Im Detail [Adventskalender]

„Vielen Dank für Ihre Bewerbung! Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir nur Bewerber in Betracht ziehen konnten, die im Detail unseren Anforderungen entsprachen.“ I-M D-E-T-A-I-L? Aha. Ich bin Anfang 30, ausgebildeter Verlagskaufmann und habe vor etwas über zwei Jahren zudem einen (fast sehr) guten Abschluss in Buchwissenschaft erlangt. Während des Studiums habe ich fünf Jahre in einem kleinen, auf eine bestimmte Art von Sachbüchern spezialisierten Verlag gearbeitet und bin danach durch eine Initiativbewerbung bei einem ebensolchen Konkurrenzverlag gelandet. Eine schöne Sache, nach dem Studium durch die gesammelte Berufserfahrung übergangslos einen festen und unbefristeten Job zu bekommen. Und das in der bevorzugten Region. Perfekt! Das war es, jetzt ist es das nicht mehr. Ich und die Menschen dort passen nicht so gut zusammen wie erhofft. Und ich würde mich gern weiterentwickeln, mehr Aspekte der Buchbranche kennenlernen. ABER: Ich habe das Gefühl, dass ich aus meiner Sachbuchecke nicht rauskomme. Bewerbungen als Sachbuchlektor/Produktmanager in thematisch anders orientierten Sachbuchverlagen, als Texter, Redakteur, Assistent der Geschäftsführung, auch für Stellen in Werbung, Marketing und PR … Bis jetzt nichts. Am Anfang ein paar Gespräche, bei einem Job die Nummer 2 auf der Liste. Aber es ist eben so, dass immer nur die Nummer 1 ein Angebot bekommt. Liegt es an mir? Bewerbungsunterlagen von Fachleuten gecheckt, Anforderungen in den Anzeigen meist zu 70–90 % erfüllt (Soll man es nicht sogar schon bei 60 % versuchen?), sehr gut ausgebildet (s.o.), vielfältige Erfahrungen (auch im Ausland), zwei Fremdsprachen (z.Zt. Auffrischung), E-Book-Erfahrung … der ganze aktuell zu leistende – Pardon! – Scheiß, um ein guter Bewerber zu sein. Andererseits: Örtlich nicht mehr so flexibel. Wohnung, Frau mit eigenem Job, Familienplanung. Da mag ich nicht mehr groß durch Deutschland ziehen. Mein Fehler? Bin ich zu teuer? Mein derzeitiges Gehalt ist noch das des Einstiegs von vor zwei Jahren. Okay zu Beginn. Mit der gewonnenen Erfahrung würde ich mich gern steigern. Ich muss Miete in einer Großstadt zahlen, und apropos Familienplanung… Oder ist es nach zwei Jahren schon Zeit für eine Weiterbildung, ein Abendstudium, einen zusätzlichen Master. Ja, prinzipiell gern. Aber die Kosten bei dem Gehalt? Jaja, und ich weiß: Die Verlage kriegen sooo viele Bewerbungen. Der Markt ist klein und die Buchmenschen werden immer mehr (auch ein Fluch der Studiengänge?). Und dann sieht man auch noch im Börsenblatt, wer den Job letztendlich bekommen hat. Ein Social Media-Mensch wird Sachbuchlektor? Aha. Das Gute ist: Ich hatte mehrere Vorstellungsgespräche in einer anderen Branche aufgrund des Themas meiner Sachbücher. Und gestern kam ein neues Angebot hinzu. Das könnte passen. Dann glaube ich, dass ich Dich verlasse, liebe Buchbranche. Auch wenn es weh tut. Und wenn es nicht klappt: Ich bin immerhin Buchmensch und verlasse mich auf Ratgeberliteratur: Selfbranding, Guerilla-Bewerbungen … sowas. Ansonsten bleibt mir noch die New Age-Philosophie: Ich bestell den Job beim Universum und irgendwann wird er zu mir kommen. Mein Wunsch an die Buchbranche? Versuch mich zu halten! Aber wenn nicht, dann eben nicht.

Der Autor möchte seinen Namen hier nicht lesen, ist Dennis und Hanna aber bekannt.

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