Links zur Urheberrechtsdebatte, Self-Publishing und Sharing

4 kurze Links zu interessanten Beiträgen – zu mehr fehlt mir aktuell leider die Zeit:

Animierte Cover?

Wir brauchen mehr Bücher, die nicht als E-Book funktionieren, weil man sie schlichtweg haben will, sich damit bereichern und sein Leben verschönern will.

So ein Zitat aus der aktuellen Buchreport-Umfrage, ob Lesen noch sexy genug ist. Ich frage mich, ob nicht auch ein eBook so gut gemacht sein kann (und denke, dafür gibt es Beispiele), dass es ästhetische Kaufargumente gibt.

Joe Konrath besieht sich in einem martialisch „JA Konrath vs. Stephen King“ betitelten Artikel die Möglichkeit animierter eBook-Cover und nimmt sich naturgemäß zunächst konservative Meinungen zur Sache vor:

Q: Joe, I HATE these covers! I believe book covers should be a single image, like they’ve always been! I’m a purist! I weep for the future of publishing!

A: Technology marches on, regardless of personal taste. Lots of people still resist ebooks (right, Mr. King?)

Ich denke persönlich nicht, dass hier die Zukunft liegt, aber wenn der Content dynamisch wird – wieso nicht auch die Verpackung? Vielleicht ist der Buchtrailer und das Cover der Zukunft ja ein und dasselbe. Just my two cents zum Wochenende!

Smart Publishing und die Zukunft von Verlagsprodukten: Ein eBook und ein Interview

Das immer wieder lesenswerte Blog „smartdigits“ hat eine Sammlung von Artikeln und Einträgen als eBook herausgegeben – kostenlos und für diverse Plattformen zum Download.

Bücher umgibt nach wie vor die Aura des Einzigartigen, des Abgeschlossenen, des von einem Autor, einem Schöpfer geschaffenen Werkes.

Ein eBook bricht diese Grenzen auf.
Es kann sehr schnell produziert werden.
Es kann sehr schnell aktualisiert werden.
Es kann Inhalte anderer Autoren und verwandte Themen schnell integrieren.
Es kann interagieren und sich mit den schon erstellten Dokumenten des Lesers vermengen.
Es kann…

Dieses eBook ist ein Experiment und in der vorliegenden Form nur der erste Schritt. Wir wollen die Möglichkeiten des Mediums austesten und zeigen, dass auch der Weg zurück sinnvoll sein kann. Vom Blog zum Buch.

Die Idee ist so nicht ganz neu – mir fällt spontan ein, dass etwa Joe Konrath seine Bloginhalte als eBook „The Newbies Guide to Publishing“ für Kindle herausgab. Aber das Buch ist lesenswert, soweit ich das bei Position 300/1696 in der .mobi-Version auf dem Kindle beurteilen kann. (Ich frage mich gerade, ob diese Seitenangaben künftig Usus werden.) Einen Werkstattbericht für die Erstellung mit Pressbooks gibt es auch.

Harald Henzler, einer der Blog- und damit auch Buchautoren, ist außerdem bei VdZu im Interview – eine kurze Lektüre, aber gut zusammenfassend: „Crossmediale Strategien im Pressewesen„.

Wie gelingt es, das Image und die Glaubwürdigkeit eines Print-Titels in andere Medien zu
übertragen?

Indem man den Markenkern des Printtitels untersucht und den Grund, warum ihn die Kunden mögen. Und dann versucht, die Bedürfnisse des Kunden über das andere, neue Medium genau zu bedienen.
Gute Printtitel haben den Vorteil, dass sie schon das Vertrauen der Kunden gewonnen haben. Sie strahlen Sicherheit und Verlässlichkeit aus. In der Fülle der Informationen ist das ein hoher Wert. Wenn es gelingt, diese Filterfunktion auch in den digitalen Medien gut zu erfüllen, ist viel gewonnen.

Die Buchbranchen-Jobbörse: Ein prominentes Abmahnopfer

Mir fiel es erst eine Woche nach Leander Wattigs Posting auf: Die Jobbörse bei wasmitbuechern.de ist verschwunden. Gestern bloggte dann auch Marcel Weiss darüber, mit den richtigen, deutlichen Worten:

Mit Abmahnung drohen. Auch eine Art, auf Disruptionen zu reagieren.

Leider eine recht verbreitete, sieht man sich an, wie Musik- und Bewegtbild-Industrie auf Streaming und Sharing reagieren. Hier muss endlich etwas passieren, denn die bloße Drohung mit einer Abmahnung reicht, um innovative und „disruptive“ Modelle, die dem User mehr Freiraum, mehr Komfort, mehr Zugang bieten, zu unterbinden. Leander fürchtet nämlich keineswegs Repressalien, nur den Aufwand, sich damit zu befassen:

Rein inhaltlich bzw. rechtlich mache ich mir da wenig Sorgen. Ich habe aber schlicht keine Lust, mich mit sowas auseinanderzusetzen.

Der Gesetzgeber ist gefordert, dem „Abmahnwahn“ Einhalt zu gebieten. Aber wenn die Interessen etwa der Verwerter betroffen sind, mahlen die Mühlen der Legislative eben umso langsamer.

"Tigerenten leben gefährlich": Ein neues Blog für den Nachwuchs

Seit einigen Tagen füllt sich ein Projekt mit Inhalten: Seit den Buchtagen wird ein Branchennachwuchs-Blog geplant, das nun an den Start gegangen ist. Einen sehr lesens- und verlinkenswerten Beitrag gibt es auch schon. Frank Krings schreibt in seinem Artikel „Tigerenten leben gefährlich“ über das, was ich „Kinderlektorats-Phänomen“ nenne: Diffuse Vorstellungen in weiten (?) Teilen des Branchennachwuchses, was denn der zukünftige Beruf werden soll. Häufig fällt dann das Stichwort „Kinderbuchlektorin!“.

Ich hatte zB einmal vor einem Seminar von Irgendwas-mit-Büchern-Studenten referiert, in dem nicht ein Einziger auch nur eine Ahnung von Ebooks, digitalem Publizieren oder den Sinn von Apps hatte. Dafür hatte jeder von ihnen ein Bekenntnis zur “Liebe zum Buch” (nur das Papierbuch natürlich) auf den Lippen und eine Berufsvorstellung, die mit “kitschig” noch freundlich umschrieben ist. Mich erinnerte diese (zu 99% weibliche) Gruppe an Studentinnen, die wir in den 90ern die “Tigerenten-Fraktion” nannten: Brav, das Gegebene hinnehmend und mit einer romantisch-kindlichen Haltung zum Studien-Objekt.

Frank, gewohnt positiv (?), nennt aber auch ein paar Gegenentwürfe:

Crossmediale Rechtehändler, Project Manager für Buch-Apps, Community Manager, Gamification-Experten für Lernbücher, Designer immersiver Erlebniswelten in Buchläden und und und.

Man darf sehr gespannt sein, was uns in diesem Blog noch erwartet. Wenn mir mal die Zeit bleibt, mehr als nur kommentierte Links zu bloggen, beteilige ich mich dort vielleicht auch mal. Vielleicht mit einem Beitrag zur Bezahlsituation in der Branche und besonders gegenüber dem Nachwuchs. Denn wenn sich die nicht bessert, bleibt der Branche vermutlich nur der Tigerenten-Nachwuchs: Die Leute, die „crossmedial“ o.ä. denken, wandern dann dorthin ab, wo sie ihre (berechtigte) Liebe zu Medien auch in ein bisschen Geld ummünzen können.

Piraten, Schlachtenlärm und Abgesänge: Links zur Urheberrechtsdiskussion

Man hat ein bisschen das Gefühl, dass mehr diskutiert wird. Trotz Manifesten, Unterschriftenaktionen und Unterstützer-Outings scheint ein Dialoginteresse zu entstehen. Drei Lektüreempfehlungen der letzten Tage:

  • Rudolf Maresch fasst in der Telepolis die „Schlacht ums Urheberrecht“ zusammen und wundert sich über Rückwärtsgewandtheit, Gespensterdiskussionen und Sven Regener.
  • Ruben Wickenhäuser nimmt, ebenfalls in der TP, den Aufruf „Wir sind die Urheber“ unter die Lupe und überlegt, ob aus diesem nicht doch etwas Produktives herauskommen kann.
  • Und schließlich stellen die Piraten ihre häufig missverstandenen Reformideen für das Urheberrecht in 10 knackigen Punkten dar.

Eine Reform ist nicht nur für Produzenten und Konsumenten wichtig, sondern auch für Archivare und die Nachwelt. Denn gerade das deutschsprachige Internet zu archivieren gestaltet sich aktuell als juristisch unmöglich.

Update: Und natürlich dürfen wir nicht übersehen, dass auch die SPD mal wieder Trittbrettfahrer spielt.

Joe Konrath über Agency Model und Wholesale Model

Joe Konrath rechnet in seinem Blog vor, wie sich die Mathematik zwischen Wholesale und Agency Model unterscheidet, etwa im Preisbereich der eBooks für 9,99:

Under the wholesale model, an ebook that retailed for $9.99 was earning the author $3.12. Under the agency model, an ebook that retails for $9.99 earns the author $1.75.

Do you see now why the wholesale digital model was so much better for authors? Publishers switched to a model (and apparently colluded to do so) in which authors, agents, and publishers all make less money than they made under wholesale–with publishers taking a dramatically bigger slice of the shrunken agency pie.

Wenn alle effektiv weniger Geld verdienen: Wozu das alles? Um den Verkaufspreis zu kontrollieren, meint Konrath.

There are obvious benefits to controlling retail price. Doing so circumvents supply and demand. It also prevents discounting.

Die Diskussion ist in Deutschland aufgrund der Preisbindung natürlich müßig, aber einige der Argumente kann man für eben diese Diskussion aufgreifen. Etwa, dass ein fixer (in den USA ein aufgedruckter) Preis den Händlern und dem Umsatz schadet:

Much of what Amazon does is smart. Not having a printed price on their published books, and not having prices in product descriptions, means Amazon can change prices when needed. They can put things on sale, price-match, and allow retailers to find their own price point depending on supply and demand, location, and market fluctuations. The customer doesn’t ever feel like they’re paying too much.

Eine kurze Slide-Einführung in die Unterschiede zwischen beiden Modellen und die historische Entwicklung findet sich bei macstories:

David Armano über die Zukunft sozialer Medien – und die Rückkehr der Intimität

David Armano ist bei der Washington Times im Interview über die Zukunft sozialer Medien.

Spannend sind seine Aussagen über „Tools“, die man im Auge behalten soll – solche nämlich, die nicht weitere Verbreitung versprechen, sondern Intimität:

A social network called Path limits your friend count to no more than 150 connections. It’s gaining momentum partially as the result of „social overload“ from large networks where our friends have begun to over promote themselves. It’s adding some intimacy back into social networking and it combines an exceptional mobile interface which does neat things like including song recognition software so you can share what you are listening to. Another social platform called „Pair“ is also mobile centric, but limits interactions between you and only one other person. In an overly connected world, both these platforms act as an oasis or refuge for highly active digital types who crave connectivity but value quality and intimacy.

Den Overload kennen wir alle, wir werden ihn so sicherlich auch nicht vollständig abstellen. Aber Ruhepunkte, „Oasen“, sind nötig. Ob man dazu neue „Tools“ braucht (und wie lange es dauert, bis die jetzigen Großen Player solche Gatekeeper-Automatismen einführen), wird sich zeigen, aber dass die Kommunikation wieder persönlicher und zielgerichteter wird, kann ich mir gut vorstellen. Die Circles von G+ waren ja auch ein Schritt in diese Richtung.

Die Bundeswehr zu Social Media

Die Bundeswehr äußert sich dazu, wie sich ihre „Angehörigen“ in sozialen Netzwerken verhalten sollen. Das sind zwar alles Allgemeinplätze, aber auch die haben viele Menschen nötig. Die genauen Inhalte unter den Stichpunkten

1. Trennung zwischen beruflicher und privater Nutzung

2. Eigenverantwortung

3. Transparenz und Ehrlichkeit

4. Gesetzliche Regelungen sind immer zu beachten

5. Respekt

6. Qualität und Souveränität

finden sich bei augengeradeaus.net.

(via golem.de)