Evernote: Neue Preise, unzufriedene Kunden

Evernote: Screenshot der Startseite

Evernote ändert die Pricing-Tiers, schränkt Gratis-User ein und macht Premium teurer. Das lehrt uns ein paar Sachen:

Evernote ist schon recht wichtig

Ich nutze Evernote für so gut wie alles – von Freewrite-Dokumenten über die tägliche Aufgabenplanung bis hin zu Notizen und Web-Clippings. Ich habe da ein halbes Jahrzehnt an Informationen drin. Mich nervt, dass es keinen funktionalen Linux-Client gibt, aber vom Web-Clipper bis zur Android-App, von der Feedly-Integration bis zur Synchronisation von 5+ Geräten, funktioniert Evernote einfach. Ich bin langjähriger Premium-Nutzer und ganz zufrieden.

Evernote ist ein Unternehmen, nicht dein Freund!

Dass Evernote ein Unternehmen und keine karitative Einrichtung ist, dürfte klar sein; trotzdem sind die Vieluser, die dennoch nur einen Free-Account haben, nun etwas bedröppelt. Die Facebook-Page des grünen Elefanten zieren daher aktuell vor allem solche Einträge:

Premium-Account, sonst nur noch zwei Geräte? Einen Dreck werde ich updaten! Gehts eigentlich noch bei euch?? Wie kann ich meine Inhalte exportieren?

Oder:

Durch die Limitierung auf 2 Geräte in kostenpflichtige Tarife zwingen? Tschüß Evernote.

Klar – da meckern Leute auf hohem Niveau, die einfach den vollen Funktionsumfang haben, aber nichts dafür zahlen wollen. Vermutlich geht es Evernote auch darum, solche User loszuwerden, die sich auch in absehbarer Zeit und auch mit neuen Features nicht monetarisieren lassen. Diese User verbrauchen ja dennoch Rechenleistung und Speicherplatz.

Vertraue keinem Service, den du nicht selber hostest

Soweit, so entschuldigend für Evernote. Allerdings kommen einem natürlich Zweifel, wenn man darauf gestoßen wird, dass das Unternehmen letztlich alles mögliche tun kann, ohne dass man darauf Einfluss hat. Bei meinen Dropbox-Dateien kann ich mir zumindest sagen, dass ich in 1-2 Vormittagen das Ganze auch auf eine OwnCloud umziehen und trotzdem automatischen Foto-Upload, Synchronisation vieler Geräte und sogar mehr Speicherplatz haben kann. Beim großen E geht das nicht so einfach, da steckt mehr Software dahinter (und an die native App habe ich mich sehr gewöhnt).

Die Logik kann eigentlich nur sein: Mach dich nicht zu abhängig von Services, die du nicht kontrollierst. Ergo: Hoste selber. Das macht Arbeit, klar, man muss sich um Backups kümmern (die Synchronisationsdienste aber ja eigentlich On-the-Fly automatisch erledigen). Man muss auf ein bisschen Software aufpassen, seine Hosting-Rechnungen bezahlen etc. pp. Und man muss erst einmal eine Lösung finden, die zu den eigenen Ansprüchen passt.

Wir brauchen freie Alternativen

Und da stoßen wir bei Evernote auf ein Problem, das ich oben schon angesprochen habe: Es gibt keine wirklichen freien Alternativen (noch nicht einmal freie Clients). Wenn ich in den kommenden Tagen dazu komme, probiere ich mal Paperwork oder Laverna aus – bin aber für allerlei Tipps offen 🙂

PS: Warum so still?

Der neue Kurs von Evernote scheint mir einigermaßen wichtig, trotzdem habe ich das nur am Rande mitbekommen. Neben dem Update im Unternehmensblog finden sich kaum Meldungen, auch nicht bei t3n und Co. Als Premium-Nutzer sehe ich die Gängel-Meldungen selbst nicht, habe sie mir nur zeigen lassen. Ansonsten gibt es doch auch für alles eine Meldung in den Digital-Magazinen …

2 Gedanken zu „Evernote: Neue Preise, unzufriedene Kunden“

  1. Was mir bei freien Alternativen meist fehlt, ist, neben der Benutzerfreundlichkeit, vor allem die Verfügbarkeit über Plattformen/Betriebssysteme hinweg und die Integration mit weiteren Diensten wie IFTTT. Deswegen wird es bei mir vorerst zähneknirschend bei Evernote bleiben, obwohl mich deren Eigenart nicht alle Funktionen auf allen Systemen anzubieten, extrem nervt, ebenso wie der Abbau von Funktionen. Aber ich hab ja durch Käufe von Geräten und Notizbüchern mit Evernote-Bonus noch Premium bis 2019. *seufz*

  2. Mir fehlen dann wieder so kleine Features, die bestimmt auch bei Open-Source-Sachen einfach implementierbar wären, aber eben doch Zeit kosten, beim nächsten Update nicht mehr gehen etc … Ich habe mich z.B. sehr an die Erinnerungsfunktion von Evernote gewöhnt und würde ungerne ein System ohne sowas verwenden.

Kommentar verfassen