Mit kununu den passenden Arbeitgeber finden

Foto eines Schilds mit Pfeilen von Pablo Garcia Saldana/unsplash.com

Als digitalaffiner Mensch geht man mit vielen Konzepten und Programmen erstmal recht kritisch um – da das Internet die neue Lebenswelt ist, möchte man auch, dass alles so komfortabel wie möglich ist. Eines der wenigen Tools, das ich extrem schätze und gern weiterempfehle, ist kununu. Das liegt nicht nur an der einfachen Bedienbarkeit, sondern an dem Konzept als solchem. Bevor ich eine Firma nicht auf kununu gecheckt habe, bewerbe ich mich nicht bei ihr. Und oft gibt gerade die kununu-Bewertung den entscheidenden Hinweis, ob sich eine Bewerbung lohnt oder nicht.

Worauf sollte man achten?

Natürlich vertraue ich den Bewertungen auf kununu nicht blind. Folgendes sind die entscheidenden Faktoren für mich:

  1. Aktualität: Gibt es aktuelle Bewertungen der letzten zwölf Monate? Wenn nein, genieße ich die Urteile lieber mit Vorsicht, weil sich gerade in Sachen Unternehmenskultur schnell etwas ändern kann. Der zeitliche Aspekt ist auch dann relevant, wenn sich die Bewertungen verändern. Man kann oft beobachten, dass ältere Bewertungen zum Teil recht mies sind, aber die aktuellen eine positive Tendenz aufweisen. Wenn dann keiner der anderen Faktoren negativ anschlägt, vermute ich tatsächlich eine Veränderung zum Besseren. Schließlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich eine Firma um die Verbesserung ihrer Unternehmenskultur bemüht.
  2. Authentizität: Beliebtes Buzzword, ich weiß, aber hilfreich sind tatsächlich nur die Bewertungen, die nicht vom Unternehmen gefaked sind. Misstrauisch werde ich bei kununu dann, wenn lediglich eine Noten- und keine Textbewertung vorhanden und diese überwiegend positiv ist. Sobald eine (halbwegs ausführliche) Textbewertung vorhanden ist, erkennt man normalerweise Grundzüge des Charakters des Schreibenden. Damit kann man die Beurteilung entsprechend einschätzen.

    Essensfoto von Eaters Collective/unsplash.com
    Eaters Collective/unsplash.com
  3. Abteilung: Gerade bei großen Unternehmen ist es wichtig, darauf zu achten, aus welcher Abteilung eine Bewertung kommt. Oft lässt sich beobachten, dass sich das Klima innerhalb der Firma gravierend unterscheidet; während in der IT-Abteilung die Mitarbeiter beispielsweise überwiegend zufrieden sind, klagen die Vertriebler über unzumutbare Bedingungen. Man kann die Bewertungen bei kununu nach Abteilungen filtern und sollte – zumindest bei entsprechender Menge – auch Gebrauch davon machen.
  4. Anzahl der Bewertungen: Für ein umfassendes Bild ist es selbstverständlich nötig, dass eine gewisse Mindestmenge an Bewertungen vorhanden ist. Bei weniger als drei Beurteilungen ohne Textbewertung ist es schwierig bis unmöglich, etwaige Muster zu erkennen. Ohne diese Möglichkeit sind es persönliche Erfahrungsberichte, die zwar interessant, aber nicht aussagekräftig sind. Denn es ist nicht ungewöhnlich, dass zwei oder mehr Menschen eine Arbeitssituation völlig verschieden interpretieren. Von Fakten gehe ich tendenziell erst dann aus, wenn mehrere Leute dasselbe berichten.

Worst of

Bei den meisten Unternehmen verstärken die kununu-Bewertungen das Bild, das man sich sowieso schon gemacht hat. Es gab aber auch bei mir ein paar Ausnahmefälle, in denen ich nach einem eher kurzen Bewertungs-Check beschlossen habe, dass ich dort nicht anfangen möchte.

  • Ich bin berüchtigterweise ein verfrorener Mensch. Wenn also in den Bewertungen von alten Gebäuden und davon, dass die Heizung im Winter wochenlang nicht funktioniert, die Rede ist, passen das Unternehmen und ich sehr grundlegend nicht zusammen.

    Bild eines Menschen mit Mütze und Schal von Jason Rosewell/unsplash.com
    Jason Rosewell/unsplash.com
  • Einmal hatte ich den Fall, dass sich gefühlt die komplette Management-Ebene über den cholerischen Geschäftsführer ausgelassen hat. Wenn es so weit gekommen ist, dass die Führungskräfte derart offen Dampf ablassen, ist meinem Gefühl nach Einiges im Argen.
  • Recht empfindlich reagiere ich auch auf Hinweise, dass die Führungsebene Probleme mit Frauen hat oder frauenfeindliches Verhalten toleriert wird. Hier hängt es natürlich wieder davon ab, ob man ein Muster erkennt oder ob es sich um Einzelvorwürfe handelt, aber tendenziell scheue ich davor zurück, mir das anzutun.

Und wenn es das Unternehmen auf kununu nicht gibt?

Es kommt hin und wieder vor, dass ein Unternehmen nicht auf kununu zu finden ist. In diesem Fall sollte man zuerst die richtige Schreibweise bzw. die Firmenzugehörigkeit der Angestellten prüfen – manche Unternehmen treten beispielsweise mit einem bekannten Produkt nach außen hin auf, während die Angestellten offiziell aber alle bei der Mutterfirma beschäftigt sind und daher auch diese bei kununu bewerten. Zudem ist es bei kleinen Unternehmen nicht ungewöhnlich, dass es noch keine Bewertungen gibt. Bei größeren Firmen ohne Bewertungen mache ich meist noch den Gegencheck auf Xing, d.h. ich prüfe, ob dort wenigstens ein paar Mitarbeiter ein Profil angelegt haben. Danach stellt man dann ggf. fest, dass einfach wenig Online-Affinität vorhanden ist. Ob man das gut oder schlecht findet, muss jeder selbst entscheiden.

Jeder kann helfen

Damit kununu auch weiterhin seine Funktion erfüllen kann, ist es wichtig, dass möglichst viele ihre eigenen Erfahrungen beisteuern. Man sollte sich nach jedem Jobwechsel also nicht nur um die Aktualisierung seiner Jobprofile auf Xing und LinkedIn kümmern, sondern auch gleich noch eine kununu-Bewertung schreiben. Da es anonym ist und man Angaben, mit denen man zweifelsfrei identifiziert werden könnte, auch weglassen kann, erweist man seinen potenziellen Nachfolgern einen guten und wichtigen Dienst.

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