuburg-Rätsel“.

Hannas Erinnerungsfragmente:

Ich nehme an, dass ich die ersten eBooks auf meinem Laptop gelesen habe, wobei das sicher nur Einzelfälle waren. Richtig los ging es Ende 2011, als ich noch bei einem großen deutschen Zwischenbuchhändler gearbeitet habe, da man zum Weihnachtsfest dessen eReader zum Mitarbeiterrabatt erwerben konnte (den regulären Preis war er auch in der Tat nicht wert …). Dieser hat dann auch prompt bis letztes Jahr durchgehalten. Glücklicherweise habe ich kurz danach beim JVM-Jahrestreffen einen Tolino gewonnen, so dass ich hardwaretechnisch wieder versorgt bin.

Zwar erinnere ich mich nicht konkret an mein erstes eBook, aber es dürfte recht sicher aus dem Erotik- oder Fantasy-Genre kommen. Im Falle der Erotika spare ich mir gern das eindeutige Cover und kann auch in der U-Bahn „inkognito“ lesen. Und beide Bereiche bringen leicht lesbare Bücher hervor, die ich gerade auf langen Bahnfahrten sehr schätze.

Das Ende vom Lied

Wir hatten wohl beide kein einprägsames Erweckungserlebnis, von dem wir hier erzählen und fabulieren können. Das lag bestimmt auch daran, dass wir uns studientechnisch und beruflich schon recht intensiv mit eBooks auseinander gesetzt hatten und einfach wussten, was auf uns zukam. Die Umsetzung der Theorie in die Praxis ist ja meist unspektakulärer, als man sie sich vorstellt. Heute sind eBooks selbstverständlicher Bestandteil unseres Lesens, so dass jegliches Gefühl des besonderes Erlebnisses und erst recht der Zauber des Anfangs verschwunden sind. Aber das ist nicht traurig oder deprimierend, im Gegenteil. Es zeigt, dass unsere ersten eBook-Lektüren uns dann doch nicht mehr losgelassen haben und wir sie über die Jahre hinweg immer weitergetragen haben. Es geht nicht mehr ohne und wir wollen das auch gar nicht.

Copyright: Megan Trace via Flickr cc

CONTENTshift: Fünf Fragen an Dorothee Werner

CONTENTshift (Website), das Accelerator-Programm des Börsenvereins für die Content-Branchen, befindet sich seit April 2016 in der Bewerbungsphase und läuft am 1. Juli an. Wir haben Dorothee Werner, die das Programm auf Seiten des Börsenvereins betreut, fünf Fragen gestellt!

Von wem kam die Idee zum Accelerator „CONTENTshift“ des Börsenvereins?

CONTENTshift: Dorothee Werner, Börsenverein
Dorothee Werner. (c) Börsenverein

Die Idee entstand im Rahmen der Eisbrecher-Tour und der Events des Börsenvereins für den startup-club. Das sind Netzwerkveranstaltungen in ganz Deutschland, bei denen wir Start-ups mit der Buchbranche zusammenführen. Dabei wurde deutlich, dass ein riesiges Interesse auf beiden Seiten besteht. Auf Seiten der Start-ups, weil sie mehr über die Branche erfahren und sich mit den Menschen vernetzen wollen, und auf Seiten der Verlage und Buchhandlungen, die von den Arbeitsweisen kleiner, agiler Teams lernen wollen. Aber auch, weil die Unternehmen sehen, dass notwendige Innovationen oftmals erst durch Start-ups und innovative Kooperationen in die Branche gebracht werden.

Welche Ideen stehen im Fokus – für welche Startups ist es sinnvoll, sich zu bewerben?

Generell möchten wir das nicht allzu weit eingrenzen. Die Branchengrenzen verschwimmen, es wäre töricht mit Abgeschlossenheit darauf zu antworten. Letztlich hängt der Wert eines Start-ups für die Branche aber auch nicht von der ursprünglichen Idee ab, sondern von dem Markt, den die Gründer betreten wollen. Ein Beispiel: Start-ups, die auf NFC- und anderen Lokalisierungs-Technologien aufbauen, sind in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen. Ob sie aber Lösungen für Heimwerkermärkte oder für Buchhandlungen entwickeln, ist zunächst zweitrangig. Deswegen ist für uns wichtig, dass sich das Geschäftsmodell unabhängig von der Idee auf das Konzept Inhalte übertragen lässt. Denn im Grunde ist die Buchbranche keine, die nur von papierenen Seiten zwischen einem Deckel abhängt. Vielmehr transportiert sie Inhalte in die vom Kunden gewünschte Form.

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Welche „etablierten Unternehmen“ sollten sich einkaufen – und was bekommen sie dafür?

Sechs Unternehmen haben jeweils 10.000 Euro in den Accelerator investiert: Bonnier Deutschland, Holtzbrinck Digital, Thalia, die Thieme Gruppe, StoryDocks und die österreichische MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung. Diese Unternehmen beteiligen sich, weil sie auf diese Art exklusiv eine große Zahl von Ideen und internationale Start-ups zugeführt bekommen. Sie werden Teil der Jury, die die spannendsten Geschäftsmodelle bewertet. Außerdem unterstützen wir die Unternehmen durch unseren Partner Media Deals bei allen Fragen des Investitionsprozesses. Aber nicht nur die Start-ups profitieren vom Wissen der Investoren. Umgekehrt können die Investoren die unverbrauchten Herangehensweisen und den Input der Gründer auch für ihre eigenen unternehmensinternen Fragestellungen nutzen.

Viele Accelerator-Programme laufen über längere Zeit und schließen mit einem Demo-Day ab. Was soll am Ende des dreimonatigen „Content Shift“ stehen?

Acceleratoren haben grundsätzlich eher eine kürzere Laufzeit als Inkubatoren. Bei CONTENTshift müssen die sich bewerbenden Start-ups die Ideenfindungsphase bereits abgeschlossen haben und ein Geschäftsmodell vorlegen können. Das Programm läuft zur Frankfurter Buchmesse aus. Dort können die verbliebenen fünf Start-ups vor internationalen Investoren pitchen und das Sieger-Start-up wird mit 10.000 Euro prämiert. Außerdem bieten wir den Gründern die Möglichkeit, gemeinsam in einer Start-up-WG zu wohnen und führen sie vor Ort in die Branche ein. Auch eine Messepräsenz für die Jungunternehmer ist garantiert.

Abschließend: Wie zufrieden ist der Börsenverein insgesamt bislang mit den Start-up-Aktionen von protoTYPE bis zur Start-up-Area auf der Frankfurter Buchmesse?

Sehr. Neben protoTYPE, der Konferenz digital*litera und den Eisbrecher-Events gibt es auch den startup club. Und bei allen Projekten und Aktionen spüren wir eine große Offenheit, Neugier und Begeisterungsfähigkeit auf den Seiten der Gründer und der etablierten Branchenunternehmen. Dass Austausch stattfinden muss, damit eine Branche innovativ bleibt, daran zweifelt heute niemand mehr. Und der Erfolg hat unserem Riecher recht gegeben: Aus 16 Projekten bei protoTYPE sind drei echte Unternehmen hervorgegangen – eine gute Bilanz!

Die #rpTEN in 6 Mal 140 Zeichen

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Jeder ist mit technischen Devices ausgestattet und für Pausen lockt das Bällebad 😉

Unsere erste re publica! Wir möchten keinen langen Bericht darüber verfassen, in dem wir ausführlichst von den Essenspreisen, der WLAN-Qualität und ähnlichem berichten, sondern in maximal 140 Zeichen auf drei unserer Lieblingssessions eingehen.

Die Top3-Sessions von Dennis:

  • @wilddueck über #cargokulte
    Ruhig, unterhaltsam, wie immer lehrreich: wir alle sind Anhänger und beschwören Flugzeug-Geister (oder Kreativität durch #designthinking)
    Session und Video: https://re-publica.de/16/session/cargo-kulte
  • Richard Sennett – The City as an Open System
    Modernes Stadtdesign reduziert Komplexität zu sehr: Gruppen separiert, Systeme geschlossen, „all look alike“. Gefährliche Apartheid. #BeOpen
    Session und Video: https://re-publica.de/16/session/city-open-system

Die Top3-Sessions von Hanna:

Und zum Abschluss noch ein kurzes Video, wie es aussieht, wenn man Virtual Reality Sachen testet:

Abwechslungsreicher Auftakt – Rückblick auf die neue Konferenz #dico16

Blick vom ersten Stock in den Vorraum, in dem man sich in den Pausen zum Netzwerken traf.
Blick vom ersten Stock in den Vorraum, in dem man sich in den Pausen zum Netzwerken traf.

Holla – war das ein Auftakt! Die Direttissima (#dico16) hat es gleich beim ersten Mal geschafft, mich – und soweit ich mitbekommen habe, viele weitere Teilnehmer  – von ihrem Format zu überzeugen. Der Blick über den Tellerrand wurde gelobt, die kurzen Speakerslots, die stimmige Organisation … aber von vorn.

Zum ersten Mal von der Direttissima gehört habe ich am Anfang des Jahres. Ich fand die Veranstaltung deshalb interessant, weil ich die Möglichkeit sah, viele Leute zu treffen, die ich kenne, aber gleichzeitig der allzu enge Buchfokus dieses Mal fehlen sollte – da ich seit Herbst in einem Fachzeitschriftenverlag arbeite, kann ich damit nämlich nicht mehr viel anfangen. Auch preislich war die Konferenz m.E. so angelegt, dass man sie mal auf gut Glück ausprobieren und auch den Arbeitgeber davon überzeugen konnte.

Als ich dann das finale Programm sah, dachte ich noch, dass das ein ganz schön straffes Programm werden würde. Das hat sich auch bewahrheitet: Es gab jede Menge kurzer Vorträge – was ich als jemand, der lange Vorträge sehr schnell langweilig findet, ziemlich toll fand! Ich konnte dadurch viel kreativen Input mitnehmen und hatte auch viel weniger „Durchhänger-Phasen“ als bei vergleichbaren Veranstaltungen.

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Der quasi namensgebende Vortrag, in dem Bergsteiger Stefan Glowacz vom Weg zum Gipfel erzählte.

Die Vorträge selbst drehten sich um verschiedenste Digital-Themen: von Coworking und Plagiaten über Vernetzung und Empathie im Netz bis hin zu Inszenierung und Hilfe im digitalen Raum. Die Liste der Redner war vielfältig und beinhaltete auch hochkarätige Redner wie Dirk von Gehlen, NeinQuarterly oder Sina Trinkwalder.  Besonders schön fand ich dabei, dass auch für „gesellschaftlich wertvolle“ Beiträge wie „Help!“ oder „Woman in Tech“ Platz geschaffen wurde.

Ich will nicht verhehlen, dass ich am Ende des Tages durchaus ziemlich ausgelaugt war. So viel Input von der Bühne und dazu das regelmäßige Twittern (das zumindest ich nicht gewohnt bin) können einen ziemlich schaffen. Glücklicherweise gab es regelmäßige Kaffeepausen mit leckerer Verpflegung und die Möglichkeit, vor der Alten Kongresshalle frische Luft zu schnappen.

 

Was ich sonst noch positiv fand:

  • der späte Beginn um 10 Uhr – super für Ungern-Frühaufsteher wie mich!
  • die „Beschilderung“ von der U-Bahn aus – ich hätte mich sonst von Google Maps wohl in einem großen Bogen zur Alten Kongresshalle leiten lassen
  • das Programm war auf der Rückseite des Umhängeschilds mit dem Namen  abgedruckt – wahnsinnig praktisch, weil ich sonst auf Events immer noch einen zusätzlichen Zettel mit mir rumschleppe

 

Whisky-Proben für die Diskussion über Emotionen und Genuss - mit und über Whisky.
Whisky-Proben für die Diskussion über Emotionen und Genuss – mit und über Whisky.

Was man beim nächsten Mal – und ja, ich hoffe auf eine Wiederholung – noch verbessern könnte:

  • der Blick über den Tellerrand war mehr eine theoretische Angelegenheit. In den Vorträgen war er vorhanden, bei den Teilnehmern habe ich hauptsächlich alte und neue Bekannte aus der Buchbranche entdeckt und kennengelernt.
  • die Location fürs Abendessen und die Party hatte leider kein laktosefreies Essen, weshalb ich dann schon gegen 21 Uhr abgedampft bin, um mir essbares Essen zu suchen
  • Redner, die ihre Redezeit über die Maßen überziehen, dürfen meiner Ansicht nach ruhig der Bühne verwiesen werden – just my two cents

Echte Fans und echte Ausbrecher: Ein Interview mit Chris Guillebeau zu #bornforthisbook

Chris Guillebeau ist Entrepreneur, NYT-Bestseller-Autor, Weltreisender (er hat alle Länder der Erde besucht). Am 5. April erscheint sein neues Buch „Born for this“ auf Englisch bei Crown Business. Über eine deutschsprachige Version geht es auch im Interview. Deutsche Ausgaben von Chris‘ Büchern erscheinen unter anderem bei meinem alten Arbeitgeber mvg-Verlag („Die Kunst, anders zu leben„).

418-K2XHl8L._SX329_BO1,204,203,200_Who exactly needs this book – and why do they need it? Who did you have in mind when you wrote „Born for This“ – freelancers, employees wishing to break free, entrepreneurs?

This book is for anyone who wants to “level up” — to make a massive difference in their life and work. As I mention in the introduction, if your job sucks, gaining the right to leave early one Friday a month won’t help. If you’re in debt or need more money, a 4% raise won’t do it.

The goal is to help people gain the tools and resources they need to thrive in their careers, whether by working for themselves or as part of a larger company or organization.

 

What’s the one message every reader should get after reading the book?

Most successful people make active choices, not passive ones. Sure, there’s more than one path you can go down—but the more you learn about yourself and apply those lessons to your job search or business-building plan, the better off you will be.

One of the most interesting ideas in the book is, that we are all more or less self-employed, especially in times of uncertain jobs, the „working poor“ and non-linear career paths. What’s the single most important skill people should have, get or train these days, in your opinion?

In the book I make the distinction between “hard skills” (what you learn in school) and “soft skills” (what’s needed to stand out in the workplace). People often focus on improving their hard skills, like learning new software or gaining a particular certification, but it’s just as important to build up your soft skills.

The art of follow-through is especially important—learn to be that person everyone trusts to see something through. When you say you’re going to do something, make sure you actually do.

How do you choose your partners in business – for example, why did you publish your book with Crown Business? How do you choose assistants, editors and co-founders for your ideas?

I’m not necessarily that strategic. I work with a very small group of people—fewer than 10 on a regular basis. Of course, the community is much larger, but those are the ones I work with consistently and every day. Crown Business has been a strong partner for years and in the U.S. at least, I think they’re the best at what they do. My assistant got the job after she volunteered to complete a menial task for free. She did a great job on it and so I said … “Want to do more and actually get paid?”

A similar question: Someone comes to you and asks: „I’m past 50 now and still wasn’t able to do anything with my life but sell my time and energy to an employer, is there still hope?“ – What do you say?

There are a lot of people in my community who are facing that situation. So the first thing I’d say is “You are not alone.” Having a “second act” can be very powerful. Past age 50, you may feel that you don’t have the technological skills of a younger generation. But these are things that anyone can learn. What you do have is life experience and wisdom. Your goal is to transfer that experience and wisdom into the second act.

You recruited a small army of your own to help promote the book, your „street team“. What qualifies people for this quest – and what do you expect from them?

I’m not sure it’s a proper “quest”—mostly I just need help! My books have been successful in the past not because of some big marketing effort, but because regular people have told others about them. I always want people to take action on the ideas in my books, not just read them for entertainment. So the Street Team is critical to that effort.

Are you going to come to Europe, and especially relevant to the readers or „Alles fließt“: will there be a German edition of #BornforthisBook?

Absolutely! I don’t know the timing yet but there will definitely be a German version and I’d love to tour in Europe to meet readers. As soon as I have dates, we’ll post them on BornforThisBook.com.

Header foto: Chris Guillebeau @Flickr

Die #dico16-Macher im Interview

Direttissima – The Conference ist eine eintägige Konferenz, die am 22.4. von 10–18 Uhr in der Alten Kongreßhalle, München, zum ersten Mal stattfindet: die #dico16. Wir haben die Macher hinter der Konferenz interviewt: Robert Goldschmidt und Felix Wegener von diretissima.

Sagt uns doch bitte eingangs in jeweils einem Satz, wer ihr seid, was ihr macht und worum es bei der #dico16 geht!

Wir sind die Inhaber der neuen Marketing- und Web-Agentur DIRETTISSIMA im Münchner Westend. Als eines unserer ersten Projekte veranstalten wir am 22.04.2016 die gleichnamige Konferenz für die Verlags- und Medienbranche.

Konferenzen gibt es viele, und jedes Mal, wenn man eine Ankündigung liest oder eine Einladung erhält, fragt man sich: Wofür braucht es jetzt ganz konkret diese Konferenz auch noch? Daher die Frage: Was erwartet die Besucher auf der direttissima, was sie nirgendwo anders bekommen? Was ist der wichtigste Mehrwert?

www.raimund-verspohl-portraits.com
www.raimund-verspohl-portraits.com

Wir haben gesehen, dass die meisten Veranstaltungsformate sehr auf die eigene Branche oder auf ein dezidiertes Thema konzentriert sind. Dabei werden andere Arbeits- und Lebenswelten angeschnitten oder über Keynotes aufgegriffen.
Wir wollen hierbei einen Schritt weitergehen und die Vielfältigkeit aller Branchen vorstellen. Es gibt unzählige Innovationsen- und Lösungsansätze für Probleme der Gegenwart. Diese entwickeln sich aber je nach Branche in unterschiedlichen Zeiten, Ausprägungen und Problemfeldern. Dass man voneinander lernen kann ist unbestritten. Wir möchten mit der DIRETTISSIMA eine Konferenz für die Verlags- und Medienbranche etablieren, die auf Branchendurchlässigkeit setzt und die Themen von Außen einholt.

Ihr wollt ganz gezielt die Buchbranche in der Themen- und Referentenwahl verlassen. Trotzdem sind mit Wibke Ladwig, Leander Wattig, Dirk von Gehlen und anderen die „alten Hasen“ unter den Buch- und Presse-Digitalos vertreten. Was ist euer Plan für den Brückenschlag über die Branchen hinweg?

Das auch Branchen-bekannte Referenten mit an Bord sind stützt nur unsere Idee und Denkweise. Denn die Perspektive muss auch für die vielen Teilnehmer aus anderen Branchen möglich sein. Die Auswahl der Speaker und somit die perfekte Mischung ist für eine – erstmalig durchgeführte – Konferenz auch immer ein spannender Prozess. Durch die Vielfältigkeit – auch bei bereits bekannten Referenten – der neuen Themen unterscheidet sich die DICO und versucht mit viel Austausch und Nähe den erwähnten Brückenschlag.

„Die #dico16-Macher im Interview“ weiterlesen

Ein Blick über den Tellerrand [Metamorphosen]

Unsere Reihe Metamorphosen behandelt Lebens(abschnitts-)wege, die nicht ganz linear verlaufen. Quer-Ein/Aus/Um-Steiger (vor allem aus der Medienbranche) zeigen, dass es spannender geht als vierzig Jahre dasselbe zu machen.

Vertriebler. Das sind knallharte Jungs. So wie Leonardo DiCaprio als Wolf of Wall Street. Man sieht den Spaß am Verkaufen und den Nervenkitzel nie zu wissen, wie der Kunde reagiert oder was der nächste Augenblick einem bringt. Genau diese Magie hat mich in ihren Bann gezogen. Momentan sehe ich mich zwar noch nicht als knallharte Verkäuferin. Aber ich denke mir, man kann alles lernen. Es darf einem nur nicht langweilig werden. Doch stop, lieber alles der Reihe nach …

Als Buchwissenschafts-Erstsemestler in Erlangen hatte ich noch den großen Traum vom Lektorat. Von tollen spannenden Geschichten, in die man eintauchen kann. Aber dann veränderte sich durch jedes Praktikum, durch jeden Nebenjob mein Berufswunsch ein kleines bisschen mehr. Ich wollte keine Geschichten mehr schaffen. Ich wollte die fertigen Bücher unter die Leute bringen; Menschen damit glücklich machen; ihnen das Gefühl geben, genau das Passende für sich gefunden zu haben.

Kein Wunder, dass ich mich freute, als ich direkt im Anschluss an meinen Bachelor die Stelle als Vertriebsvolontärin in der Münchner Verlagsgruppe bekam. Das große „A“ wurde mir als Schwerpunkt meiner Tätigkeiten genannt. Und dass der Kunde wirklich meine meiste Zeit in Anspruch nehmen sollte, merkte ich schnell: Ich bekam einen umfassenden Einblick in Logistik, Verkaufspräsentationen, Verhandlungen, Auswertungen, Produktplatzierungen, Datenoptimierung und Marketingaktionen. Jeder Tag war eine neue Challenge. Jeden Tag checkte ich die Bestände und verfolgte freudig die Verkaufszahlen nach Presseterminen etc. Ich genoß viel Vertrauen und durfte recht schnell eigenständig und selbstverantwortlich arbeiten. Das hat mich nicht nur vertrieblich, sondern auch persönlich gefordert und – wie ich denke – weitergebracht. Es war eine wirklich sehr lehrreiche Zeit (Danke liebe Sigrid!). Jedoch habe ich auch gemerkt, dass es wohl noch nicht alles gewesen sein kann. Ich hatte keine Lust mehr jeden Tag zwei bis drei Stunden zur Arbeit zu pendeln und abhängig von Bahnstreiks, Unwetter etc. zu sein. Ich hatte auch Lust etwas komplett Neues auszuprobieren: Neue Produkte, neue Kunden, neue Märkte. Nur eins war für mich klar, ich wollte im Vertrieb bleiben. So machte ich mich gegen Ende meines Volontariats auf die Suche nach weiteren Herausforderungen …

… die ich dann auch schon sehr bald bei Suxxeed fand. Hier vertreibe ich keine Bücher mehr, sondern arbeite im Telekommunikationsbereich. Ich kämpfe jeden Tag nicht mehr nur mit dem Problemen von einem großen Kunden, sondern habe genau das, was ich wollte: andere Produkte, viele unterschiedliche Kunden und einen für mich komplett unbekannten Markt. Ich habe manchmal das Gefühl, es gibt dort 1000 verschiedene Akteure und ich muss erst schauen, wo mein Platz ist und muss diesen dann auch auf Dauer behaupten.

Ich bin gespannt, wie mein Leben weitergeht. Was ich aber auf keinen Fall bereue ist, dass ich mich auf etwas Neues eingelassen habe. Sofort ab meinem ersten Tag habe ich mich in meinem Team wohlgefühlt. Meine Kollegen haben mich offen und herzlich empfangen. Ich habe irgendwie gemerkt, dass wir alle etwas gemeinsam haben. Das ist Kampfgeist, Teamspirit, Offenheit und vor allem Spaß daran, mit Menschen zu sprechen und zu arbeiten. Natürlich ist es auch wichtig, dass man von seinem Produkt begeistert ist und sich damit identifizieren kann, aber am Schluss, denke ich, zählt die Freude an der Arbeit, auf die es ankommt, und die habe ich nicht nur in der Buchbranche gefunden. 🙂

Veronika Geis hat nach ihrem Abitur Buchwissenschaft und Germanistik an der FAU Erlangen studiert. Mit einem Volontariat bei der Münchner Verlagsgruppe GmbH stieg sie ins Berufsleben ein. Heute lebt sie in Nürnberg und arbeitet beim Vertriebsdienstleister Suxxeed GmbH als Junior Account Manager. [Xing] [Facebook]

Medienwandel: Das Telefon nervt!

Telefonieren nervt mich. Nicht immer – es gibt Sachen, die lassen sich in 5 Minuten am Telefon klären, würden aber stundenlangen Mailkrieg bedeuten. Es gibt Sachen, die bergen bei schriftlicher Kommunikation großes Konfliktpotenzial, während die Umstände ein persönliches Treffen nicht zulassen. In einer „Telefonkonferenz“ (oder einem Hangout) lässt sich auch oft besser brainstormen als via Mail, Chat, Messenger.

Aber meistens nervt das Telefon, besonders, wenn ein spontaner Anruf den Workflow zerschießt oder man sich mehrfach verpasst und aneinander vorbei telefoniert. Eine Mail kann ich in beiden Fällen genau dann beantworten, wenn ich Zeit und Muße dafür habe. Das sehe zum Glück nicht nur ich so, sondern auch z.B. Frank Krings (Pressemann der Frankfurter Buchmesse):

Selbst auf dem Telefon bildet sich eine Staubschicht. Denn Telefonieren ist für mich einer der unhöflichsten Kommunikationskanäle. Man bimmelt andere Menschen aus ihrem Workflow heraus um JETZT – genau JETZT – eine Information zu bekommen.

Oder der ZEIT-Autor Stefan Schmitt, der uns einen schönen Anti-Telefon-Rant zu Weihnachten schenkte:

Dies wird keine Kritik der ständigen Erreichbarkeit, kein Always-online-Lamento. Im Gegenteil, ich mag den Fortschritt und hätte gern mehr davon. Telefonieren aber ist rückständig, eine Kulturtechnik des letzten Jahrhunderts.

Eine der schönsten Argumentationssammlungen zum Thema bietet aber mein Lieblingsprovider Uberspace (auf deren Server auch Alles fließt läuft):

Wenn du Fragen hast, wende dich per Mail an uns. Mails können wir demjenigen im Team zuweisen, der am meisten Ahnung vom angefragten Thema hat; wir können Vorgänge von einem Kollegen zum anderen übergeben, ohne dass der alles nochmal fragen muss; wir können dir auch Jahre später eine früher mal gegebene Antwort erneut raussuchen. Manchmal müssen wir schlicht auch einfach erst etwas prüfen oder nachschlagen, bevor wir dir eine fundierte Antwort geben können – die kommt in den allermeisten Fällen in unter 24 Stunden.

Aber es gibt noch mehr Gründe, warum wir auf Telefonsupport verzichten: URLs lassen sich nur wahnsinnig schlecht am Telefon diktieren, und Screenshots verschicken sich per Mail auch viel besser, als dass sie sich mündlich erklären lassen. Zu guter Letzt ist Telefonsupport bei der Größe unseres Teams schlicht und einfach schwer zu bewältigen und ein Callcenter oder ähnliches kommt uns aus den oben genannten Gründen nicht in die Tüte.

Seien wir doch mal ehrlich: Wer telefoniert heutzutage noch, wenn es auch anders ginge?

  • Verliebte
  • Beste Freundinnen (wobei mir diese Welt als Mann recht verschlossen bleibt)
  • Drückerkolonnen in Telefonzentren
  • Tech-Support-Mitarbeiter, aber nur, wenn die Kunden keinen besseren Weg geboten bekommen oder zu alt sind
  • Hotel-Rezeptionen, die das als „Service“ missverstehen (und einen zwingen, Mailadressen falsch zu buchstabieren)
  • Meine Oma

Selbst meinen Eltern habe ich Mail als Standard-Kanal antrainiert.

Also: Mut zur Mail!

Update 16.06.2016:
Das Thema „Telefonschwäche“ ist gar nicht so selten, wie man diesem Blogpost, dem Reblog bei Edition f und auch älteren Artikeln bei z.B. SPON entnehmen kann.

Support, Beratung, Conversion und Kundenbindung: Live-Chat-Systeme

Für unser Projekt digital.danach bin ich kürzlich über ein spannendes Tool gestolpert: Live-Chat-Systeme. Ihr kennt das vielleicht: Ihr surft auf eine Website und plötzlich öffnet sich ein Chat-Popup, in dem ihr gefragt werdet, ob man euch helfen kann. Falls ihr das noch nicht kennt, surft auf Snapengage und haltet euch dort eine Zeit lang auf. Vielleicht bietet euch auch euer Hosting- oder Mobilfunkprovider Support mittels eines Chats an.

Was bringt das nun? Angeblich jede Menge Verbesserung bei Conversions, bessere Kundenbindung und aktive Ansprache. Ich kann mir für die Zukunft zwei Szenarien vorstellen: Erstens, dass das das neue große Ding in der direkten Kundenansprache wird. Dann darf bald jeder Website-Beauftragte kleiner und mittlerer Unternehmen die Seitenbesucher anschreiben.

Ist das gruselig?

Zweitens ist vorstellbar, dass User diese Art der Ansprache als Gängelung empfinden und es sehr schnell wieder eingestampft bzw. auf wirklich supportintensive Seiten oder hochaktive Zielgruppen beschränkt wird. Ich sehe spontan einige Argumente für das zweite Szenario: Der erste Eindruck war gruselig, von einem Menschen durch die Seite verfolgt zu werden. Ich weiß, dass Tracking-Algorithmen dasselbe tun, aber es fühlt sich anders an, wenn ich darauf durch einen Menschen aktiv hingewiesen werde.  Und dass mich ein Mitarbeiter aus Berlin kontaktiert, weil ich eine deutsche IP habe, aber einer aus NYC, wenn ich eine amerikanische nutze.

Wie lässt sich das nutzen?

Man sieht, was jemand tippt - auch ohne Absenden.
Man sieht, was jemand tippt – auch ohne Absenden.

Aber zur spannenden Frage der Umsetzung: Aus Gründen der Einfachheit (und der Kosten) habe ich mich dazu entschieden, das Tool von tawk.to in digital-danach einzubinden. Das geht schnell: Registrieren, Seite anlegen, Plugin für WordPress installieren, aktivieren und einrichten. Das kostet etwa 5 Minuten und keinen Cent. Ich kann bestimmen, was das Popup sagt, wenn ich offline bin (etwa mein Gesprächszeiten) und sehe auf einem komfortablen Dashboard alle Besucher, eingehenden Chatanfragen und Aktivitäten. Gruselig wird es aber auch hier: Ich sehe, was Chatpartner tippen – nicht nur, was sie absenden. Mein schlechtes Gewissen wird auch durch die Mobile-App (Android, auch iOS). nicht beruhigt und führt dazu, dass ich rasch die Datenschutzbestimmungen aktualisiere.

Datenschutz & Alternativen

Der Besucher wird anhand der IP identifiziert und lokalisiert. ZenDesk oder Router-Neustart helfen ...
Der Besucher wird anhand der IP identifiziert und lokalisiert. ZenDesk oder Router-Neustart helfen …

Immerhin trackt das Tool nur die IP – es werden bis dato offenbar keine Cookies verwendet, um wiederkehrende Besucher mit neuer IP zu identifizieren. Das beruhigt zumindest im Ansatz. Allerdings werden die Nutzerbewegungen und personenbezogene Daten (IP, Provider) auf einem litauischen Server gespeichert. Eine ebenfalls kostenlose, selbstgehostete Alternative ist LiveZilla (das auch für kostenpflichtige Chats genutzt werden kann). Nachteil: Hier kann ich nur einen CallcenterChat-Agenten anlegen, mehrere Agenten bedingen die kostenpflichtige Lösung (ab 70 Euro).

Was mich interessiert: Habt ihr Erfahrungen mit Live-Chats und könnt mehr zu rechtlichen und praktischen Fragen sagen?

Eins, zwei, fertig – Beitrag zur Blogparade #jetztentscheideich

Meine letzten Entscheidungen drehten sich um Jobangebote. Also durchaus wichtige Entscheidung, von denen man denkt oder sagt, dass man sie mit Bedacht fällen sollte. Trotzdem habe ich im Nachhinein festgestellt, dass sie eigentlich schon innerhab weniger Sekunden von meinem Bauchgefühl entschieden worden waren. Alles andere danach war eher der Gegencheck aus rationaler Sicht, ob die Entscheidung wirklich richtig war oder nicht doch zu überstürzt getroffen wurde. Im folgenden Artikel beschreibe ich, wie Entscheidungsfindungen bei mir vonstatten gehen und worauf ich dabei besonders achte.

  1. Ohne fundiertes Wissen geht nix!
    Eine wichtige Voraussetzung, um guten Gewissens gute Entscheidungen treffen zu können, ist meines Erachtens, genug über den Fall zu wissen. Wenn ich ahnungslos bin, wie ich mich entscheiden soll, liegt das oft daran, dass ich noch zu wenig weiß – über das Thema an sich, über die möglichen Folgen und Auswirkungen oder auch über beteiligte Personen. Das ist zum Beispiel auch der Fall, wenn ich im Supermarkt stehe und die Wahl zwischen zehn verschiedenen Sorten Müsli habe. Sobald ich aber meine Laktose-Intoleranz, den Wunsch nach wenig oder keinem Zucker und nach möglichst wenig Kohlenhydraten einbeziehe, verringert sich die Auswahl sukzessive und ich kann nach meinen persönlichen Geschmacksvorlieben entscheiden. Natürlich können auch weitere Faktoren wie der Preis oder die Farbe der Verpackung (*räusper*) eine Rolle spielen. Aber letzten Endes geht es nicht darum, alle potenziellen Faktoren einzubeziehen, sondern nur die, die für einen selbst wichtig sind. Kurz: Wissensqualität vor Wissensquantität.
  2. Ausgeruht sein
    Klingt ziemlich banal, zugegeben. Ist aber ein Faktor, der mir jedes Mal wieder auffällt, wenn ich vor besagtem Supermarktregal stehe. Oft bin ich müde vom Arbeitstag und dazu geflasht von der großen Auswahl. Umso schwerer tue ich mich damit, eine optimale Entscheidung zu treffen. Und klar, irgendwie schmecken die Nudeln ja alle gleich, aber das Prinzip lässt sich trotzdem auf weitere Bereiche übertragen. Ich weigere mich mittlerweile, an Tagen, an denen es mir nicht gut geht – weil ich schlecht oder zu wenig geschlafen habe, krank bin oder was auch immer –, schwer wiegende Entscheidungen zu fällen oder auch nur intensiv über wichtige Themen nachzudenken. Beim Nudelkauf kann ich nicht viel passieren, aber bei wichtigeren Fällen kann einiges schiefgehen, da ich weiß, dass ich viel negativer als sonst über alles denke. Und in diesem Zustand will ich keine Entscheidungen treffen. (Ich weiß, das klingt ein bisschen so, als wäre mal etwas schief gelaufen. War aber nie der Fall. Zum einen, weil ich mich sowieso gern zurückziehe, wenn ich zu müde bin, und einfach ein paar Stunden Serien gucke. Zum anderen, weil ich mich, wenn doch mal dringende Entscheidungen anstehen, in der Regel auf mein Adrenalin verlassen kann. Ich stehe dann genug unter Strom, um all die Dinge zu erledigen, die erledigt werden müssen. Sprich: Wenn ich funktionieren muss, tue ich das meistens, auch wenn ich überhaupt keine Lust darauf habe.)
  3. Bauchgefühl sticht
    Prinzipiell entscheidet nicht mein Kopf, sondern mein Bauchgefühl. Das bezieht natürlich das bisher gesammelte Wissen und die Erfahrungen ein. Trotzdem ist es ein bisschen irritierend, beim Abwägen der Argumente festzustellen, dass die Entscheidung innerlich längst getroffen wurde, und sich jegliche andere Entscheidung überhaupt nicht gut anfühlen würde. Nichtsdestotrotz finde ich es gut und in gewisser Weise auch beruhigend, dass mein Bauchgefühl so schnell reagiert und damit sicherstellt, dass ich nicht aus den falschen Gründen Entscheidungen treffe. Ich habe vor Kurzem ein Angebot für einen Job bekommen, der zwar einige interessante Punkte hatte, aber im Großen und Ganzen nicht zu mir passte. Mein erster Gedanke, als ich die Zusage las, war „Oh verdammt, das war der Job, den ich eigentlich nicht haben wollte“. Ich habe ein paar Stunden darüber nachgegrübelt und Argumente gewälzt, bis meine rationale Seite vor meinem Bauchgefühl, das sich die ganze Zeit schon gewehrt hatte, kapituliert hat. Denn der bestbezahlte Job nützt gar nichts, wenn das Aufgabengebiet nicht meinen Stärken entspricht und ich mich für zu viele Tätigkeiten einfach nicht begeistern kann.
  4. Nicht beharren
    Ein essenzieller Faktor, wenn man Entscheidungen so schnell trifft wie ich, ist, weiteren Leuten oder Beteiligten immer noch zuzuhören, auch wenn man die Entscheidung (für sich) schon getroffen hat. Denn oft übersieht man im Eifer des Gefechts doch etwas – dann auf seinem Standpunkt zu bestehen, finde ich kontraproduktiv gegenüber der Sache. Dafür ist die Voraussetzung, dass andere Menschen sich in meiner Gegenwart wohl genug fühlen, ihre Meinung offen zu äußern und mit mir zu diskutieren. Ich gebe mir seit Jahren (meiner Ansicht nach erfolgreich) Mühe, meinen Freunden und Projektpartnern den Raum für eine gegenteilige Meinung zu bieten, weil ich überzeugt bin, dass man nicht alles selbst reflektieren kann und Anstöße von außen braucht. Idealerweise spielt man sich dabei irgendwann aufeinander ein. Vor ein paar Jahren habe ich in diesem Rahmen beispielsweise das Feedback bekommen, dass man mir, bevor ich den Mund aufmache, nicht ansieht, in welche Richtung meine Meinung gehen wird, und mich daher überhaupt nicht einschätzen kann. Da ich aber gerade im Freundeskreis will, dass meine Freunde mich einschätzen können, versuche ich seitdem, mich offener und dadurch auch allgemein zugänglicher zu verhalten.
  5. Sich selbst vertrauen
    Ein letzter Tipp, den ich an den Leser bringen möchte, ist der, sich selbst zu vertrauen. Bei vielen Entscheidungen, die man nicht oder nur schwer trifft, sind meist auch Ängste im Spiel. Es ist wichtig, dass man sich darüber bewusst ist, wenn man sich aus Angst anders entscheidet, wie man es ohne tun würde. Gegen diese Ängste hilft bei mir oft, rational gegenzusteuern und mir zu überlegen, was der schlimmste Fall wäre, der eintreten könnte. Und die diffuse Existenzangst der Geisteswissenschaftler, man könnte unter der Brücke landen, wird so innerhalb kurzer Zeit zur Erkenntnis, dass man auch in arbeitslosem Zustand im deutschen Sozialsystem eigentlich ganz gut aufgehoben ist und sich zumindest ums reine Überleben keine Sorgen zu machen braucht. Daher habe ich mir auf die letzten besorgten Fragen während der Jobsuche eine Standardreaktion bereitgelegt, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, mich von der Unruhe meiner Gegenüber anstecken zu lassen: Beruhigendes Lächeln mit dem Satz „Ich lebe und ich bin gesund. Der Rest wird sich finden.“

Die berühmte Ausnahme I …

All das funktioniert ein bisschen schlechter, wenn ich Panikattacken kriege, weil akut was schief gegangen ist. Kommt schon immer mal wieder vor, zuletzt bei diesem Artikel, der bereits am 13.10. in der Entwurfsfassung versehentlich online gegangen ist – sorry an alle, die ihn schon in diesem frühen Stadium gelesen haben! Da ich in diesem Moment selbst etwas aus der Fassung war, habe ich meinen Blogpartner Dennis um Rat gefragt. Nach ein bisschen Hin und Her haben wir uns dann auf die Lösung geeinigt, dass ich den Artikel zwischenzeitlich offline nehme, bevor ich ihn in überarbeiteter Form wieder online stelle.

Freunde um Rat fragen ist sowieso immer eine gute Option, allerdings ist wichtig, dass diese sich halbwegs mit dem Thema auskennen und/oder einen als Person sehr gut kennen. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass gut gemeinte Tipps kommen, die einem überhaupt nicht weiterhelfen (vgl. den Abschnitt „Mit skurrilen Tipps umgehen lernen“ im Artikel Du willst was mit Büchern machen? Gute Nacht!). Denn letzten Endes muss man die Verantwortung für das, was man tut, selbst tragen. Natürlich würden wir uns alle öfter gern darum drücken – man denke nur daran, dass zwei oder mehr Leute in ein Restaurant gehen und niemand vorschlagen möchte, an welchen Tisch man sich setzt. Aber bevor man drei Minuten am Restauranteingang den Weg versperrt, sollte man sich lieber ein Herz nehmen und hinsetzen, auch wenn es genau an diesem Tisch ziehen könnte.

… und noch eine Ausnahme II

Eine weitere Situation, in der es anders läuft, gibt es dann, wenn keine konkrete Entscheidung zu treffen ist. Also nicht eine wie die, ob ich jetzt zur Buchmesse fahre oder lieber Geld spare – leider lief es in diesem Jahr auf die Sparvariante raus -, sondern die, wo ich eigentlich hin will in meinem Leben. Ob ich glücklich bin, wie ich mich beruflich entwickeln will usw. Diese „Entscheidungen“ geschehen sehr viel langsamer als die anderen. Zum einen, weil überhaupt die Notwendigkeit, dass ich eine Entscheidung treffen muss, erst viel später sichtbar wird als sonst. Zum anderen sind die Möglichkeiten viel weitreichender als bei „Standard-Entscheidungen“ und überhaupt stellt sich dann auch die Frage nach der Umsetzung, weil man im krassesten Fall aus einem bestehenden System ausbrechen muss und das nicht immer von heute auf morgen machen kann oder will.

Um ein bisschen konkreter zu werden: Das letzte Mal, als ich an dem Punkt war, dass sich jetzt etwas ändern muss, war vor etwa einem halben Jahr. Mein Körper hat stark gegen die damalige Situation rebelliert, ich war oft krank und hatte Probleme, mich zu entspannen. D.h. mir war durchaus bewusst, dass ich etwas verändern sollte, aber wie so oft war es mitten im Chaos oft schwer, an den Rand zu treten und wieder den Überblick zu bekommen. Geholfen hat eine Woche Urlaub in Südfrankreich fast ohne Internet, dafür mit guten Freunden, guter Lektüre und viel Zeit zum Durchatmen und Nachdenken. Danach hatte ich einen groben Plan und konnte mit Freunden darüber reden und mir weitere Ideen holen.

 

Dieser Beitrag ist die Teilnahme an der Blogparade #jetztentscheideich Über Entscheidungen und den Weg dorthin von Ute Blindert auf businessladys.de.

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