Das Ich im Netz

Bei jeder zumindest halbwegs professionellen Social-Media-Präsenz tritt irgendwann die Frage nach dem roten Faden auf – dem, was einen zur Marke macht. Ist man Experte für Hundezüchtung oder doch eher Partyguru? Wofür wird man von Freunden, „Freunden“ und Followern wertgeschätzt? Eine Reflexion von Hanna Hartberger

Selbst im Mittelpunkt

Der entscheidende Punkt ist hier nicht das „Warum“ – das ist relativ klar, weil es bei jeder Marke, die beworben wird, eine klare Richtung geben sollte, die für Wiedererkennungswert etc. sorgt. Das Ungewohnte in diesem Fall ist eher, dass es sich um das Marketing für die eigene Person handelt. Marketing für eine andere Person, z.B. einen Schriftsteller, können viele nachvollziehen. Aber in Sachen „Self-marketing“ schrecken viele – verständlicherweise – erst einmal zurück: Gilt es doch als unhöflich und unbescheiden, sich selbst komplett in den Mittelpunkt zu stellen.

Aufbau der Eigenmarke

Aber genau darauf kommt es in den Sozialen Netzwerken an: Die Vermarktung des Ich. Zumindest dann, wenn es darum geht, den Bekanntheitsgrad oder die Reputation zu erhöhen. Andernfalls wird man nur von den Leuten wahrgenommen, die einen sowieso schon kennen. Deswegen heißt die Devise Markenaufbau. Sei es um sich als Hundezüchter oder Partyguru bekannt zu machen, und das, indem man diese Hauptthemen nie aus den Augen verliert. Oder zumindest unterscheidet, welches Ich sich um welches Thema kümmert: Dennis Schmolk hat sein Rollenspielblog beispielsweise ausgelagert, um sich hier hauptsächlich den Medien zu widmen.

Buchtipp

Die Markenbildung des Selbst ist nichts, was sich mal eben so ergibt, sondern ein andauernder Entwicklungsprozess. Spannend in diesem Zusammenhang fand ich das Buch „Die Ich-Marke. Erfolgreiches Eigenmarketing mit Social Media“. Für altgediente Profis würde ich es nicht empfehlen, aber für Ambitionierte und Menschen mit Erst-Erfahrung im Social Networking ist es eine interessante Lektüre.

2 Gedanken zu „Das Ich im Netz“

  1. spannendes Thema – ich kopiere mal hier rein was ich im März 2010 dazu mal geschrieben habe:

    „Wie verändern wir uns durch diesen permanenten (meist nicht bewussten) Druck des sozialen Netzwerks (immerhin häufig mehrere hundert “Freunde”) eigentlich selbst, bzw. unser Verhalten um ein “besseres” Image zu haben? Wird man zwangsläufig (bis zu einem gewissen Grad) zur “attention whore”? Ist facebook nicht eigentlich ein “brag-book” – also v.a. dazu da die eigene “Großartigkeit” zu feiern?

    Die Zahl der Meldungen à la “sitze immer noch im Büro – habe aber auch ordentlich was weggeschafft” oder “bin unterwegs zu Kongress Y – danach sofort weiter nach Z” oder ” mache Urlaub in [exotisches Land]” (unterlegt mit Sommer/Sonne/Strand/Bikini-Bildern) sind jedenfalls schon gewaltig. Speziell beim Hochladen von Bildern geht es ja eigentlich nie darum diese Bilder auch anderen die dabei waren zur Verfügung zu stellen – sondern es geht v.a. darum zu zeigen: “Ich hab Spaß. Ich bin beliebt. Ich bin interessant.” Nach Bestätigung in der eigenen sozialen Gruppe zu suchen ist ja nun völlig normal – aber bezahlen wir das bei facebook nicht bisweilen mit der Aufgabe von etwas arg viel Privatsphäre? Und richten wir gar unser Leben (noch) stärker daraufhin aus, wofür wir Anerkennung/Neid/Applaus aus den Reihen unserer “Freunde” erwarten dürfen? Haben soziale Netzwerke wie facebook (bzw. das was wir daraus machen) das Potenzial uns eines Teil unserer Individualität zu rauben? Paradoxerweise vielleicht gerade WEIL wir nun noch verzweifelter versuchen uns von der Masse der anderen abzuheben, statt einfach zu sein wer man ist. Oder bleiben wir im Wesentlichen wer wir sind und verwenden zukünftig nur viel Zeit uns eine glitzernde Fassade auf facebook zuzulegen?

    Natürlich gibt es auch andere Gründe Statusmeldungen abzusetzen – Spaß an der politischen Diskussion, man will etwas Lustiges weiterverbreiten oder hat einfach nur ein diffuses Mitteilungsbedürfnis. Auch in all diesen Fälle liegt ein Teil des Antriebs aber wohl darin, der eigenen sozialen Sphäre mal wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass man existiert.“

    —-

    Ob Selbst-„Marketing“ übrigens für die Selbstdarstellung bei facebook das richtige Wort ist bin ich mir nicht ganz sicher. Wenn ich mal die gute alte AIDA-Formel (https://de.wikipedia.org/wiki/AIDA-Modell) bemühe, dann kann man sicher sagen, dass ein Bemühen um „Attention“ festzustellen ist. Und ja – „Interest“ an der eigenen Person soll natürlich auch generiert werden. Aber ist das nicht bereits das Endziel für die allermeisten? Um „Desire“ mag es in Einzelfällen gehen – und in genau diesen Fällen dann vielleicht auch um „Action“ 😉 – aber das ist doch eher die Ausnahme als die Regel.

  2. Danke für das Reinkopieren deiner Ausführungen zum Thema – du sprichst dort einige interessante Punkte an.

    Zum AIDA-Modell möchte ich aber anmerken, dass sich das auf Produkte bezieht – es geht ja nicht darum, Menschen zu verkaufen. Und die Bewerbung von Menschen ist nochmal ein komplett anderes Feld als die Bewerbung von Produkten. Man erweckt nicht das „Desire“ nach dem Menschen an sich, sondern nach einer Dienstleistung von ihm, seiner Kompetenz, seiner Witzigkeit, was auch immer … Das äußert sich dann z.B. dadurch, dass man ihn zu einem Vortrag einlädt, was dann die „Action“ ist (das ist ein Punkt, der im erwähnten Buch auch recht gut herauskommt). Wenn du das einbeziehst, klappt das AIDA-Modell wieder.

    Wobei es natürlich eindeutiger wäre, wenn man von der Begrifflichkeit her in Richtung Reputationsmanagement ginge, da gebe ich dir Recht.

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